Liquidität – 03.06.2022

EZB auf den Spuren der Fed

Die wichtigsten Fakten:

  • Die EZB dürfte im Juni ihre Netto-Anleihekäufe beenden und die Märkte auf steigende Leitzinsen einstimmen.
  • Die US-Notenbank Fed könnte bis Mitte 2023 ihren Leitzinskorridor noch um 250 Basispunkte anheben.

Quelle: PeJo / Adobe Stock

Im geldpolitischen Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) herrscht grundsätzlich Einigkeit, die ultralockere Geldpolitik zeitnah anzupassen. Unterschiedliche Auffassungen gibt es aber darüber, wie schnell und wie umfassend die EZB vorgehen sollte. So waren einige Ratsmitglieder bereits zum Zeitpunkt der letzten Sitzung im April davon überzeugt, dass die Kriterien für eine Anhebung der Leitzinsen erfüllt gewesen seien, wie aus dem Protokoll des Treffens hervorgeht. Angesichts des bestehenden Preisdrucks dürfte die EZB im Juni ein Ende ihrer Netto-Anleiheankäufe beschließen und auf die Möglichkeit eines ersten Zinsschritts auf der Folgesitzung hinweisen. Bis zum Jahresende könnte der Einlagensatz dreimal und der Hauptrefinanzierungssatz zweimal angehoben werden. Die Markterwartungen liegen im Schnitt bei vier Zinsschritten mit je 25 Basispunkten. Sollten die Inflationsraten nicht bald wieder in Richtung des 2-Prozent-Ziels der EZB tendieren, könnten sich die Währungshüter aber auch gezwungen sehen, konsequenter gegen den Preisdruck vorzugehen.

Höhere Zinsen

Dagegen scheint die Teuerung in den USA ihren Höhepunkt hinter sich zu haben – doch die Hoffnung auf einen zügig nachlassenden Preisdruck könnte verfrüht sein. Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) wird daher kaum von ihrem Plan abweichen und die Zinsen weiter sukzessive anheben. Die Deutsche Bank erwartet den Leitzinskorridor Ende 2022 bei 2,50 Prozent bis 2,75 Prozent. Im 1. Halbjahr 2023 könnten weitere drei Anhebungen um jeweils 25 Basispunkte auf dann 3,25 Prozent bis 3,50 Prozent folgen.

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Redaktionsschluss: 01.06.2022, 18 Uhr