Anleihen – 11.02.2022

Kurse unter Druck

Die wichtigsten Fakten:

  • Die US-Notenbank startet voraussichtlich im März ihren Zinserhöhungszyklus.
  • Einige Staaten nutzen die aktuell niedrigen Zinsen, um sich langfristig zu finanzieren.
  • Das Renditepolster von Hochzinsanleihen dürfte Anleger nur bedingt vor Verlusten schützen.

Quelle: Philip / Adobe Stock

Spätestens seit der US-Notenbanksitzung im Januar ist klar: Die Federal Reserve (Fed) widmet sich mit Nachdruck dem Thema Inflationsbekämpfung. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit führen die Währungshüter ab März die Zinswende herbei. Anleger müssen sich auf weitere Verluste einstellen – denn bei Leitzinserhöhungen geraten meist die Kurse am gesamten Anleihemarkt unter Druck, weil in der Regel auch die Renditen lang laufender Anleihen steigen. Während die Rendite seit Jahresbeginn um gut 0,2 Prozentpunkte gestiegen ist, ist beispielsweise der Kurs 10-jähriger US-Staatsanleihen um 2,2 Prozent gesunken.

Lange Laufzeiten

Gut zu wissen in diesem Zusammenhang: Anleihen werden mit zunehmender Laufzeit zinssensitiver, wie die Entwicklung der 100-jährigen österreichischen Staatsanleihe zeigt. Das Papier ist mit einem Kupon von 2,1 Prozent ausgestattet, läuft noch 95 Jahre – und hat in den vergangenen zwölf Monaten 25 Prozent seines Kurswertes eingebüßt.

In einem Umfeld hoher Inflationsraten, steigender Renditen und sich abzeichnender Leitzinserhöhungen verlangen diese Anleihen ein ausgeprägtes Maß an Risikobereitschaft. Während Deutschland Schuldverschreibungen mit höchstens 30 Jahren Laufzeit emittiert, nutzen andere Länder die aktuell noch niedrigen Renditen konsequent aus: Slowenien hat eine Anleihe mit einem Kupon von 1,175 Prozent und einer Laufzeit von 40 Jahren bis Februar 2062 aufgelegt; Großbritannien arbeitet inzwischen an einem Papier mit Laufzeitende Oktober 2073 und einem Kupon von 1 Prozent.

Inflationserwartungen der Märkte sind gestiegen

Quelle: Refinitiv Datastream, Stand: 04.02.2022. Wertentwicklungen der Vergangenheit und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen.

Der Trend zu steigenden Anleiherenditen zeichnet sich bereits seit gut einem Jahr ab. Im Dezember 2020 hatte das Volumen weltweit negativ rentierender Schuldverschreibungen in US-Dollar mit 18,39 Billionen einen Höchststand markiert. Mitte Januar lag dieser Wert bei nur noch 9,12 Billionen US-Dollar. So hält sich die laufende Verzinsung 10-jähriger Staatspapiere aus der Schweiz inzwischen knapp oberhalb der Nulllinie und auch die Rendite von Bundesanleihen gleicher Laufzeit war erstmals seit Mai 2019 zumindest vorübergehend wieder positiv.

Anders verhält es sich derzeit noch im Bereich kürzerer Laufzeiten: So bewegen sich alle 2-jährigen Staatsanleihen aus der Eurozone ausnahmslos im negativen Terrain. Selbst bei den der 5-jährigen Laufzeiten finden sich nur wenige mit positiver Rendite. Nach Einschätzung der Deutschen Bank dürften der Aufwärtsdruck auf die Kapitalmarktzinsen und die damit verbundenen Anleihekursverluste eine ganze Weile anhalten.

Dünneres Polster

Den Takt geben zweifellos die USA mit dem weltweit größten Rentenmarkt vor. In den drei Zinserhöhungsphasen seit 1990 litten allerdings nicht alle Marktsegmente in gleichem Ausmaß unter einer Zinswende der US-Notenbank. Insbesondere bei Anleihen mit einer schwächeren Bonität und daher höherer Verzinsung (High Yields) – reichte die vergleichsweise hohe laufende Verzinsung häufig aus, die durch den allgemeinen Renditeanstieg verursachten Kursverluste auszugleichen. Anleger konnten sich somit selbst in Phasen steigender Zinsen über eine positive Performance freuen. Aktuell liegt die Rendite von auf US-Dollar lautenden High Yields bei etwa 4,7 Prozent. Ob das allerdings genügt, um drohende Kursrückgänge zu kompensieren und Anleger vor Verlusten zu schützen, scheint zumindest fraglich. Zu Beginn der drei vorangegangenen Zinserhöhungszyklen der Fed war das Renditepolster der Hochzinspapiere mit 6 Prozent bis 9 Prozent jedenfalls deutlich dicker.

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Redaktionsschluss: 10.02.2022, 18 Uhr