Quelle: Alex Kraus / Bloomberg /Getty Images

Im Fokus der Kapitalmarktteilnehmer stehen aktuell die Zins- und Inflationsentwicklung in den USA und die weltweite Pandemiebekämpfung. Während sich im Zinsumfeld kurzfristig etwas Entspannung abzeichnet, bleibt die Impfgeschwindigkeit in anderen Teilen der Welt wie etwa in der Europäischen Union relativ betrachtet zurück. In Zeiten der Globalisierung kann das erhebliche Auswirkungen gerade auf die besonders anfälligen Produktions- und Lieferketten haben.

Knappes Angebot

Die Probleme in der Halbleiterindustrie zeigen exemplarisch, wie pandemiebedingte Engpässe zusätzlich die ohnehin durch Embargos, Zölle und Investitionsrestriktionen eingeschränkte Verfügbarkeit von Chips begrenzen können. Das wird besonders dort zum Problem, wo die Digitalisierung Fahrt aufnimmt und die Nachfrage steigt. Betroffen sind das IT-nahe Cloud Computing, aber auch die Automobil- und Maschinenbaubranche.

Der dynamische Trend, dass Unternehmen mit ihrer IT-Infrastruktur in die „Wolke“ umziehen, führt zu einer steigenden Halbleiternachfrage in den Rechenzentren der USA und Chinas. Nach Schätzungen der Deutschen Bank könnte der Bedarf im ersten Halbjahr 2021 zwar noch mit Lagerbeständen gedeckt werden. Danach aber droht ein Chipmangel, der die Umzugsgeschwindigkeit in die Cloud abbremsen dürfte.

Das knappe Angebot, das bis ins dritte Quartal bestehen bleiben könnte, hat bei den Auto- und Maschinenbauern bereits die Jahresplanung über den Haufen geworfen. Einige weltbekannte Automobilhersteller klagen über Engpässe und Produktionsunterbrechungen in ihren europäischen und nordamerikanischen Werken. US-Landmaschinen-, Baumaschinen- und Generatorenhersteller sind ebenfalls betroffen.

Grüne Rally

Das angekündigte US-Infrastrukturprogramm beflügelt die Märkte. Dabei geht es nicht nur um das Volumen, sondern auch um die Frage, wie grün es am Ende wird. So soll die Offshore-Windenergie ausgebaut werden und bis 2030 eine Produktion von 30 Gigawatt aufweisen. Derzeit werden in den USA gerade einmal 50 Megawatt von einem einzigen Offshore-Windpark erzeugt.

Nicht nur Joe Bidens Wahlprogramm, sondern auch der Green Deal der EU und Chinas Ankündigung, die Dekarbonisierung mit konkreten CO2-Reduktionszielen und Emissionshandel voranzutreiben, haben 2020 nach den Corona-Turbulenzen an den weltweiten Börsen eine Rally auf grüne Aktien ausgelöst. Der marktbreite S&P Global Clean Energy Index legte in nur knapp zehn Monaten um 260 Prozent zu. Inzwischen hat in dem Sektor eine Konsolidierung eingesetzt. Steigende US-Realzinsen belasten seit Mitte Februar insbesondere die wachstumsstarken Technologie-Aktien mit hohem Kapitalbedarf. Dazu zählen letztlich auch die Renewables-Titel. Der S&P Global Clean Energy Index ist seit seinem Jahreshoch um knapp 30 Prozent eingebrochen.

Quelle: Bloomberg L.P.; Stand: 07.04.2021. Wertentwicklungen der Vergangenheit sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen

Die steigenden Kapitalkosten und die daraus resultierende Anpassung der Kursziele nach unten ändern aber nichts an der grundsätzlich positiven Einschätzung für Erneuerbare Energien. In den meisten Kursen ist nach Analyse der Deutschen Bank jetzt lediglich ein moderates Wachstum eingepreist, das aber deutlich stärker ausfallen dürfte. Regulierung und Gesetzgebung, die den Ausbau und die Verwendung von Erneuerbaren Energien fördern werden, scheinen bisher noch nicht vollständig berücksichtigt zu sein. Für Anleger könnte sich nun erneut eine interessante Gelegenheit bieten, auf den „grünen Zug“ aufzuspringen.

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Redaktionsschluss: 07.04.2021, 14 Uhr