Aktien – 11.02.2022

Aktien: Holpriger Start, interessante Perspektiven

Die wichtigsten Fakten:

  • Die hohe Inflation und die Straffung der Geldpolitik in den USA sind aktuell wichtige Kurstreiber an der Börse.
  • Die vergleichsweise niedrig bewerteten Aktien aus Europa könnten von höheren US-Leitzinsen profitieren.
  • Tech-Aktien bleiben langfristig interessant. Steigende Zinsen könnten aber weitere Kurskorrekturen auslösen.

Quelle: oben901 / Adobe Stock

Inflationsrisiken, steigende Kapitalmarktzinsen, politische Risiken und immer wieder der Pandemie geschuldete Wachstumssorgen: Ein ganzes Bündel von Störfaktoren belastet aktuell die Aktienmärkte. Weltweit haben die Börsen teils deutliche Korrekturen mit erheblichen Kursausschlägen erlebt. So brachen die Technologieaktien des marktbreiten US-Leitindex S&P 500 auf Eurobasis im Januar in der Spitze um 12 Prozent ein.

Gegenwind für Aktienmärkte im Januar 2022

Quelle: Bloomberg L.P.; Stand: 04.02.2022. Wertentwicklungen der Vergangenheit sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen.

Bekannte Muster

Kaum eine Frage aber beschäftigt Investoren derzeit mehr als das weitere Ausmaß der geldpolitischen Straffung in den USA. Nun lässt sich die Zukunft nicht verlässlich aus der Vergangenheit herleiten – eine Indikation aber können die acht Zinsanhebungszyklen seit 1975 Anlegern schon geben. So hat der marktbreite europäische Index STOXX 600 in den sechs Monaten nach dem ersten Zinsschritt der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) durchschnittlich um 9 Prozent zugelegt. Gleichzeitig haben sich europäische Aktien in diesem Zeitraum überwiegend besser entwickelt als US-Titel.

Dieses Muster könnte erneut zutreffen. Dafür spricht, dass europäische Aktien derzeit mit einem Bewertungsabschlag von rund 27 Prozent gegenüber ihren Pendants in den USA gehandelt werden. Das ist deutlich mehr als in den drei vorangegangenen Zyklen (durchschnittlich 15 Prozent). Impulse dürfte in den nächsten Wochen die europäische Berichtssaison zum 4. Quartal 2021 liefern. Positive Unternehmensberichte und Geschäftsausblicke könnten gerade in einem sehr nervösen Marktumfeld zur Beruhigung beitragen. Analysten erwarten für die im STOXX 600 gelisteten Unternehmen immerhin einen aggregierten Gewinnzuwachs von gut 55 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Mit kräftigen Gewinnzuwächsen warten auch die Unternehmen aus dem S&P 500 auf: Vergangenes Jahr waren es 50 Prozent. Obwohl der Index 2021 von Rekordhoch zu Rekordhoch kletterte, sind die Bewertungen im Durchschnitt leicht gesunken, die Kurse legten durchschnittlich nur um 25 Prozent zu. Ende Dezember lag das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für den erwarteten Gewinn in 12 Monaten mit 21,7 rund 7 Prozent niedriger als Anfang 2021. Allerdings haben allen voran einige wenige Technologieunternehmen die Gewinne und die Kurse nach oben gezogen.

In dieser Gemengelage könnte es sich anbieten, bei der Mischung des US-Aktienportfolios auch US-Nebenwerte zu berücksichtigen. Trotz des Kursanstiegs von fast 26 Prozent im vergangenen Jahr ist das KGV des einschlägigen Nebenwerteindex S&P 600 um fast 25 Prozent auf 15,4 gefallen – der Bewertungsabschlag zum S&P 500 ist damit auf den höchsten Stand seit mehr als 15 Jahren geklettert. Überdies dürften kleine Unternehmen vergleichsweise stärker von der robusten Konjunktur und öffentlichen Infrastrukturinvestitionen in den USA profitieren.

Hohe Abschläge

Ob Anleger die jüngste Korrektur dagegen bereits als Einstieg in den Tech-Sektor nutzen sollten, hängt sehr vom Anlagehorizont und Risikoappetit ab. Wachstumswerten werden zwar gemeinhin höhere Bewertungen zugestanden. Ein rascher Anstieg der Realzinsen könnte angesichts nach wie vor hoher Bewertungen aber erneute Korrekturen auslösen.

Kurz- und mittelfristig könnten also auch im nun beginnenden Zinserhöhungszyklus der Fed Substanzwerte mit stabilem Geschäftsmodell und niedrigen Bewertungen die Nase vorn haben. In den vergangenen zwei Dekaden lag der Bewertungsabschlag von Value-Aktien gegenüber Wachstumstiteln in den USA nur selten höher als derzeit. In Europa fällt der Abschlag mit aktuell 50 Prozent in etwa doppelt so hoch aus wie vor den letzten drei Zyklen (durchschnittlich 27 Prozent).

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Redaktionsschluss: 10.02.2022, 18 Uhr