Liquidität – 11.02.2022

Liquidität: Vor der Leitzinswende

Die wichtigsten Fakten:

  • Die US-Notenbank überrascht die Märkte mit der Ankündigung, ihre Bilanz schneller als erwartet zu kürzen.
  • Entgegen bisheriger Aussagen schließt die EZB offenbar eine Leitzinserhöhung 2022 nicht mehr aus.

Quelle: PeJo / Adobe Stock

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hat die Leitzinsen im Januar unverändert gelassen. Gleichzeitig bereitete Fed-Chef Jerome Powell die Marktteilnehmer auf eine erste Leitzinserhöhung im März vor: Die Wirtschaft laufe gut und der Arbeitsmarkt sei gemessen an vielen Indikatoren sehr stark. Deshalb sei es angemessen, sehr bald die Zinsen anzuheben. Auch das Anleihekaufprogramm werde im März eingestellt. Im weiteren Verlauf des Jahres soll die Bilanz verkürzt werden, indem zurückgezahlte Anleihen nicht wieder neu investiert werden. Das war von den Märkten so erwartet worden, dennoch reagierten sie verschnupft: Powell unterstrich, dass die Laufzeit der gekauften Anleihen relativ kurz sei und die Rückführung der Bilanzsumme folglich zügig erfolgen solle – schneller als bislang von den Anlegern erwartet.

Restriktiver Kurs

Historisch hohe Inflationsraten in der Eurozone setzen immer stärker auch die Europäische Zentralbank (EZB) unter Druck, die Zinswende einzuleiten. Anfang Februar haben die Währungshüter wie erwartet keine Änderungen in der Geldpolitik vorgenommen. Bemerkenswert war allerdings die Vielzahl der Hinweise auf erhöhte Risiken von Inflationsraten in der nahen Zukunft, die über den Dezember-Projektionen liegen. Die nächste Sitzung im März wird insofern Klarheit darüber bringen, ob der EZB-Rat für 2023 und 2024 eine Preissteigerung von über 2 Prozent erwartet. Inzwischen schließt auch EZB-Chefin Christine Lagarde eine Leitzinserhöhung noch in diesem Jahr nicht mehr explizit aus.

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Redaktionsschluss: 10.02.2022, 18 Uhr