Renten – 07.10.21

Renten: Die Rolle der Notenbanken

Die wichtigsten Fakten:

  • Die mögliche Straffung der Geldpolitik in den USA hat zuletzt zu einem Anstieg der US-Renditen beigetragen.
  • Die Europäische Zentralbank könnte den Sektor der Unternehmensanleihen weiterhin stützen.
  • Die Aussicht auf vorzeitige Leitzinserhöhungen treibt aktuell die Renditen britischer Staatspapiere nach oben.

Quelle: Mark Wilson / Getty Images

Für viele Marktteilnehmer kam die Entwicklung überraschend: Schwächere Konjunkturdaten und zuletzt ein möglicher Zahlungsausfall in China im Zusammenhang mit einem hoch verschuldeten Immobilienentwickler hatten vorübergehend zu einem Rückgang der Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen von 1,48 Prozent Anfang Juli bis auf 1,30 Prozent im August geführt. Der Abwärtstrend scheint inzwischen aber gebrochen. Die Rendite sprang auf 1,54 Prozent, nachdem die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) und auch andere bedeutende Notenbanken wie die Bank of England (BoE) den Abschied von der extrem lockeren Geldpolitik bekräftigt hatten. Inzwischen wachsen bei einigen Marktteilnehmern auch die Zweifel an dem Basisszenario führender Währungshüter, dass die hohen Inflationsraten nur ein vorübergehendes Phänomen seien.

Quelle: Bloomberg L.P.; Stand 28.09.2021 Wertentwicklungen der Vergangenheit und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen

Quelle: Bloomberg L.P.; Stand 28.09.2021 Wertentwicklungen der Vergangenheit und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen

In Großbritannien hat die absehbare Straffung der Geldpolitik ebenfalls zu einem signifikanten Anstieg der Staatsanleiherenditen geführt. Die Ankäufe der „Gilts“ durch die BoE laufen zum Jahresende aus. Nun aber verdichten sich die Anzeichen für vorzeitige Leitzinserhöhungen. Bislang waren viele Analysten von einem ersten Schritt nicht vor 2023 ausgegangen, während die Märkte bereits für Mitte 2022 einen Anstieg von 0,1 Prozent auf 0,25 Prozent eingepreist haben. Dieses Szenario könnte sogar noch übertroffen werden. Die Rendite für 10-jährige britische Staatsanleihen liegt inzwischen über 1 Prozent.

Stabile Renditen

Bei europäischen Unternehmensanleihen bewegen sich die Renditeaufschläge auf einem historisch niedrigen Niveau. Zwar kündigte die Europäischen Zentralbank (EZB) an, das Tempo ihrer Anleihekäufe im Rahmen des Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP) moderat zu verringern. Doch für den Unternehmenssektor ist das Corporate Sector Purchase Programme (CSPP) der EZB ausschlaggebend – und hier hält die EZB bislang Kurs. Nach Einschätzung der Deutschen Bank dürfte die Notenbank die Unterstützung des Sektors vorerst beibehalten werden.

Gegen spürbar höhere Risikoprämien für europäische Unternehmensanleihen spricht auch die hohe Liquidität im Markt. Geldmarktfonds verfügen aktuell über 100 Milliarden US-Dollar, die den Unternehmen im Fall einer weiteren Konjunkturabschwächung als eine Art Puffer zugutekommen könnten. Gleichzeitig hat sich der Cashflow in den Firmen selbst deutlich verbessert. Europäische Emittenten mit einer guten oder sehr guten Bonität (Investment Grade, IG) verzeichneten im 2. Quartal 2021 einen Gewinnanstieg (EBITDA) von 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, Unternehmen aus dem Hochzinssegment (High Yield, HY) sogar von 140 Prozent.

Geringere Schuldenquote

Die verfügbaren Daten aus der Eurozone deuten darauf hin, dass die Unternehmen in diesem Jahr mehr als 240 Milliarden Euro Eigenkapital aufnehmen könnten. Dies wäre nicht nur der höchste Wert seit 2015. Erstmals seit 2017 dürfte er die Nettoemissionen von Unternehmensanleihen der Region um etwa 70 bis 80 Milliarden Euro übersteigen und damit die Verschuldungsquote der Unternehmen senken. Alles in allem verfügen die Euro-Rentenmärkte derzeit also über genügend Munition, um den aktuellen Sorgen um die Wirtschaftskraft zu trotzen. Die Deutsche Bank erkennt in dieser Gemengelage sogar begrenztes Potenzial für weiter sinkende Risikoprämien. Auf ihrer Jagd nach Rendite dürften institutionelle Anleger von Staatsanleihen auf bonitätsstarke Unternehmensanleihen ausweichen, während IG-Investoren die HY-Märkte anzapfen könnten.

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Redaktionsschluss: 06.10.2021, 18.00 Uhr