Aktien – 03.11.21

Aktien: Überraschende Zahlen, regulative Eingriffe

Die wichtigsten Fakten:

  • Die jüngsten Kursgewinne an den Aktienmärkten resultieren auch aus dem guten Verlauf der Berichtssaison.
  • Aktien entwickeln sich in Stagflationsphasen oft schwächer. Das Szenario ist aktuell aber nicht wahrscheinlich.
  • Die regulatorischen Markteingriffe in China verunsichern Anleger. Der Umbau der Wirtschaft bietet auch Chancen.

Quelle: Alex Kraus / Bloomberg /Getty Images

Nach einer Korrektur von rund 5 Prozent im September haben sich die Aktienmärkte im Oktober erholt – und zum Teil neue Höchststände markiert. Ein Grund für die Stabilisierung war der gute Start in die Berichtssaison für das 3. Quartal. Allerdings haben die Analysten ihre Erwartungen im Vorfeld zurückgeschraubt. Für den marktbreiten US-Index S&P 500 kalkulieren sie mit 49 US-Dollar saisonbereinigt einen um 7,5 Prozent niedrigeren Gewinn je Aktie ein als im Vorquartal – breit gestreut über alle Sektoren, mit Ausnahme der Energieversorger. Aus Sicht der Deutschen Bank erscheint diese Schätzung jedoch zu konservativ. Sie rechnet mit einem Gewinn je Aktie von rund 54 US-Dollar. Insbesondere der Finanzsektor, Firmen mit hoher Marktkapitalisierung und Techs haben sich besser entwickelt als angenommen.

Auch für europäische Aktien sind die Markterwartungen verhalten. Die Analysten prognostizieren für Indexmitglieder des marktbreiten STOXX 600 zwar einen deutlichen Gewinnanstieg auf Jahresbasis, so die Konsensschätzung. Gegenüber dem Vorquartal aber könnten die Profite rund 10 Prozent geringer ausfallen. Die nachlassende Konjunkturdynamik, globale Lieferengpässe, Produktionsstopps sowie hohe Rohstoff- und Energiepreise dürften besonders stark die Sektoren Automobile und Finanzen getroffen haben. Dagegen könnten insbesondere Immobilien-, Energie- und Industrieunternehmen höhere Gewinne melden.

Vorübergehende Risiken

Die Investoren werden angesichts der Inflationsentwicklung besonders aufmerksam den steigenden Kostendruck beobachten. Für Aktien von Konzernen, die höhere Kosten nur begrenzt oder gar nicht an ihre Kunden weitergeben können, dürften die Kursrisiken zunehmen. Aktien haben sich in Phasen verlangsamter Wachstums- und steigender Inflationserwartungen seit 1997 vergleichsweise schwächer entwickelt.

Während der MSCI Europe und der japanische Leitindex TOPIX etwa 0,5 Prozent weniger als in einem durchschnittlichen Monat abwarfen, fiel die Underperformance des Schwellenländerindex MSCI EM (-0,7 Prozent) und des S&P 500 (-1,1 Prozent) noch deutlicher aus. Der Blick auf den globalen Aktienindex MSCI World AC zeigt für den IT-Sektor durchschnittlich die schlechteste (-1,5 Prozent), für Energie (+1 Prozent) und Versorger (+0,3 Prozent) die beste Kursentwicklung im „Stagflationsszenario“. Value-Aktien haben im Vergleich zu einem durchschnittlichen Monat um 0,4 Prozent besser abgeschnitten als Wachstumstitel (Growth). Die Deutsche Bank erwartet aber, dass sich die Stagflationssorgen mittelfristig verflüchtigen, wenn die Unterbrechungen der Versorgungsketten nachlassen und die Übertreibungen bei den Energiepreisen abklingen.

Quelle: Bloomberg L.P.; Stand 02.11.2021 Wertentwicklungen der Vergangenheit sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen.

Quelle: Bloomberg L.P.; Stand 02.11.2021 Wertentwicklungen der Vergangenheit und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen.

Interessante Perspektiven

Sorgen bereiteten Investoren zuletzt die Konjunkturabkühlung in China und gezielte regulatorische Markteingriffe Pekings. Das harte Durchgreifen der Behörden bei Privatunternehmen aus den Bereichen Internet, Bildung, Glücksspiel, Gesundheit und Immobilien könnte zur neuen Normalität werden und die Rentabilität der regulierten Firmen oder Sektoren beeinträchtigen. Es ist nicht ungewöhnlich, dass die Politik in China teils massive Kurskorrekturen am Aktienmarkt auslöst. Bislang wurden Anleger für die erhöhte Volatilität entschädigt: Seit 2001 erzielte der MSCI China eine jährliche Gesamtrendite von 12 Prozent – beim S&P 500 waren es „nur“ 9 Prozent. Die Ungewissheit über Art, Zeitpunkt und Ausmaß künftiger Regulierungen rechtfertigt aktuell aber niedrigere Bewertungen als in der Vergangenheit. Andererseits geht Peking nicht generell gegen die Privatwirtschaft vor, sondern strukturiert die Wirtschaft um. Im Fokus stehen Investitionen in „Hardware-Technologien“, die Anlegern eine interessante Perspektive bieten könnten.

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Redaktionsschluss: 02.11.2021, 18.00 Uhr