Quelle: Alex Kraus / Bloomberg /Getty Images

Der Aufwärtstrend an den internationalen Aktienmärkten bleibt aktuell intakt. In den USA und Europa haben zuletzt die marktbreiten Leitindizes und auch der Deutsche Aktienindex DAX neue Allzeithochs erreicht. Weitere Kursanstiege bei stärkeren Schwankungen scheinen in den kommenden Wochen möglich. Tatsächlich gelingt es aktuell den führenden Notenbanken in den USA und Europa, wachsende Inflations- und Zinssorgen wegzumoderieren. Außerdem fehlen angesichts weiterhin stark negativer Realverzinsungen renditestarke Alternativen zu Aktienanlagen.

Aktien: Substanz ist Trumpf

Quelle: Bloomberg L.P., Stand 02.06.2021. Wertentwicklungen der Vergangenheit sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen

In Zeiten steigender Inflation sind Anleger oft gut beraten, auf Substanzwerte (Value) zu setzen. Diese finden sich üblicherweise in den Sektoren Finanzen, Rohstoffe, Basiskonsum und Telekommunikation. Ziehen die Anleiherenditen an, schlagen Substanzwerte in der Regel auch den Gesamtmarkt – unabhängig davon, ob das Wirtschaftswachstum, wie derzeit noch in Europa, Fahrt aufnimmt oder sich, wie in den USA, wieder verlangsamt.

Der Abschlag zu Wachstumstiteln (Growth) liegt gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) durchschnittlich bei rund 50 Prozent – und damit nahe den Rekordständen des vergangenen Jahres. Von den europäischen Substanzwerten scheinen Finanz- und Rohstoffaktien besonders interessant. Energiekonzerne profitieren aktuell vom Anstieg der Ölpreise, der sich unmittelbar in einem höheren Gewinnwachstum niederschlagen dürfte. Die Analysten haben ihre Gewinnprognosen 2021 für den Öl- und Gassektor im Stoxx 600 um 13 Prozent angehoben. Außerdem lockt eine erwartete Dividendenrendite von über 5 Prozent.

Mehr Mut

Indes stehen Aktien aus dem Bereich erneuerbare Energien seit Jahresbeginn unter Druck. Angesichts des hohen Investitionsbedarfs belasten steigende Kapitalmarktzinsen die Unternehmen. Die Konsolidierung könnte sich noch fortsetzen – langfristig aber bleibt der Sektor interessant. 2020 ist die Kapazität regenerativer Stromerzeugung weltweit um 45 Prozent (280 Gigawatt) gestiegen – der stärkste Jahreszuwachs seit 1999. Das sind rund 90 Prozent der gesamten Kapazitätsausweitung des globalen Stromsektors. Auch für 2021 und 2022 erwartet die International Energy Agency (IEA) einen Zubau in vergleichbarer Höhe.

Im laufenden Jahr drohen der Automobilindustrie in Europa und in den USA rund 60 Milliarden US-Dollar Umsatzeinbußen, weil Halbleiter knapp sind und die Produktion dadurch massiv gestört wird. Zuletzt hat der Stoxx 600 Automobiles & Parts, der im Stoxx 600 die Entwicklung der 12 größten europäischen Konzerne der Automobilindustrie abbildet, deshalb einen Rücksetzer verzeichnet, der jedoch inzwischen fast wieder aufgeholt wurde. Abgehakt ist das Thema damit aber noch nicht.

Mehr Kontrollen

In China beschweren sich Kleinunternehmer und Verbraucher zunehmend über die übergriffigen Geschäftspraktiken und die Datensammelwut von „Big Tech“. Aktuell wird die Anti-Kartell-Regulierung mit dem Ziel überarbeitet, die Wettbewerbsbehinderungen durch große Plattformen zu unterbinden und die aggressive Übernahmepolitik zu beschränken. Der Schutz personenbezogener Daten soll dadurch gestärkt werden, dass exzessives Sammeln und die unkontrollierte Verwendung von Daten beschränkt werden. Bei Verstößen verhängt die Regierung inzwischen hohe Geldstrafen.

Sobald die Folgen der Regulierung abschließend bewertbar sind und das Impftempo in den Schwellenländern deutlich zunimmt, könnten die Aktien aus den Regionen nach Einschätzung der Deutschen Bank verlorenes Terrain gutmachen.

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Redaktionsschluss: 02.06.2021, 14 Uhr