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Die Analystengemeinde diskutiert intensiv darüber, wann die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) beginnt, das Volumen ihrer monatlichen Wertpapierkäufe zu reduzieren (Tapering). Favorisierter Startmonat ist inzwischen Dezember. Die Fed müsste demnach spätestens auf ihrer Sitzung im November einen entsprechenden Beschluss fassen. Nach überwiegender Einschätzung der Analysten dürfte das Tapering in Teilschritten mit einer Drosselung der monatlichen Staatsanleihekäufe um 10 Milliarden US-Dollar und der von Hypothekenanleihekäufen um 5 Milliarden US-Dollar erfolgen. Damit wäre das Programm im zweiten Halbjahr 2022 beendet, und erste Leitzinserhöhungen könnten 2023 folgen.

Stabile Renditen

Dieses Szenario, das immer unter dem Vorbehalt steht, dass externe Schocks ausbleiben, dürfte die Marktakteure nach Meinung der Deutschen Bank nicht sonderlich beunruhigen. Anders als 2013, als die Fed die Märkte mit der Ankündigung eines schnelleren Ausstiegs aus dem Anleihekaufprogramm überraschte, nehmen die US-Währungshüter mit ihrer aktuellen Kommunikation der geldpolitischen Straffung ihren Schrecken. Allerdings ist der Verlauf des nächsten Zinserhöhungszyklus für die Investoren an den Finanzmärkten wichtiger als der des Tapering. So sollten mögliche Leitzinserhöhungen gut prognostizierbar sein, nicht zu hoch ausfallen und in einem Abstand von mindestens drei Monaten erfolgen. Die stimmberechtigten Mitglieder des Offenmarktausschusses (FOMC) erwarten aktuell eine finale Federal Fund Rate von 2,5 Prozent – ein Szenario, das Anleger wohl kaum verstören dürfte.

Eine sinkende Nachfrage nach US-Staatsanleihen durch die Notenbank muss sich nicht zwangsläufig in steigenden Renditen der Staatsanleihen niederschlagen. In einer prosperierenden Wirtschaft erhöhen sich die Steuereinnahmen, gleichzeitig laufen staatliche Corona-Hilfsprogramme aus – entsprechend dürfte in den Folgequartalen auch das Angebot an US-Treasuries sinken. Das setzt allerdings voraus, dass das geplante Infrastrukturpaket der US-Regierung gegenfinanziert werden kann und das Zinsniveau niedrig bleibt.

Davon geht die Analystengemeinde in ihrem Basisszenario aus. Für die Tapering-Phase erwartet sie nach jeder Volumenreduzierung bei 10-jährigen US-Staatspapieren einen Renditeanstieg von rund 0,1 Prozentpunkten innerhalb von ein bis zwei Monaten. Selbst unter ungünstigen Rahmenbedingungen dürfte der Anstieg maximal 30 Basispunkte erreichen – alles in allem für Zinsanleger kein Grund zur Panik.

Reenditeentwicklungen ausgewählter Rentenmärkte

Quelle: Bloomberg L.P., Stand: 06.09.2021 Wertentwicklungen der Vergangenheit und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen

Intakter Trend

Globale Unternehmensanleihen mit guter und sehr guter Bonität (Investment Grade, IG) dürften weiterhin von verbesserten Fundamentaldaten und einer stabilen Nachfrage bei gleichzeitig sinkendem Angebot profitieren. Steigende Leitzinsen könnten aber zu größeren Kursschwankungen führen. Gleichzeitig sollte sich die weitere Konjunkturerholung positiv auf die Ausfallraten im Segment der Hochzinsanleihen (High Yield, HY) auswirken. Dafür spricht auch der Rating-Trend: Zuletzt überwogen Heraufstufungen der Bonität. Außerdem sind HYs weniger zinsempfindlich als IGs, die Auswirkungen einer Drosselung der Anleihekäufe in den USA durch die Fed sollten überschaubar sein. Nach Einschätzung der Deutschen Bank könnten sich die Renditeaufschläge auf Anleihen aus den Schwellenländern in den nächsten 12 Monaten einengen – auch weil Impffortschritte die wirtschaftliche Erholung dort beschleunigen dürften. Risikofaktor bleibt eine Abschwächung der Wachstumsdynamik in China.

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Redaktionsschluss: 08.09.2021, 18.00 Uhr