Renten – 13.07.2022

Von Rezessionsängsten und Zinserhöhungen

Die wichtigsten Fakten:

  • Die Renditen von US-Staatsanleihen sind in diesem Jahr kräftig gestiegen.
  • Von der steigenden Wahrscheinlichkeit einer US-Rezession könnten Staatsanleihen profitieren.
  • Die EZB entwickelt ein Instrument, um die Fragmentierung des Anleihemarktes zu verhindern.

Quelle: Philip / Adobe Stock

Die neue geldpolitische Realität bescherte dem Anleihemarkt 2022 eines der schwächsten ersten Halbjahre der vergangenen Jahrzehnte. So weisen Staats- und Unternehmensanleihen aus dem Euroraum seit Jahresbeginn eine negative Performance von rund 12 Prozent auf, bei Unternehmensanleihen auf US-Dollarbasis beträgt der Verlust sogar gut 15 Prozent. Dieser Trend könnte sich aber nach Einschätzung der Deutschen Bank spürbar abschwächen und in einzelnen Segmenten sogar umkehren.

Hohe Risikoaufschläge

Tatsächlich ist die Rendite 10-jähriger Staatspapiere aus den USA seit Jahresbeginn bereits um bis zu 2 Prozentpunkte gestiegen, die von Bundesanleihen gleicher Laufzeit um rund 1,5 Prozentpunkte. Gleichzeitig haben die Risikoaufschläge (Credit Spreads) ein relativ hohes Niveau erreicht. Die darin eingepreisten Zahlungsausfälle dürften selbst im Falle einer Rezession kaum erreicht werden. Ohnehin ist die laufende Verzinsung von US-Staatsanleihen und die aus Ländern der Eurozone nach Erreichen ihrer Mehr-Jahres-Höchststände Mitte Juni wieder gesunken. Es ist fraglich, ob die zu erwartenden Leitzinserhöhungen der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) und der Europäischen Zentralbank (EZB) in den aktuellen Kursen berücksichtigt sein. Außerdem verschiebt sich der Fokus der Anleger zunehmend auf die an den Märkten aufkeimende Rezessionsdiskussion. In diesem Zusammenhang wurden bereits zwei mit 25 Basispunkten an den Märkten eingepreiste Zinsanhebungen der Fed wieder ausgepreist.

Die Gratwanderung der Notenbanken, die hohen Inflationsraten durch Zinserhöhungen einzudämmen, ohne dabei die Wirtschaft zu sehr auszubremsen, dürfte weiterhin starke Marktbewegungen zur Folge haben. Der Beginn der quantitativen Straffung der US-Geldpolitik seit dem 1. Juni wirkt ebenfalls restriktiv. Hinzu kommen andauernde geopolitische Spannungen, die bei künftigen Zinsschritten zu erheblichen Kursschwankungen beitragen könnten, da die Nachfrage nach sicheren Anlagen wie Staatsanleihen hoch bleiben dürfte.

Unter Ertragsgesichtspunkten sind inzwischen aber viele Anleihesegmente wieder interessant geworden. Die aktuelle Gemengelage könnte allerdings zunächst Staatsanleihen zugutekommen. In einem volatilen Markt prognostiziert die Deutsche Bank auf Sicht von 12 Monaten für 10-jährige US-Staatsanleihen unverändert eine Rendite von 3,25 Prozent. Die laufende Verzinsung 2-jähriger US-Treasuries könnte um 10 Basispunkte auf 3 Prozent steigen.

Name Grafik 	Ein Großteil des Zinsanstiegs ist bereits erfolgt Laufende Rendite ausgewählter Staatsanleihen und Deutsche Bank Prognose, Angaben in Prozent

Quelle Quelle: Bloomberg L.P., Deutsche Bank. Stand: 07.07.2022. Wertentwicklungen der Vergangenheit und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen.

„Fortgeschrittener Zinserhöhungszyklus: Was die Anleihemärkte für Anleger jetzt wieder interessanter machen könnte."

Höhere Zinsen

Der nun von der EZB angekündigte vorzeitige Einstieg in den Zinserhöhungszyklus hat die Deutsche Bank veranlasst, ihre Prognosen anzupassen. Demnach könnte Ende Juni 2023 die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen bei 2,25 Prozent und die 2-jähriger Papiere bei 2 Prozent liegen. Die Risikoaufschläge für Schuldverschreibungen aus den Ländern der EU-Peripherie sollten derweil überschaubar bleiben – die Europäische Zentralbank entwickelt nach eigenen Angaben bereits ein neues Anti-Krisen-Instrument, um im Ernstfall eine Fragmentierung des Anleihemarktes in der Eurozone zu begrenzen. Die Währungshüter planen die sogenannten Reinvestitionen auslaufender Anleihen aus dem Pandemie-Krisenankaufprogramm PEPP in Zukunft flexibler einzusetzen.

Auf Sicht von 12 Monaten erwartet die Deutsche Bank, dass die Risikoaufschläge von 10-jährigen italienischen Staatsanleihen gegenüber ihren Pendants aus Deutschland weiterhin bei 180 Basispunkten liegen.

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Redaktionsschluss: 07.07.2022, 18 Uhr;