Quelle: Mark Wilson / Getty Images

Die Sorge vor dauerhaft höheren Verbraucherpreisen wächst. Die langfristigen US-Inflationserwartungen haben seit März 2020 stark zugelegt. Ablesen lässt sich das an der Differenz zwischen nominaler und inflationsindexierter Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen, die aktuell bei rund 2,47 Prozent liegt – nach 0,55 Prozent vor 14 Monaten. Diese Entwicklung könnte sich in den kommenden Wochen fortsetzen. Im April sind die US-Konsumentenpreise mit 4,2 Prozent im Jahresvergleich noch stärker gestiegen als im Vorfeld erwartet (3,6 Prozent). Es ist der stärkste Inflationsanstieg in den USA seit September 2008. Auch die Kerninflation ohne die schwankungsanfälligen Kategorien Energie und Lebensmittel kletterte mit 3 Prozent auf ein Allzeithoch.

Quelle: Bloomberg L.P., Stand: 02.06.2021. Wertentwicklungen der Vergangenheit und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen.

Obwohl die US-Inflation aktuell weit über die langfristige Zielmarke der Federal Reserve (Fed) von 2 Prozent hinausschießt, wiederholen die Notenbanker gebetsmühlenartig, dass Leitzinserhöhungen auf absehbare Zeit kein Thema sein werden. Stattdessen könnten sie auf den kommenden Sitzungen damit beginnen, den geeigneten Zeitpunkt für die Reduktion ihres Anleihekaufprogramms zu diskutieren. Die Fed kauft derzeit Aktiva in einem Volumen von 120 Milliarden Dollar pro Monat. Erste Experten prognostizieren, dass gegen Ende dieses Jahres mit der Drosselung des Tempos begonnen wird. Dennoch erwartet die Deutsche Bank nur einen moderaten Anstieg der Anleiherenditen. Der Grund: Die globalen Ersparnisse übersteigen die erforderliche Finanzierung für Investitionen bei Weitem.

Starke Unterschiede

Höhere Renditen könnten Staatsanleihen aus Schwellenländern bringen. Allerdings haben sich seit März 2020 die Risikoaufschläge für die in US-Dollar denominierten Papiere aus den Emerging Markets gegenüber ihren US-Pendants deutlich verringert und bewegen sich vielfach bereits in der Nähe ihrer Tiefstände in der Finanzkrise. Außerdem sind seit Jahresbeginn die Renditen der US-Treasuries in den längeren Laufzeiten recht deutlich angestiegen.

Analysten erwarten in den nächsten Jahren tendenziell niedrige Risikoaufschläge für Schwellenländeranleihen. Die Deutsche Bank weist auf zum Teil gravierende Unterschiede bei den Rahmenbedingungen für die Emittenten hin. Anleihen aus Ländern mit starken Leistungsbilanzen und stabilen Staatshaushalten sollten bei entsprechend risikobereiten Investoren auf ein nachhaltiges Interesse stoßen – und leicht sinkende Spreads ermöglichen. In diese Gruppe dürften allen voran die meisten Schwellenländer in Asien und Zentraleuropa gehören. Größte Vorsicht ist dagegen in wachstumsschwachen Ländern geboten, die zusätzlich politische Risiken aufweisen. Kandidaten sind hier Brasilien, Kolumbien, Südafrika und die Türkei.

Positiver Trend

Bei europäischen Unternehmensanleihen könnte eine Trendwende vollzogen sein. Im April haben Papiere mit einem Gesamtvolumen von 19,1 Milliarden Euro, die eine gute oder sehr gute Bonität (Investment Grade) aufweisen, ein besseres Rating erhalten – so viele wie noch nie seit Ausbruch der Pandemie. Bei den riskanteren Hochzinsanliehen (High Yield) waren es 6,2 Milliarden Euro. Auch dank staatlicher Liquiditätshilfen war die 3-Monats-Ausfallquote bei „High Yields“ im Verlauf der Corona-Krise deutlich niedriger als in der Weltfinanzkrise. Die positive Ratingentwicklung könnte sich fortsetzen, da sich die Ertrags- und Verschuldungszahlen europäischer Unternehmen im Verlauf der erwarteten Konjunkturerholung verbessern sollten. Dennoch hält die Deutsche Bank das Kurspotenzial bei europäischen Unternehmensanleihen angesichts der bereits sehr niedrigen Renditeaufschläge für begrenzt.

Aktuelle Marktkommentare erhalten Sie im täglichen Newsletter „PERSPEKTIVEN am Morgen“.

Redaktionsschluss: 02.06.2021, 14 Uhr