Anleihen – 14.01.2022

Ein erneut herausforderndes Jahr

Die wichtigsten Fakten:

  • Die Renditen von US-Staatsanleihen könnten im weiteren Jahresverlauf die Marke von 2 Prozent überschreiten.
  • Die realen Zinserträge von Staatspieren aus den USA und Deutschland dürften weiterhin negativ ausfallen.
  • Verbesserte Fundamentaldaten sprechen für sinkende Ausfallraten bei risikobehafteten Hochzinsanleihen.

Quelle: Philip / Adobe Stock

Volatile Märkte, steigende Zinsen: 2021 haben die meisten Anleihesegmente negative Gesamtrenditen abgeworfen – und die Aussichten für das neue Jahr sind kaum besser. Sollte sich wie erwartet die Erholung der Weltwirtschaft fortsetzen, der Inflationsdruck hoch bleiben und allen voran die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) ihre Geldpolitik weiter straffen, rechnet die Deutsche Bank in den kommenden Monaten mit steigenden Renditen bei Staatsanleihen mit guter und sehr guter Bonität (Investment Grade, IG). So könnte im Umfeld von inzwischen bis zu vier vom Markt erwarteten Leitzinserhöhungen durch die Fed die laufende Verzinsung von US-Staatsanleihen mit 10 Jahren Laufzeit vorübergehend sogar die Marke von 2 Prozent überschreiten – sich aber angesichts mutmaßlich schwächerer Wachstumsaussichten für die US-Volkswirtschaft 2023 zum Jahresende bei 2 Prozent einpendeln.

Drohende Verluste

Mit einer Leitzinserhöhung ist 2022 in der Eurozone nicht zu rechnen. Allerdings wird auch die Europäische Zentralbank (EZB) mit dem Auslaufen der Corona-Krisenhilfen Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP) im März 2022 ihr Kaufvolumen insgesamt reduzieren. Nachdem die Rendite für deutsche Staatspapiere mit 30-jähriger Laufzeit zuletzt erstmals seit Jahren wieder ins Positive gedreht ist, könnten auch 10-jährige Bundesanleihen Ende 2022 mit 0,2 Prozent positiv verzinst werden. In diesem Umfeld tendenziell steigender Kapitalmarktzinsen drohen Anlegern dies- und jenseits des Atlantiks mit Staatsanleihen nicht nur Kursverluste. Die höhere Inflation dürfte außerdem dazu führen, dass trotz des Renditeanstiegs die realen Zinserträge von Bundesanleihen und Treasuries auch 2022 negativ ausfallen.

Langfristig niedrige Renditen

Quelle: Bloomberg L.P.; Stand: 13.01.2022. Wertentwicklungen der Vergangenheit und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen.

Gedämpfter Ausblick

Der Ausblick für bonitätsstarke Unternehmensanleihen ist nach Einschätzung der Deutschen Bank aus Renditegesichtspunkten nur geringfügig besser als bei Staatspapieren. Für das Segment sprechen weltweit die gesamtwirtschaftliche Entwicklung und sich weiter verbessernde Finanzkennzahlen auf Unternehmensebene. Außerdem dürften sich das Angebot an IG-Unternehmensanleihen und damit die Risikoaufschläge gegenüber Staatspapieren moderat verringern. Auf der anderen Seite aber reagieren IG-Anleihen besonders empfindlich auf Zinsänderungen. Stärkere Kursschwankungen erscheinen in dem Segment daher programmiert.

Das gilt auch für die risikobehafteteren Hochzinsanleihen (High Yields, HY). Nach Einschätzung der Deutschen Bank könnte das Segment Anlegern aber spürbar höhere Renditen bieten als IG-Papiere. Die Fundamentaldaten haben sich weiter verbessert. Die meisten Unternehmen scheinen vergleichsweise gut finanziert und mit Rücklagen ausgestattet. Die Ausfallraten dürften im Jahresverlauf weiter sinken. Entsprechend könnte sich der Trend zu mehr Herauf- als Herabstufungen beim Bonitätsrating fortsetzen. Das gilt jedoch nicht flächendeckend, entsprechend selektiv sollten Anleger vorgehen.

Obwohl die Renditen am Anleihemarkt 2022 anziehen könnten, kann von einer „Normalisierung“ keine Rede sein. Die zu erwartende Gesamtrendite ist gemessen an den Risiken wenig interessant. Die klassische Beimischung von Rentenanlagen im Portfolio sollte daher hauptsächlich aus Gründen der Risikostreuung und weniger aus Renditegesichtspunkten erfolgen. Fazit der Deutschen Bank: Für Anleger bleibt das Umfeld am Anleihemarkt herausfordernd – womöglich noch über das Jahr 2022 hinaus.

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Redaktionsschluss: 13.01.2022, 18 Uhr