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Der Aufwärtstrend bei den Kapitalmarktzinsen in den USA scheint vorerst gestoppt. Markierte die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen mit 1,77 Prozent Ende März noch ein 14-Monatshoch, gab sie im April zwischenzeitlich bis auf 1,52 Prozent nach – obwohl viele Konjunkturdaten eine stärkere Erholung der US-Wirtschaft nahelegen als bislang angenommen. Die jüngsten Inflationsdaten sind jedoch moderat ausgefallen und haben zu einer Beruhigung beigetragen.

Quelle: Bloomberg L.P.; Stand 27.04.2021. Wertentwicklungen der Vergangenheit und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen.

Quelle: Bloomberg L.P.; Stand: 26.02.2021. Wertentwicklungen der Vergangenheit und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen

Nach Einschätzung der Deutschen Bank handelt es sich aber lediglich um eine vorübergehende Marktkonsolidierung, die im Wesentlichen zwei Ursachen hat: Erstens lockt der Renditeanstieg bei den US-Papieren verstärkt institutionelle Anleger aus dem Ausland an. So haben sich nicht nur japanische Pensionsfonds und Lebensversicherungen eingedeckt. Auch China weitet seit November 2020 seine Bestände Monat für Monat weiter aus. Und zweitens wurden offenbar viele Rentenmarktinvestoren auf dem falschen Fuß erwischt: Einer Umfrage zufolge hatten 90 Prozent der befragten Anleger einen weiteren Renditeschub um 25 Basispunkte erwartet. Entsprechend waren sie zur Glattstellung von Provisionen gezwungen, als die Renditen nachgaben. Im weiteren Jahresverlauf könnte der Renditeanstieg aber wieder Fahrt aufnehmen.

Stabile Renditen

Nach der jüngsten Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) ist ein weiterer deutlicher Anstieg der Risikoprämien europäischer Staatsanleihen unwahrscheinlich. Die Währungshüter haben im Anschluss an das turnusmäßige Treffen Ende April erneut betont, die Anleihekäufe im Rahmen des Nothilfe-Ankaufprogramms PEPP im Vergleich zu den ersten Monaten des Jahres zu beschleunigen. Das ist zwar nicht neu, schon nach der März-Sitzung hatten die Notenbanker das Tempo angezogen. Klar scheint aber auch: Die EZB sieht nach wie vor Risiken für die Finanzierungsbedingungen am Kapitalmarkt. Um die Erholung nicht zu gefährden, dürften die Währungshüter die weitere Entwicklung der Kapitalmarktrenditen genau im Auge behalten und einen allzu starken Anstieg durch entsprechende Maßnahmen dämpfen.

Unter dem Strich ist in dieser Gemengelage die Wahrscheinlichkeit geldpolitischer Kursänderungen im Euroraum bis auf Weiteres gering. Auch die Aussage von EZB-Präsidentin Christine Lagarde, es sei noch zu früh, über ein Zurückfahren der Anleihekäufe zu diskutieren, kann dahingehend interpretiert werden. Die Renditeaufschläge von Anleihen der Euro-Peripheriestaaten sollten damit im historischen Vergleich niedrig bleiben.

Wenig Pleiten

Bei Unternehmensanleihen ist die globale Pleitewelle dank billionenschwerer Corona-Hilfen weniger stark ausgeprägt als etwa nach der Großen Finanzmarktkrise 2009 oder dem Platzen der Internetblase 2001. Die langfristigen Folgen ultraniedriger Refinanzierungskonditionen, staatlicher Garantien und Direkthilfen sind aber noch nicht zu beziffern. Berüchtigte „Zombie-Unternehmen“, die eigentlich unprofitabel sind, könnten auf Jahre hinaus die Produktivität der Volkswirtschaften belasten. Was für die Wirtschaft Gegenwind bedeutet, kann für den Anleiheinvestor gut sein. Denn seit 2004 befinden sich die globalen Zahlungsausfälle im strukturellen Abwärtstrend. Die Risikoaufschläge für Unternehmensanleihen zeigen sich im langjährigen Durchschnitt stabil. In der Eurozone liegen die laufenden Verzinsungen für Firmenbonds mit hoher Bonität aber gerade einmal bei 0,3 Prozent. Trotz der Mehrverzinsung von 0,8 Prozentpunkten im Vergleich zu Staatsanleihen erscheint die Rendite kaum interessant.

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Redaktionsschluss: 06.05.2021; 14 Uhr