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Die Europäische Zentralbank (EZB) hat im März auf den Renditeanstieg europäischer Staatsanleihen reagiert. Die Währungshüter kündigten an, dass die Käufe im Rahmen des Pandemie-Anleihekaufprogramms (PEPP) im 2. Quartal in einem „signifikant höheren Umfang als in den ersten Monaten dieses Jahres durchgeführt werden“. Nach Einschätzung der Deutschen Bank könnte das Nettokaufvolumen nun auf durchschnittlich 20 Milliarden Euro pro Woche bis Ende Juni steigen.

Höhere US-Renditen

Die Aktivitäten der EZB dürften einen weiteren Anstieg der Renditen von Staatsanleihen aus der Eurozone bremsen. Ein gewisser Druck kommt allerdings aus den USA. Dort sind die Renditen der US-Staatsanleihen seit Jahresbeginn stärker gestiegen. Aktuell bieten Papiere mit 10 Jahren Laufzeit gegenüber deutschen Bundesanleihen einen Renditeaufschlag von knapp 2 Prozentpunkten – Anfang Januar waren es noch 50 Basispunkte weniger. Selbst nach Absicherung der Währungsrisiken ist die laufende Verzinsung von US-Dollar-Anleihen deutlich höher. Für Anleger aus dem Euroraum beträgt der währungsgesicherte Renditevorteil bei 10-jährigen Staatsanleihen aktuell fast 1 Prozentpunkt – der höchste Wert seit 2016. US-Staatsanleihen konnten auch den Renditeabstand auf chinesische Titel verringern und werden für globale Investoren damit immer interessanter.

Quelle: Bloomberg L.P.; Stand: 30.03.2021. Wertentwicklungen der Vergangenheit sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen

Inzwischen wächst allerdings in den USA die Sorge, dass steigende Inflationsraten den Aufwärtsdruck bei den US-Anleiherenditen noch erhöhen könnten. Allerdings beträgt der Abstand der laufenden Verzinsung zwischen 10- und 2-jährigen Treasuries inzwischen schon gut 1,5 Prozentpunkte – und damit 50 Basispunkte über dem langjährigen Mittel. Damit spricht die aktuelle Steilheit der Zinsstrukturkurve gegen deutlich höhere Renditen. Außerdem erhöht jeder weitere Anstieg am langen Ende für Zinsanleger die Attraktivität der Papiere. Eine steigende Nachfrage aber dürfte hier das Potenzial höherer Renditen begrenzen.

Geringere Spreads

Im Segment der Unternehmensanleihen ist die Gemengelage eine andere. Die direkten Auswirkungen umfangreicherer PEPP-Käufe der EZB dürften, wenn überhaupt, gering ausfallen. Denn obwohl das Krisen-Programm völlig flexibel in allen Anleiheklassen genutzt werden kann, entfällt aktuell nur rund 1 Prozent der Käufe auf Unternehmenspapiere mit guter oder sehr guter Bonität (Investment Grade, IG). Daran dürfte sich nach Einschätzung der Deutschen Bank auch nichts ändern. Zwar werden die EUR-IG-Renditen durch das steigende Zinsniveau ebenfalls nach oben getrieben, die Risikoaufschläge (Spreads) von Unternehmensanleihen sind seit Jahresbeginn aber wie in den USA zurückgegangen. Die relative Ruhe auf dem EUR-Unternehmensanleihemarkt erzwingt damit kein Handeln der Währungshüter.

Die Renditen von US-Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-Rating sind seit Dezember 2020 um rund 0,5 Prozent Punkte auf aktuell 2,2 Prozent gestiegen. Zwar haben die Firmen das günstige Zins-umfeld genutzt, um ihre Finanzierungslaufzeiten auszudehnen und liquide Mittel von insgesamt knapp 4 Billionen US-Dollar anzuhäufen. Sollten Anleiherenditen und Risikoaufschläge zukünftig aber steigen, dürften sich die höheren Kapitalkosten mit einer zeitlichen Verzögerung auch in den Bilanzen der Unternehmen bemerkbar machen. Denn für Unternehmen mit hoher Verschuldungsquote, schwachem Rating, ungünstiger Fälligkeitsstruktur und niedrigem Zinsdeckungsgrad wirkt sich ein Zinsanstieg nachteilig aus. Investoren sollten dies bei ihrer Aktienwahl unbedingt berücksichtigen. Denn die Qualität der Bilanz hat Auswirkungen auf die Gläubiger, aber auch auf die Eigentümer.

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Redaktionsschluss: 07.04.2021, 14 Uhr