Aktien – 09.05.2022

Der Stress nimmt zu

Die wichtigsten Fakten:

  • Mit den Kursverlusten bei europäischen Aktien seit Jahresbeginn dürften viele Risiken nun eingepreist sein.
  • Auch in den USA könnten in den kommenden Quartalen Umsatz- und Gewinndynamik nachlassen.
  • Nach den Kurskorrekturen bieten sich Anlegern in vielen Märkten Einstiegschancen.

Quelle: oben901 / Adobe Stock

Die Berichtssaison für das 1. Quartal 2022 hat Fahrt aufgenommen. In Europa sind die Umsätze und Gewinne der Unternehmen von den Folgen des Russland-Ukraine-Krieges noch größtenteils verschont geblieben. Die konsolidierten Gewinne des STOXX 600 sollen den Erwartungen zufolge gegenüber dem Vorjahresquartal um 35,4 Prozent steigen. Haupttreiber dürften eindeutig die Energie-Unternehmen sein, für die ein Gewinnplus von 211,6 Prozent prognostiziert wird. Insgesamt konnten 72,5 Prozent der Unternehmen die Gewinnerwartungen schlagen – deutlich mehr als im langfristigen Mittel, wo der Wert bei rund 50 Prozent liegt. Ein ähnliches gutes Bild zeigt sich bei den Umsätzen: Hier übertrafen zuletzt 76,7 Prozent der Unternehmen die Prognosen, während es sonst im Schnitt nur rund 57 Prozent sind.

Schon mit Blick auf das 2. Quartal 2022 dürfte es den Unternehmen aber schwerer fallen, Umsätze und Gewinne auf dem Niveau der ersten drei Monate zu erzielen. So könnten sich die Aussichten etwa für Unternehmen des Finanz- und Konsumgütersektors sowie für die Industrie infolge der steigenden Inflation eintrüben, falls sich die konjunkturelle Großwetterlage weiter verschlechtert.

Nach Einschätzung der Deutschen Bank hat der europäische Aktienmarkt mit den Kursrückgängen seit Jahresanfang und bereinigt um den boomenden Rohstoffsektor aber bereits einen Puffer für ein niedrigeres Gewinnwachstum gebildet. Ein Großteil der Risiken könnte bereits in den Kursen eingepreist sein. Das wiederum würde Raum für positives Überraschungspotenzial bieten – zum Beispiel, wenn die geopolitische Lage nicht weiter eskaliert oder sich sogar entspannt.

Moderate Gewinne

In den USA haben bis Ende April gut 40 Prozent der Konzerne aus dem marktbreiten US-Leitindex S&P 500 ihre Bilanzen für das 1. Quartal vorgelegt. Über 80 Prozent der Unternehmen konnten die Gewinnerwartungen übertreffen, rund 74 Prozent die Umsatzerwartungen. Für den S&P 500 wird gegenüber dem Vorjahresquartal mit einem Gewinnwachstum von 9,7 Prozent gerechnet. Der Energiesektor sticht hier ebenfalls mit einem prognostizierten Plus von 261 Prozent heraus. Klares Schlusslicht ist bis dato der Finanzsektor mit einem Gewinnrückgang je Aktie um fast 25 Prozent gegenüber dem 1. Quartal 2021.

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Umsätzen. Hier lag Ende April ebenfalls der Energiesektor mit einer Steigerung von 90 Prozent ganz vorn und der Finanzsektor mit einem Rückgang von 18 Prozent ganz hinten (jeweils gegenüber dem Vorjahresquartal).

In den USA könnten die Quartalsergebnisse im weiteren Jahresverlauf gegebenenfalls an Dynamik einbüßen. Mit Blick auf die kommenden Monate ist jedenfalls an den US-Aktienmärkten mit einer anhaltend hohen Volatilität zu rechnen.

Aktien: Der Stress nimmt zu

Quelle: Bloomberg L.P., Stand: 05.05.2022. Wertentwicklungen der Vergangenheit, Simulationen und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen.

Profitable Titel

Galten Aktien als renditestarkes Investment im Umfeld niedriger oder negativer Zinsen lange Zeit als nahezu alternativlos, scheint dieses Narrativ nun weniger zu verfangen. Die Risikoprämie für Aktien ist gesunken, Anleihen gewinnen mit dem zum Teil kräftigen Renditeanstieg seit Jahresbeginn an Attraktivität. Außerdem setzen der Russland-Ukraine-Krieg, eine abnehmende Wachstumsdynamik und die Corona-Beschränkungen in China die Aktienkurse unter Druck. Allerdings ergeben sich durch die jüngsten Kurskorrekturen in vielen Märkten auch Einstiegsmöglichkeiten. Von großer Bedeutung ist dabei die Wahl der richtigen Sektoren. Anleger sollten Titel mit hoher Profitabilität und starker Marktstellung bevorzugen, die sich gerade in wirtschaftlichen Abschwungphasen behaupten können.

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Redaktionsschluss: 05.05.2022, 18 Uhr