Renten – 03.11.21

Renten: Verbraucherpreise treiben laufende Verzinsung

Die wichtigsten Fakten:

  • Die steigenden Wohnkosten sind ein Argument für eine nachhaltig höhere Inflation in den USA.
  • Der Ausstieg der US-Notenbank aus ihrem Anleihekaufprogramm dürfte die Kurse belasten.
  • Viele Bundesstaaten und Lokalregierungen in den USA könnten vorübergehend als Anleiheemittenten ausfallen.

Quelle: Mark Wilson / Getty Images

In den USA ziehen die Verbraucherpreise weiter an. Im September kletterte die Inflationsrate mit 5,4 Prozent auf ein 13-Jahres-Hoch. Sie hat damit nicht nur die Erwartungen von 5,3 Prozent leicht übertroffen, sondern lag auch den fünften Monat in Folge über der Marke von 5 Prozent. Inzwischen rechnen immer mehr Marktakteure damit, dass sich der Anstieg als dauerhaft erweisen könnte. Insbesondere die Entwicklung bei den Wohnkosten, die zuletzt um 3,2 Prozent zugelegt haben, lässt wegen ihres nachhaltigen Charakters aufhorchen. Eine Kerninflation über der von der US-Notenbank Federal Reserve ausgegebenen Zielmarke von 2 Prozent könnte die Fed zu einer vorzeitigen Zinsanhebung veranlassen.

Steigende Renditen

Die Märkte preisen mittlerweile für 2022 knapp zwei Zinserhöhungen ein. Insbesondere die Renditen 2-jähriger US-Staatsanleihen legten in den vergangenen Wochen kräftig zu und markierten mit zuletzt 0,56 Prozent (28.10.) ihren höchsten Stand seit Pandemiebeginn im März 2020. Der vorübergehende Rückgang der 10-jährigen Renditen folgte der Logik, dass vorgezogene Leitzinserhöhungen den Preisanstieg bremsen könnten und im Endeffekt insgesamt weniger Zinsschritte nötig sein würden, um die Inflationsraten schneller wieder auf Normalniveau zu drücken. Eine nachhaltige Trendwende hat sich aber nicht eingestellt. 10-jährige US-Staatstitel rentierten zuletzt wieder kurzzeitig bei 1,70 Prozent.

Quelle: Datastream, Deutsche Bank AG, Stand: 29.10.2021 Wertentwicklungen der Vergangenheit und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen.

Quelle: Datastream, Deutsche Bank AG, Stand: 29.10.2021 Wertentwicklungen der Vergangenheit und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen.

Neben den Inflationsrisiken könnte in den kommenden Monaten eine geringere Nachfrage nach US-Staatsanleihen deren Kurse unter Druck setzen – und im Gegenzug zu einer höheren laufenden Verzinsung beitragen. Zwei Aspekte spielen hier eine Rolle: Zum einen haben die US-Bundesstaaten sowie deren Lokalregierungen vom Finanzministerium seit Pandemiebeginn im Frühjahr 2020 insgesamt 683 Milliarden US-Dollar an direkte Unterstützung erhalten. Im selben Zeitraum stiegen deren Bestände an US-Schuldtiteln auf insgesamt rund eine halbe Billion US-Dollar an. Ein Großteil der direkten Unterstützungen dürfte also bis zur endgültigen Auszahlung an Unternehmen und Bürger in US-Staatsanleihen reinvestiert worden sein. Werden diese Wertpapiere in den kommenden Monaten sukzessive fällig, dürften die bisherigen Inhaber zunehmend als Nachfrager ausfallen. Grund: Sie müssen für die anstehenden Auszahlungen an Unternehmen und Haushalte entsprechende Barmittel vorhalten.

Zum anderen wird die Fed voraussichtlich noch dieses Jahr damit beginnen, ihre Staatsanleihekäufe schrittweise um zehn Milliarden US-Dollar monatlich zu reduzieren. Parallel sollte das Angebot an US-Treasuries steigen, sobald das US-Finanzministerium nach einer politischen Einigung über die US-Schulden­obergrenze, den Haushalt 2021/22 und das Infrastrukturpaket die momentan eingeschränkte Emissionstätigkeit hochfährt.

Hohe Energiekosten

In Großbritannien könnten aufgrund der galoppierenden Erdgaspreise die Heizkostenabrechnungen für dieses Jahr um 25-30 Prozent steigen. Wenn diese um den April 2022 herum fällig werden, könnte dies eine Inflationsrate von 4,5 Prozent oder mehr zur Folge haben. Nun erwarten die Marktteilnehmer bereits im Dezember von der Bank of England einen ersten Zinsschritt – bislang war der für Februar 2022 eingepreist. So ist es nicht verwunderlich, dass innerhalb eines Monats die Renditen britischer Staatsanleihen mit 10 Jahren Laufzeit von 0,75 Prozent vorübergehend bis auf rund 1,2 Prozent angestiegen sind – deutlich dynamischer als in den anderen G7-Staaten. Ende Oktober rentierten die Gilts bei knapp 1,10 Prozent.

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Redaktionsschluss: 02.11.2021, 18.00 Uhr