Aktien – 07.12.21

Aktien: Höhere Gewinne, fehlende Alternativen

Die wichtigsten Fakten:

  • Die Corona-Pandemie bleibt ein relevanter Störfaktor für die Aktienmärkte rund um den Globus.
  • Die Zuflüsse in US-Aktienfonds und -ETFs steuern im laufenden Jahr auf ein Rekordniveau zu.
  • Insbesondere asiatische Schwellenländeraktien könnten sich 2022 besser als der Gesamtmarkt entwickeln.

Quelle: oben901 / Adobe Stock

Unverhofft kommt oft – das gilt allemal in der Pandemie: Die neue Coronavirus-Variante Omikron hat die Anleger in einer Phase zunehmender Nervosität kalt erwischt. Insbesondere in Europa werden die Corona-Maßnahmen verschärft, auch in Deutschland ist ein allgemeiner Lockdown politisch nicht mehr ausgeschlossen. An den Aktienmärkten drohen kurzfristig weitere Korrekturen – und eine verstärkte Nachfrage nach „Stay-at-home“-Titeln.

Vorübergehende Risiken

Grundsätzlich aber sollte der langfristige Aufwärtstrend an den Börsen intakt sein. Die Deutsche Bank erwartet für nahezu alle Regionen ein anhaltendes Gewinnwachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich, das die Aktienmärkte stützen könnte. Vorerst scheinen viele Firmen in der Lage zu sein, die steigenden Kosten an ihre Kunden durchzureichen. Die Gewinnmargen sollten sich in den USA als widerstandsfähig erweisen und könnten in Europa sogar steigen, da die Lohnstückkosten voraussichtlich nur moderat anziehen. Außerdem profitieren Aktien vom Mangel an Anlagealternativen. Auch 2022 dürften negative Realrenditen in den USA und Europa die vergleichsweise hohen Bewertungen rechtfertigen.

Konsensus-Gewinnwachstumserwartungen verschiedener Aktienmärkte für 2022

Quelle: Refinitiv Datastream; Stand: 24.11.2021. Wertentwicklungen der Vergangenheit sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen.

In der ersten Jahreshälfte könnten angesichts des erwarteten Konjunkturverlaufs Zykliker im Vordergrund stehen, defensive Titel könnten dann in der zweiten Jahreshälfte an Attraktivität gewinnen. Sektor-Rotationen sind möglich. Für den marktbreiten US-Leitindex S&P 500 erwartet die Deutsche Bank Ende Dezember 2022 einen Stand von 5.000 Punkten. Den größten Teil des Gewinnwachstums könnten Unternehmen aus dem Technologiesektor und aus der Digitalwirtschaft beisteuern.

Aktienallokationen nehmen in der Regel zu, wenn das Verbrauchervertrauen hoch ist, die politische Unsicherheit begrenzt bleibt und das Wirtschaftswachstum robust ausfällt. Für die USA trifft das zu: Die Zuflüsse in US-Aktienfonds und -ETFs betragen seit Jahresbeginn rund 220 Milliarden US-Dollar und steuern auf ein Rekordniveau zu. US-Haushalte, ausländische Anleger sowie Publikums- und Pensionsfonds halten mehr als 80 Prozent aller US-Aktien und haben vor dem Hintergrund des anhaltenden Niedrigzinsumfelds inzwischen über die Hälfte ihrer Portfolios in Aktien angelegt. Da auch der Konjunkturausblick für die USA positiv ausfällt, sollten die Kurse 2022 eine strukturelle Unterstützung erhalten.

Die Prognose für die kommenden 12 Monate für den EuroStoxx 50 liegt bei 4.600 und für den marktbreiteren Stoxx Europe 600 bei 510 Punkten. Mittlerweile hat der Bewertungsunterschied zwischen europäischen und US-Aktien ein 20-Jahreshoch erreicht und sollte nicht weiter zunehmen.

Interessante Perspektiven

Die Unsicherheit an den Immobilien- und Kreditmärkten in China und möglicherweise strengere Coronavirus-Beschränkungen vor den Olympischen Winterspielen in Peking könnten nicht nur die Kurse chinesischer Aktien belasten. Als Wendepunkt für Schwellenländeraktien könnte sich das 2. Quartal 2022 erweisen: Die chinesischen Behörden planen für diesen Zeitraum eine mögliche Lockerung von Beschränkungen für Gesellschaft und Unternehmen. Auch andere ASEAN-Staaten dürften die vollständige wirtschaftliche Wiedereröffnung vorantreiben. Die Deutsche Bank erwartet für Ende Dezember 2022 einen Indexstand des MSCI Emerging Markets von 1.340 Punkten. Auf 12-Monatssicht bietet innerhalb der Schwellenländer die Region Asien die besten Perspektiven. Allerdings müssen Anleger mit einer gewissen Volatilität rechnen.

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Redaktionsschluss: 03.12.2021, 18.00 Uhr