Rohstoffe – 13.07.2022

Anhaltend hohe Preise

Die wichtigsten Fakten:

  • Ein Rückgang der Rohölnachfrage könnte das geringere Angebotswachstum ausgleichen und die Notierungen stabilisieren. Die Gaspreise dürften zulegen.
  • Die Goldnotierungen würden voraussichtlich von Unsicherheiten am Markt profitieren, Industriemetalle von einer Konjunkturerholung.

Quelle: TONTOXIN / Adobe Stock

Die Europäische Union hat sich darauf geeinigt, die Einfuhr von russischem Rohöl auf dem Seeweg ab November dieses Jahres zu verbieten. Für Ölprodukte gilt das Verbot ab Januar 2023. Nach Einschätzung der Deutschen Bank könnte diese Entscheidung dazu beitragen, dass das Angebotswachstum weiterhin begrenzt bleiben dürfte. Die Organisation erdölexportierender Länder und ihre Partnerstaaten (OPEC+) sind in den vergangenen Monaten kontinuierlich hinter ihren eigenen Förderzielen zurückgeblieben. Dabei wurden die Reservekapazitäten gravierend reduziert. Auch die Produzenten in den USA haben ihre hohe Kostendisziplin beibehalten und sich mit Investitionen stärker zurückgehalten als erwartet. Die Förderung von US-Rohöl ist seit Jahresbeginn nur geringfügig gestiegen.

Allerdings könnte vor dem Hintergrund einer abnehmenden Konjunkturdynamik in den Mitgliedsstaaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) auch das Nachfragewachstum gedämpft werden. Dies würde voraussichtlich den Aufwärtsdruck auf die Preise etwas mindern. Daher liegt die 12-Monats-Prognose für ein Barrel (159 Liter) Rohöl der Nordseesorte Brent nun bei 110 US-Dollar. Zuletzt kostete das Barrel rund 100 US-Dollar (Stand: 07.07.22).

Prognose: Preisschwankungen am Ölmarkt Angaben in USD je Barrel

Quelle: Bloomberg L.P., Stand: 07.07.2022. Wertentwicklungen der Vergangenheit und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen.

Der Gasfluss durch die Ostseepipeline Nord Stream 1 liegt derzeit etwa 63 Prozent unter der möglichen Kapazität. Darüber hinaus fließt aktuell überhaupt kein Gas durch die Jamal-Europa-Pipeline. Besorgniserregend ist, dass sich diese Entwicklung zu einer Zeit vollzieht, in der die kontinuierliche Lieferung von Flüssigerdgas (LNG) aus den USA stockt. Dies könnte das Ziel, die EU-Speicher bis November auf 80 Prozent zu füllen, gefährden. Außerdem gibt es Bedenken, dass Russland die Gaslieferungen bald sogar ganz aussetzen könnte. Die Deutsche Bank erwartet auch für die kommenden Monate volatile Gasströme, die zu noch höheren Preisen führen könnten.

Geringer Anstieg

Vor dem Hintergrund hoher Inflationsraten, steigender Zinsen und geopolitischer Spannungen hatten viele Anleger mit steigenden Goldnotierungen gerechnet – das Edelmetall gilt in Zeiten volatiler Kapitalmärkte als „sicherer Hafen“. Doch allen Bewegungen an anderen Märkten zum Trotz wurde die Krisenwährung Ende Juni in US-Dollar fast unverändert zum Jahresbeginn gehandelt. Deutlichere Preiszuwächse verhinderte im 1. Halbjahr zum einen der starke US-Dollar: Gegenüber etablierten Währungen wie Euro, japanischen Yen und britischen Pfund, wertete der Greenback im Schnitt seit Jahresbeginn um knapp 10 Prozent auf den höchsten Stand seit 20 Jahren auf. Zum anderen litten die Goldpreise unter dem deutlichen Anstieg der Realzinsen (Nominalzinsen abzüglich Inflationserwartungen) in den USA. Da sich der Aufwärtstrend des US-Dollars mittelfristig umkehren, die Wahrscheinlichkeit einer Rezession steigen und Gold wegen seines „Versicherungscharakters“ weiterhin gefragt sein dürfte, könnten die Notierungen bis Ende Juni 2023 auf 1.950 US-Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) steigen.

„Rohstoffmarkt uneinheitlich: steigende Gaspreise, Öl stagniert, Industriemetalle unter Druck, Gold mit Potenzial."

Kräftiges Minus

Die Preise für Industriemetalle verzeichneten im 2. Quartal den stärksten vierteljährlichen Einbruch seit der Weltfinanzkrise 2008. Auf den Anstieg um 15 Prozent im 1. Quartal folgte ein Rückschlag um knapp 30 Prozent (07.07.2022). Erneute Corona-Beschränkungen in China und die aufkeimenden Rezessionsängste weltweit haben dem Gesamtmarkt das erste Quartalsminus seit Beginn der Pandemie beschert. Mit der sich abzeichnenden Konjunkturerholung in China sollten jedoch auch die Preise der Industriemetalle Aufholpotenzial haben.

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Redaktionsschluss: 07.07.2022, 18 Uhr;