Quelle: Mark Wilson / Getty Images

Eine auf den ersten Blick paradoxe Entwicklung haben US-Staatsanleihen nach der Sitzung der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) im Juni genommen: Obwohl die Währungshüter nun mehrheitlich bereits 2023, vereinzelt sogar schon 2022 steigende Leitzinsen erwarten und die US-Inflation so hoch wie zuletzt 2008 ist, legten die Renditen langfristiger US-Staatsanleihen in den Folgetagen den Rückwärtsgang ein. Papiere mit zehn Jahren Laufzeit rutschten bis auf 1,36 Prozent ab – offenbar gehen die Investoren davon aus, dass die Fed mit einer früheren Leitzinsstraffung die Inflation unter Kontrolle halten kann. Für diese Einschätzung spricht, dass die in zehnjährigen US-Treasuries eingepreisten Inflationserwartungen seit der Fed-Sitzung um etwa 0,2 Prozentpunkte gesunken sind.

Eine auf den ersten Blick paradoxe Entwicklung haben US-Staatsanleihen nach der Sitzung der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) im Juni genommen: Obwohl die Währungshüter nun mehrheitlich bereits 2023, vereinzelt sogar schon 2022 steigende Leitzinsen erwarten und die US-Inflation so hoch wie zuletzt 2008 ist, legten die Renditen langfristiger US-Staatsanleihen in den Folgetagen den Rückwärtsgang ein. Papiere mit zehn Jahren Laufzeit rutschten bis auf 1,36 Prozent ab – offenbar gehen die Investoren davon aus, dass die Fed mit einer früheren Leitzinsstraffung die Inflation unter Kontrolle halten kann. Für diese Einschätzung spricht, dass die in zehnjährigen US-Treasuries eingepreisten Inflationserwartungen seit der Fed-Sitzung um etwa 0,2 Prozentpunkte gesunken sind.

Kräftiger Preisschub

Nach Einschätzung der Deutschen Bank ist das nur ein vorübergehendes Phänomen: In einem Umfeld starker Wachstums- und hoher Inflationsraten nimmt der Aufwärtsdruck bei den Renditen bereits wieder zu. Ende Juni rentierten zehnjährige US-Staatsanleihen bei rund 1,5 Prozent. Inzwischen zeichnet sich in den USA auch eine deutliche Arbeitsmarktbelebung ab. Und die geplanten rund vier Billionen US-Dollar schweren Infrastrukturprogramme sollten die Umsätze der US-Unternehmen über Jahre stabilisieren. Gerade erst hat US-Präsident Joe Biden bei Gesprächen mit demokratischen und republikanischen Senatoren erste Fortschritte über Infrastrukturinvestitionen in Höhe von 579 Milliarden US-Dollar erzielt.

Quelle: Bloomberg L.P., Stand: 01.07.2021
Wertentwicklungen der Vergangenheit und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen

Auch die Inflationsdaten in den USA fielen wie schon im Vormonat überraschend hoch aus. Im Vorjahresvergleich stiegen die Verbraucherpreise im Mai um 5 Prozent. Für den Zuwachs waren nicht nur höhere Energiepreise verantwortlich. Gut die Hälfte des Anstiegs resultierte aus Preiserhöhungen für Gebrauchtwagen, Flüge, Mietwagen, Restaurantbesuche und Hotelübernachtungen – überwiegend Sektoren, die von einer abflauenden Pandemie profitieren. Deshalb stieg auch die Kerninflation (ohne Energie- und Nahrungsmittelpreise) von 3 Prozent auf 3,8 Prozent.

Bislang hatten die Währungshüter von einer geldpolitischen Straffung abgesehen. Hohe Basiseffekte etwa bei den Energiepreisen oder Preissprünge durch die Lockerung von Corona-Maßnahmen müssten nicht zwangsläufig in eine dauerhaft höhere Inflation münden. Die steigenden Preise sind im Juni nun aber stärker in den Fokus der Fed gerückt. Mittlerweile scheinen die Fed-Gouverneure ihren Ausblick langsam anpassen zu wollen, damit sich der Markt auf die veränderte Situation vorbereiten kann.

Hohes Volumen

Anders als bei Staatspapieren spielen Anleihekäufe der Fed im Unternehmenssegment nur eine untergeordnete Rolle. Die Währungshüter hatten im März 2020, als die COVID-19-Pandemie eine Panik an den Finanzmärkten auslöste, die Secondary Market Corporate Credit Facility (SMCCF) ins Leben gerufen, um den Markt für ausstehende Unternehmenspapiere mit Liquidität zu versorgen. Das Volumen der Anleihekäufe, die über die Notfallkreditfazilität bis Ende 2020 getätigt wurden, ist vergleichsweise gering. Insgesamt hat die Fed für 13,7 Milliarden US-Dollar Fonds (ETFs) und Corporate Bonds gekauft. Zum Vergleich: In den ersten fünf Monaten dieses Jahres haben US-Unternehmen mit guter oder sehr guter Bonität (Investment Grade, IG) Papiere für insgesamt 697 Milliarden US-Dollar emittiert.

Entsprechend gelassen haben Investoren auf die Ankündigung der Fed reagiert, bis Ende dieses Jahres die ETFs und Unternehmensanleihen zu verkaufen. Die Zusicherung der Notenbanker, auf dem Markt aktiv zu werden, hatte seinerzeit schon genügt, um den Markt zu beruhigen.

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Redaktionsschluss: 07.07.2021; 14 Uhr