Anleihen – 14.03.2022

Im Bann geopolitischer Spannungen

Die wichtigsten Fakten:

  • Die Renditen langfristiger Staatsanleihen aus den USA und Europa könnten künftig zulegen, aber stark schwanken. Die Realrenditen dürften negativ bleiben.
  • Unternehmensanleihen sollten weiterhin von guten Fundamentaldaten profitieren. Anleihen aus Schwellenländern könnten mittelfristig interessant bleiben.

Quelle: Philip / Adobe Stock

In den USA sind die Bedingungen für eine Leitzinswende erfüllt. Nach Einschätzung der Deutschen Bank wird die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) den Leitzins nun schrittweise anheben. Die geldpolitische Normalisierung dürfte künftig einen kontinuierlichen Aufwärtsdruck auf die Renditen langfristiger US-Staatsanleihen ausüben. Allerdings könnten die geopolitischen Spannungen in den kommenden Monaten vermehrt starke Renditeschwankungen auslösen und die Nachfrage nach bonitätsstarken Staatspapieren hoch halten. Die Renditeprognose bleibt vorerst unverändert: 10-jährige US-Staatsanleihen könnten demnach im März 2023 mit 2,4 Prozent rentieren, 2-jährige Papiere mit 2,1 Prozent. Die Realrenditen dürften leicht negativ bleiben.

Da die Rohstoffnotierungen in den kommenden Monaten voraussichtlich nicht signifikant nachgeben werden, spricht einiges für steigende Inflationserwartungen und sinkende Realrenditen. Jede weitere Zuspitzung im Russland-Ukraine-Krieg könnte diese Entwicklung noch verstärken. Für das langfristige Renditeniveau sind insbesondere die Erwartungen der Märkte, die weitere geldpolitische Ausrichtung, die Inflationserwartungen der Marktteilnehmer und der mögliche Beginn einer quantitativen Straffung der Geldpolitik in den USA relevant. Kurzfristige Renditen reagieren hauptsächlich auf veränderte Leitzinserwartungen.

In der Eurozone könnte die geopolitische Gemengelage die Europäische Zentralbank (EZB) veranlassen, die geplante geldpolitische Straffung zu verschieben, um so die wirtschaftlichen Auswirkungen, die schwerwiegender wären als in anderen Regionen, abzufedern. Dennoch dürften auch die Renditen deutscher Staatspapiere gegenüber dem aktuellen Niveau innerhalb der kommenden 12 Monate zulegen. Die Prognose der Deutschen Bank lautet für 10-jährige Bundesanleihen 0,5 Prozent und für Papiere mit 2-jähriger Laufzeit 0,1 Prozent (Ende März 2023).

Renten: Im Bann geopolitischer Spannungen

Quelle: Bloomberg L.P., Stand: 08.03.2022. Wertentwicklungen der Vergangenheit, Simulationen und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Wertentwicklungen.

Erhöhte Aufschläge

Globale Unternehmensanleihen mit guter und sehr guter Bonität (Investment Grade, IG) dürften auch künftig von intakten Fundamentaldaten unterstützt werden. Allerdings reagieren die Papiere empfindlich auf Änderungen des allgemeinen Zinsniveaus, starke Kursschwankungen sind wahrscheinlich. Für IG-Anleihen, die in US-Dollar notieren, erscheint das kreditbezogene Risiko aber eher niedrig. Die Verschlechterung markttechnischer Faktoren ist der Hauptgrund dafür, warum die Deutsche Bank mit erhöhten Renditeaufschlägen in den kommenden 12 Monaten rechnet. Vor dem Hintergrund robuster Fundamentaldaten könnten Euro-IG-Unternehmensanleihen mittelfristig zwar interessant bleiben. Die nachlassende Unterstützung durch die EZB und geopolitische Risiken stellen aber vor allem kurzfristig dämpfende Faktoren dar. In US-Dollar denominierte Hochzinsanleihen (High Yield, HY) dürften von einer weiteren Konjunkturerholung profitieren, sehen sich aber den gleichen Risiken wie IG-Anleihen ausgesetzt.

Interessante Perspektiven

Die Aussichten für Schwellenländeranleihen sind nach Meinung der Deutschen Bank mittelfristig interessant. Kurzfristig aber belasten hohe Inflationsraten und Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem Ukraine-Konflikt das Segment. Hohe Rohstoffpreise und eine Erholung des Tourismus sind unterstützende Faktoren. Im Falle einer weiteren geopolitischen Eskalation könnten Schwellenländeranleihen jedoch unter Druck geraten. Ein Wachstumseinbruch in China und anhaltend hohe Inflationsraten wären ein zusätzliches Abwärtsrisiko. Die Renditeaufschläge für Schwellenländer-Unternehmensanleihen dürften sich in den nächsten 12 Monaten verengen, da sich die Fundamentaldaten voraussichtlich verbessern werden.

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Redaktionsschluss: 11.03.2022, 18 Uhr