Renten – 08.04.2022

Renten: Renditen auf dem Weg nach oben

Die wichtigsten Fakten:

  • Kräftiger Renditeanstieg bei US-Staatsanleihen.
  • Die gute Ertragslage und eine geringe Verschuldung von bonitätsstarken Unternehmen könnten Anleihen, die auf US-Dollar lauten, zur Outperformance verhelfen.
  • Die geopolitische Lage könnte größere Kursschwankungen bei Euro-Unternehmensanleihen auslösen.

Quelle: Philip / Adobe Stock

Dynamische Inflationsraten, Straffung der Geldpolitik: Die Renditen an den Staatsanleihemärkten sind in den vergangenen Wochen kräftig gestiegen. Ende März rentierten Staatspapiere mit 10-jähriger Laufzeit in den USA in der Spitze kurzzeitig bei über 2,5 Prozent und damit mehr als 90 Basispunkte höher als noch zu Jahresbeginn. Zuletzt haben die Zinserwartungen der Marktteilnehmer an die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) für einen Renditeauftrieb gesorgt. Mitte März hatte die Fed die erste Leitzinserhöhung seit 2018 beschlossen – und Notenbankchef Jerome Powell falkenhafte Töne angeschlagen: Der Leitzinspfad dürfte demnach vergleichsweise steil ausfallen und der Anleihebestand könnte von den Währungshütern schneller als erwartet zurückgeführt werden.

Infolge einer deutlich restriktiveren Geldpolitik der Währungshüter in den USA verlief der Renditeanstieg von kurzläufigen Staatsanleihen sogar noch ausgeprägter: 2-jährige US-Papiere kletterten seit Jahresbeginn bis Ende März um rund 1,65 Prozentpunkte auf runde 2,4 Prozent.

Renten: Renditen auf dem Weg nach oben

Quelle: Bloomberg L.P., Stand: 06.04.2022, Wichtiger Hinweis: Wertentwicklungen der Vergangenheit, Simulationen und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen.

Nach Einschätzung der Deutschen Bank könnten für Anleger bei den aktuellen Renditeniveaus besonders US-Langläufer nun wieder interessant werden, um sich gegen das Szenario einer Wachstumsabschwächung zumindest teilweise abzusichern. Zuletzt betrug der Renditeabstand zwischen 2- und 10-jährigen US-Staatspapieren meist weniger als 10 Basispunkte, und die Zinsstrukturkurve weist inzwischen teilweise einen inversen Verlauf auf. Die Besorgnis vieler Marktteilnehmer besteht darin, dass die Rendite kurzlaufender Anleihen nachhaltig über der von langlaufenden liegt, was aus Marktsicht auf eine bevorstehende Rezession hindeuten könnte.

Steigendes Angebot

Im Segment der Unternehmensanleihen haben sich Papiere mit guter und sehr guter Bonität (Investment Grade, IG), die in US-Dollar denominiert sind, im 1. Quartal 2022 verhältnismäßig schwach entwickelt. Ein Grund ist das hohe Emissionsvolumen. Viele Unternehmen begeben wegen des Russland-Ukraine-Krieges neue Anleihen lieber auf dem US-Dollar-Markt, sodass die Kurse dort unter Druck geraten. Während in anderen Anleihesegmenten deutlich weniger neue Bonds emittiert wurden, wuchs das Angebot an IG-Papieren mit 370 Milliarden US-Dollar im Vergleich zum Vorjahr um 5,6 Prozent.

Die Kurse der USD-IG-Anleihen haben sich zuletzt zwar etwas erholt. Trotzdem verlangen Investoren immer noch einen im historischen Vergleich relativ hohen Renditeaufschlag zu US-Staatsanleihen. Dabei sind die Ertrags- und Verschuldungsrelationen der Unternehmen vergleichsweise gut und deuten auf eine stabile Bonität hin. Da auch das Angebot an neuen Bonds im Jahresverlauf zurückgehen und der damit verbundene Abwärtsdruck auf die Kurse abnehmen sollte, könnte sich hier eine Chance für eine Outperformance gegenüber anderen Anleihesegmenten ergeben.

Interessante Perspektiven

Auch bonitätsstarke Unternehmenspapiere aus dem Euroraum sind nach dem jüngsten Renditeanstieg und dank höherer Risikoaufschläge wieder interessanter geworden. Die Anleihen rentierten zuletzt immerhin bei durchschnittlich 1,5 Prozent. Die angespannte geopolitische Lage dürfte in den kommenden Wochen aber immer wieder zu deutlichen Kursschwankungen beitragen. Außerdem plant die Europäische Zentralbank (EZB) ihr Anleihe-Ankaufprogramm APP (Asset Purchase Programme) spätestens im 3. Quartal zu beenden. Bis dahin dürfte die EZB nur noch für 15 Milliarden Euro Unternehmenspapiere ankaufen – 2021 belief sich das Volumen noch auf 80 Milliarden Euro. Entsprechend vorsichtig sollten Anleger agieren.

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Redaktionsschluss: 07.04.2022, 18 Uhr