Anleihen – 07.12.21

Steigende Renditen, mögliche Schwankungen

Die wichtigsten Fakten:

  • Am US-Rentenmarkt sollten sich Anleger auf höhere Renditen über alle Laufzeiten einstellen.
  • Die US-Notenbank Fed und die Europäische Zentralbank könnten höhere Inflationsraten akzeptieren.
  • Auch in der Eurozone zeigt der Renditetrend nach oben – unterliegt aber Schwankungen.

Quelle: Philip / Adobe Stock

Die Weltwirtschaft wird sich nach Einschätzung der meisten Experten im Jahr 2022 weiter erholen. Vor diesem Hintergrund dürften auch viele der Notenbanken, die noch keinen Kurswechsel eingeleitet haben, damit beginnen, ihre Geldpolitik vorsichtig zu straffen. Geleitet von Wachstums- und Inflationsdaten werden die Währungshüter ihre Ankäufe von Staatsanleihen und anderen Anlagen drosseln (Tapering) und Aufwärtsdruck bei den Renditen von Anleihen mit längeren Laufzeiten erzeugen. Höhere Leitzinsen beeinflussen dagegen vor allem das kurze Ende der Zinsstrukturkurve.

Am Anleihemarkt in den USA dürften beide Entwicklungen zu beobachten sein. Die Notenbank Federal Reserve (Fed) hat bereits mit dem Tapering begonnen und wird voraussichtlich im Sommer 2022 ihr Anleihekaufprogramm beenden – und anschließend Ende 2022 die Leitzinsen erhöhen. Die Deutsche Bank rechnet für 2022 mit einem Zinsschritt. Im Umfeld positiver Wachstumsaussichten und einer Inflationserwartung oberhalb der langfristigen Fed-Zielmarke von 2 Prozent könnte die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen Ende Dezember 2022 bei 2 Prozent liegen, zwischenzeitlich sogar darüber.

Laufende Rendite verschiedener Anleiheklassen

Quelle: Refinitiv Datastream, Stand 24.11.2021. Wertentwicklungen der Vergangenheit und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen.

Weniger Käufe

In der Eurozone stellt sich die Situation etwas anders dar. Da es unwahrscheinlich ist, dass die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen 2022 anhebt, dürften sich die Renditen bei kürzeren Laufzeiten tendenziell seitwärts entwickeln. Allerdings hat EZB-Präsidentin Christine Lagarde bereits eine „angemessene Justierung“ der Anleihekaufprogramme angekündigt – die EZB dürfte 2022 das Gesamtvolumen ihrer Anleihekäufe verringern. Geringere monatliche Käufe und ein höheres Nettoangebot könnten dann zu einem Anstieg der Renditen von Staatsanleihen mit längeren Laufzeiten führen.

Viel wird von der Wahrnehmung der Inflation abhängen. Anhaltend hohe Raten könnten die Notenbanken dazu zwingen, mit steigenden Leitzinsen und geringeren Anleihekäufen stärker als bislang beabsichtigt zu intervenieren. Da jedoch die Fed und die EZB die Rahmenbedingungen ihrer geldpolitischen Strategie angepasst haben und inzwischen höhere Inflationsraten über einen längeren Zeitraum tolerieren, dürften die Reaktionen vorsichtiger ausfallen als in früheren Straffungszyklen.

Rücksetzer möglich

Andererseits können die Renditen auch wieder sinken, wenn die Anleger ihre Meinung über die weiteren Wirtschaftsaussichten ändern. So haben die Renditen lang laufender Bundesanleihen seit Ende Oktober wieder den Rückwärtsgang eingelegt. Die laufende Verzinsung 10-jähriger Papiere, die sich anschickte, erstmals seit 2019 wieder positives Terrain zu erreichen, ist um fast 30 Basispunkte auf zuletzt –0,34 Prozent gesunken. Selbst 30-jährige Bundesanleihen rentieren wieder negativ. Konjunkturbedenken durch neue Restriktionen in Europa, die Corona-Mutante Omikron, rückläufige längerfristige Inflationserwartungen und eine EZB, die ihre Leitzinsen womöglich später als erwartet anheben könnte, sorgten für festere Kurse.

Nach Einschätzung der Deutschen Bank ist eine Trendumkehr der Geldpolitik in der Eurozone kurzfristig wenig wahrscheinlich – eine deutlich restriktivere Geldpolitik könnte den fragilen Konjunkturaufschwung gefährden. Für 2022 zeigt der Trend bei den Renditen der Staatsanleihen weiterhin nach oben. Der Weg dorthin dürfte aber holprig sein. Die Anleihemärkte bleiben aller Voraussicht nach schwankungsanfällig.

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Redaktionsschluss: 03.12.2021, 18.00 Uhr