Aktien – 14.03.2022

Viel Unsicherheit, vorsichtiger Optimismus

Die wichtigsten Fakten:

  • Europäische Aktien sind besonders stark vom Krieg in der Ukraine betroffen.
  • Die Sanktionsspirale könnte erneute Kursrückschläge nach sich ziehen.
  • Am US-Aktienmarkt sind starke Sektorrotationen zu beobachten.

Quelle: oben901 / Adobe Stock

Nach einem ohnehin schwierigen Jahresauftakt werden die Aktienmärkte derzeit weitgehend vom Krieg in der Ukraine sowie den Folgen verhängter Sanktionen gegen Russland und möglicher russischer Vergeltungsmaßnahmen beeinflusst. Kurzfristig gehören die geografische Nähe zum Kriegsgebiet und die Energieabhängigkeit einzelner Märkte zu den wichtigsten Treibern an den entsprechenden europäischen Aktienmärkten. Auf längere Sicht könnte eine steigende Inflation, die durch höhere Energiekosten weiter beschleunigt wird, den Konsum und die Preissetzungsmacht der Unternehmen beeinträchtigen.

Die europäischen Aktienmärkte sind besonders stark vom Krieg betroffen. Anleger müssen mit weiteren Kursrückgängen rechnen, da ein eskalierender oder anhaltender militärischer Konflikt noch höhere Risikoprämien nach sich ziehen könnten. Die Sanktionsspirale dürfte ebenfalls zu weiteren Bewertungsabschlägen europäischer Aktien führen. Langfristig könnten die Unternehmensgewinne unter Druck geraten. 

In dieser Gemengelage spricht viel dafür, dass Notenbanken in den Industriestaaten die geplante Straffung ihrer Geldpolitik verzögern – und die Realzinsen wieder tiefer in den negativen Bereich sinken. In Kombination mit fiskalischen Unterstützungsmaßnahmen insbesondere in Europa könnten negative Folgen des Kriegs für die Aktienmärkte abgefedert werden. Die Deutsche Bank senkt ihr Kursziel für den marktbreiten europäischen Index Stoxx 600 von 490 auf 460 Punkte – sieht damit auf dem aktuellen Niveau aber Aufwärtspotenzial. Allerdings ist die Prognoseunsicherheit für den europäischen Markt größer als in allen anderen Regionen.

Aktien: Viel Unsicherheit, vorsichtiger Optimismus

Quelle: Bloomberg L.P., Stand: 08.03.2022 Wertentwicklungen der Vergangenheit, Simulationen und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Wertentwicklungen.

Unterschiedliche Reaktionen

Der US-Aktienmarkt hat sich während der aktuellen Krise bislang vergleichsweise robust gezeigt. Allerdings ist es im marktbreiten Leitindex S&P 500 zu größeren Sektorrotationen gekommen. Anleger haben Kapital aus zyklischen Werten abgezogen und verstärkt in Rohstoffaktien investiert. Da aber auch die US-Wirtschaft indirekt von den ökonomischen Folgen des Russland-Ukraine-Kriegs belastet sein dürfte und im Zuge dessen die Teuerungsrate in den USA stärker als bislang erwartet anziehen könnte, revidiert die Deutsche Bank ihre Prognose für den S&P 500: von 4.800 auf 4.600 Punkte Ende März 2023.

Die Aktienmärkte in den Schwellenländern haben unterschiedlich auf den Krieg reagiert. Die hohe Abhängigkeit von russischen Energielieferungen und die geografische Nähe zum Krisengebiet setzen die Bewertungen an den osteuropäischen Märkten unter Druck. Das Risiko für weitere Kursrückschläge ist entsprechend hoch. Dagegen erweisen sich Aktien aus dem asiatisch-pazifischen Raum bislang als relativ stabil. Die beste Wertentwicklung verzeichnet aber Lateinamerika. Die Aktienmärkte der Region profitieren von einer geringen wirtschaftlichen Verflechtung mit Russland und einer hohen Gewichtung des Rohstoffsektors. Vergleichsweise hohe Leitzinsen in den Schwellenländern bieten zwar geldpolitischen Spielraum, um einem schwächeren Wirtschaftswachstum entgegenzuwirken.

Starke Schwankungen

Vor dem Hintergrund eines schwächeren, aber anhaltenden Wirtschaftswachstums sowie negativen Zinsen bleibt die Deutsche Bank für Aktien vorsichtig optimistisch. Die wirtschaftlichen Fundamentaldaten dürften sich aber in der kurzen Frist verschlechtern. Der Ausblick für die Anlageklasse unterliegt einem hohen Maß an Unsicherheit. Risikomanagement dürfte deshalb ein wichtiger Schlüssel für den Umgang mit bis auf Weiteres volatilen Aktienmärkten sein.

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Redaktionsschluss: 11.03.2022, 18 Uhr