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An den internationalen Aktienmärkten herrscht weiter großer Optimismus. Auch im April haben bedeutende Leitindizes Rekordstände markiert. Angesichts der Rekordjagd an den Börsen stellt sich allerdings zwangsläufig die Frage, welche Marktbereiche noch verhältnismäßig günstig bewertet sind. Nach Einschätzung der Deutschen Bank trifft das vor allem auf europäische Substanzwerte (engl.: Value) zu. Diese finden sich in den Sektoren Finanzen, Energie sowie Stahl und Bergbau.

Unter den zyklischen Marktbereichen sticht der Bausektor in Europa hervor. In den letzten drei Monaten erzielte dort jeder Titel einen größeren Kursgewinn als der Gesamtmarkt. Insgesamt legte der Sektor um rund 9 Prozent zu. Gleichzeitig hat die Analystengemeinde ihre Gewinn- und Dividendenprognosen zuletzt deutlich nach oben korrigiert, die Bewertung ist deshalb sogar noch gesunken. Gemessen an den Kennzahlen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) und Dividendenrendite werden Bauaktien weiterhin mit einem hohen Abschlag von gut 20 Prozent zum marktbreiten Index MSCI Europe gehandelt.

Mehr Mut

Bei den Risiken für Aktienanlagen rangieren aktuell eine Straffung der Geldpolitik und eine zunehmende Inflation ganz vorn. Das ergab die weltweite Befragung von Fondsmanagern im März. Viele Notenbanken sehen das offenbar ähnlich und haben inzwischen ihr Bekenntnis zu einem expansiven Kurs bis weit ins nächste Jahr hinein erneuert.

Zu den Top-Risiken zählen die befragten Fondsmanager weiterhin die Corona-Pandemie. Die starke US-Konjunktur und das hohe Tempo bei den Impfungen haben aber im 1. Quartal 2021 „Value“-Investoren ermutigt, günstig bewertete US-Unternehmen ins Depot zu nehmen. Mit Erfolg: In den USA entwickelten sich die im Russel 1.000 gelisteten Titel um 18 Prozentpunkte besser als Wachstumswerte („Growth“).

Kursentwicklung Value- und Growth-Aktien

Der Impfverlauf und steigende Neuinfektionszahlen in Europa haben zuletzt wieder das Interesse an wachstumsstarken Technologieaktien steigen lassen. Die Deutsche Bank erwartet allerdings nicht, dass Growth nun sein beeindruckendes Bewertungsplus von 370 Prozentpunkten gegenüber Value seit 2009 erneut ausbauen kann – zumal Value-Aktien in den kommenden Monaten eine bessere Gewinnentwicklung als Wachstumstitel aufweisen sollten.

Höhere Steuern

Die US-Regierung plant ein gewaltiges Fiskalprogramm. Präsident Joe Biden will bis 2030 rund 2 Billionen US-Dollar in die marode Infrastruktur und das Gesundheitssystem des Landes pumpen. Finanziert werden soll das Ausgabenpaket über eine Erhöhung der Unternehmenssteuern von 21 auf 28 Prozent. Dagegen haben sich aber bereits konservative Demokraten und Republikaner ausgesprochen, eine Einigung könnte bei 25 Prozent liegen. Betroffen wäre auch die deutsche Wirtschaft. Die USA sind nicht nur der wichtigste Exportmarkt. Insgesamt haben sich dort auch 4.500 Firmen mit 900.000 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von 500 Milliarden US-Dollar angesiedelt.

Die Deutsche Bank hat den Gesamteffekt aus Infrastrukturprogramm und höherer Steuerbelastung analysiert. Demnach übersteigt im Durchschnitt über alle Branchen die geplante Steuererhöhung auf 28 Prozent den positiven Effekt des Konjunkturprogramms. Bei einem Steuersatz von 25 Prozent würde hingegen unter dem Strich noch ein Gewinnplus von 3 Prozent entstehen. Die größten Profiteure wären Stahl- und Grundstoffunternehmen, Maschinen- und Anlagenbauer sowie Hardwarekonzerne. Bei Medizintechnik-, Pharma- und Autokonzernen dürften die negativen Wirkungen der Steuererhöhung überwiegen.

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Redaktionsschluss: 06.05.2021