Aktien – 08.04.2022

Aktien: Hohe Widerstandsfähigkeit

Die wichtigsten Fakten:

  • Die globalen Aktienmärkte haben sich von ihren Tiefs erholt. Vorsichtiger Optimismus macht sich breit.
  • Der Energiesektor in den USA und Europa könnte von weiteren positiven Gewinnrevisionen profitieren.
  • Eine Rezession in den USA gilt als wenig wahrscheinlich. US-Aktien könnten daher Kurspotenzial bieten.

Quelle: oben901 / Adobe Stock

Einen Monat nach der Invasion Russlands in der Ukraine scheinen sich viele Investoren mit der derzeitigen Lage zu arrangieren und blicken wieder konstruktiv in die Zukunft. Obwohl der Krieg andauert, haben sich die globalen Aktienmärkte wieder deutlich von ihren Tiefstständen entfernt und notierten im März im Plus.

Ein wesentlicher Grund für die Widerstandsfähigkeit der Aktienmärkte könnte die Konjunkturentwicklung 2022 sein, die nicht mehr so negativ eingeschätzt wird wie noch vor einigen Wochen. Auch wenn das 1. Halbjahr vermutlich schwächer ausfallen dürfte als zu Jahresbeginn erwartet, rechnet die Deutsche Bank für das Gesamtjahr mit positiven Wachstumsraten. Der Wachstumsimpuls dürfte insbesondere in Europa über die Sommermonate aufgrund fallender Corona-Beschränkungen wieder stärker ausfallen. Die Unternehmen beklagen zwar den steigenden Preisdruck und befürchten erneut Lieferengpässe. Die europäischen Einkaufsmanagerindizes signalisieren aber, dass sich die Auswirkungen des Russland-Ukraine-Kriegs bisher in Grenzen gehalten haben.

Aktien: Hohe Widerstandsfähigkeit

Quelle: Bloomberg L.P., Stand: 06.04.2022, Wichtiger Hinweis: Wertentwicklungen der Vergangenheit, Simulationen und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen.

Viel Rückenwind

Unter der Voraussetzung, dass die geopolitische Lage nicht weiter eskaliert, dürften in den kommenden Wochen die Stagflationsängste weiter abnehmen – gut insbesondere für zyklische Aktien, wie sie vor allem in Europa zu finden sind. Dazu könnte auch die Entwicklung an den Ölterminmärkten beitragen. Dort lassen die gehandelten Ölkontrakte den Schluss zu, dass Investoren für die nächsten Monate auf wieder fallende Ölpreise setzen. Nach Analyse der Deutschen Bank haben Öl- und Gasaktien aber weiterhin Luft nach oben. Im 1. Quartal verzeichnete der Energiesektor in den USA und in Europa ein Plus auf Eurobasis von gut 33 Prozent bzw. knapp 9 Prozent. Analysten schätzen aber, dass die Aktienkurse der Petroleumunternehmen lediglich einen Rohölpreis von rund 65 US-Dollar pro Barrel (159 Liter) einpreisen. Zuletzt notierten die Sorten WTI und Brent aber wieder über der Marke von 100 US-Dollar. Selbst bei wieder sinkenden Preisen ist eine Trendumkehr oder gar eine scharfe Korrektur vorerst nicht absehbar.

Für den Sektor sprechen limitierte Produktionskapazitäten, niedrige Lagerbestände und eine anhaltend hohe Nachfrage. Weitere positive Gewinnrevisionen scheinen trotz einer bereits 29-prozentigen Anhebung im Laufe der vergangenen 3 Monate wahrscheinlich. Damit würden die für das Jahr 2022 erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGVs) von 12 für die Unternehmen in den USA und von 7 in Europa weiter gestaucht werden. Trotz der attraktiven Bewertungen sollten langfristig orientierte Anleger aber die Nachhaltigkeit der aktuellen Gewinne nicht außer Acht lassen. Die grüne Transformation schreitet weiter voran und der Krieg in der Ukraine dürfte dies weiter beschleunigen.

Weiteres Potenzial

Auch wenn eine weltweite Konjunkturerholung zu einer Outperformance europäischer Aktien führen könnte, gehört die Anlageregion USA weiterhin in jedes global gestreute Portfolio. Der Aktienkurs eines Durchschnittsunternehmens im marktbreiten S&P 500 lag vor der jüngsten Erholung etwa 20 Prozent unter seinem Höchststand der vergangenen 12 Monate, im Nebenwerteindex Russell 2000 und im Technologieindex NASDAQ Composite waren es jeweils sogar rund 40 Prozent. Diese Rücksetzer sind vergleichbar mit jenen, die durch die Euro-Schuldenkrise 2010/2011 und den Handelskrieg mit China 2018 ausgelöst wurden. Da eine Rezession der US-Wirtschaft aus Marktsicht als wenig wahrscheinlich galt, konnten sich die Kurse seitdem wieder stark erholen. Auch für die kommenden 12 Monate sieht die Deutsche Bank weiteres Potenzial für US-Aktien.

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Redaktionsschluss: 07.04.2022, 18 Uhr