Quelle: Mark Wilson / Getty Images

Die Europäische Union (EU) begibt infolge der Coronavirus-Krise so viele Anleihen wie nie zuvor. Zur Refinanzierung des Wiederaufbaufonds sind bis Ende des Jahres neue Bonds im Volumen von über 80 Milliarden Euro geplant, bis 2026 könnten es insgesamt 800 Milliarden Euro werden. Im Juni wurden bereits drei Anleihen im Gesamtvolumen von 35 Milliarden Euro platziert – und die Papiere stoßen bei Investoren auf reges Interesse. Da bonitätsstarke Mitgliedsstaaten wie Deutschland und die Niederlande über den EU-Haushalt für die Rückzahlung indirekt mithaften, gelten sie als relativ sicher. Außerdem lockt das hohe Emissionsvolumen auch institutionelle Anleger wie Banken, Versicherungen und Fonds – die erste Anleihe war sogar 7-fach überzeichnet. Die Bonds könnten sich für Anleger zur Risiko-diversifizierung eignen, bieten sie gegenüber Bundesanleihen doch einen Renditeaufschlag von 0,2 bis 0,36 Prozentpunkten. Angesichts des möglichen Anstiegs des allgemeinen Zinsniveaus drohen Anlegern aber auch bei EU-Anleihen Kursverluste.

Kräftiger Preisschub

In den USA jedenfalls positionieren sich die Investoren nach dem kräftigen Rückgang der US-Renditen im 2. Quartal 2021 inzwischen wieder für eine stärkere Aufwärtsbewegung, die gleichzeitig Kursverluste bedeuten würde. Auch die Notenbanker erwarten inzwischen für 2023 zwei Zinsschritte. Die Zins- und Kursdaten 30-jähriger US-Staatsanleihen deuten darauf hin, dass Investoren Short-Positionen aufbauen, um sich zu einem späteren Zeitpunkt billiger mit dann höher rentierenden Papieren einzudecken. Hintergrund dürfte der zunehmende Preisdruck in den USA sein, der über höhere Inflationserwartungen einen Aufwärtsdruck auf die Renditen langlaufender Staatsanleihen ausübt. Im Juni kletterte die Inflationsrate mit 5,4 Prozent auf den höchsten Stand seit August 2008. Im Vormonatsvergleich legten die Verbraucherpreise um deutliche 0,9 Prozent zu. Auch die Kerninflationsrate übertraf mit 4,5 Prozent gegenüber Juni 2020 die Prognosen erheblich.

Quelle: Bloomberg L.P., Stand: 05.08.2021
Wertentwicklungen der Vergangenheit und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen

Hohes Volumen

Unterdessen nutzen US-Unternehmen konsequent die günstigen Rahmenbedingungen am Kapitalmarkt. Wie schon 2020 ist die Emissionstätigkeit bei Unternehmensanleihen erneut außerordentlich hoch. Im riskanten Segment für Hochzinsanleihen (High Yield, HY) wurde bereits vergangenes Jahr mit einem Neuemissionsvolumen von 425 Milliarden US-Dollar eine neue Rekordmarke gesetzt. Dieses Jahr könnten sogar HY-Anleihen im Umfang von über 450 Milliarden US-Dollar neu begeben werden.

Das hohe Angebot an neuen Anleihen hat bislang zu keiner Verschlechterung der Refinanzierungsbedingungen für US-Unternehmen geführt. Im Gegenteil: Der Risikoaufschlag für Hochzinsanleihen hat sich im Jahresverlauf um knapp 90, der für bonitätsstarke Anleihen mit Investment Grade (IG) um fast 10 Basispunkte verringert. Damit liegen die HY-Spreads mit aktuell knapp 260 Basispunkten nur noch rund 30 Zähler über ihrem Allzeittief. Bei IG-Papieren sind es nur noch wenige Basispunkte.

Aus Sicht der Deutschen Bank dürfte trotz der günstigen Angebots- und Nachfrageverhältnisse sowie solider Fundamentaldaten wie einer positiven Ertragsentwicklung und einem sinkenden Verschuldungsgrad bei den Emittenten die Luft für eine positive Performance von US-Unternehmensanleihen immer dünner werden. Die niedrigen Risikoaufschläge und der drohende allgemeine Anstieg des Zinsniveaus in den USA machen in den kommenden Monaten Kursverluste in beiden Segmenten der Unternehmensanleihen wahrscheinlicher.

Aktuelle Marktkommentare erhalten Sie im täglichen Newsletter „PERSPEKTIVEN am Morgen“.

Redaktionsschluss: 05.08.2021, 14 Uhr