Rohstoffe – 07.12.21

Beachtliche Disziplin, weniger Glanz

Die wichtigsten Fakten:

  • Die Freigabe strategischer Öl-Reserven in den USA dürfte kaum Auswirkungen auf die Notierungen haben.
  • Die OPEC+ erhöht ihre Tagesproduktion, die US-Ölproduzenten dürften dem Beispiel kaum folgen.
  • Gold bleibt als Krisenwährung langfristig interessant, aktuell stehen die Notierungen aber unter Druck

Quelle: TONTOXIN / Adobe Stock

Die Rohölmärkte haben sich seit ihrem Jahreshoch im Oktober etwas konsolidiert – eine nachhaltige Trendwende hin zu niedrigeren Ölpreisen ist aber noch nicht in Sicht. Vorerst wird insbesondere das knappe Erdgasangebot, das auch diesen Energieträger massiv verteuert hat, die Rohölnachfrage im Winter stützen. Der Versuch der USA, mit der Freigabe von 50 Millionen Barrel (1 Fass = 159 Liter) aus der strategischen Reserve den Preisanstieg zu begrenzen, dürfte erfolglos bleiben. Tatsächlich entspricht das zusätzliche Angebot an US-Öl nur dem halben weltweiten Tagesbedarf. Schon gar nicht dürfte es reichen, um die relativ niedrigen Lagerbestände der Wirtschaft aufzufüllen.

Mehr Öl

Für erhebliche Verunsicherung sorgt seit Ende November allerdings die Ausbreitung der neuen Variante des Coronavirus, die ihren Ursprung im südlichen Teil Afrikas hat. Die Rohstoffmärkte reagierten kurzfristig mit deutlichen Preisabschlägen. Befürchtungen, der Anstieg der Corona-Infektionen in Europa könne die Ölnachfrage signifikant dämpfen, erscheinen aber überzogen. Selbst während des harten Lockdowns im letzten Winter ist die Ölnachfrage außerhalb Chinas gerade einmal um etwa eine Million Barrel pro Tag gesunken. Tatsächlich halten die Organisation erdölexportierender Länder und ihre Partner (OPEC+) an ihren Plänen fest, weiterhin jeden Monat die Tagesproduktion kontrolliert um 400.000 Barrel erhöhen.

Dagegen dürften die großen US-Produzenten ihre Förderdisziplin beibehalten. Aus ihrer Sicht ist das auch deshalb erforderlich, weil die CO2-Kosten im Zeitalter der Dekarbonisierung weiter massiv steigen werden. Nach Einschätzung von Klimaökonomen müsste der Preis für eine Tonne CO2 sofort auf 100 US-Dollar angehoben werden, um bis 2050 das Ziel Klimaneutralität zu erreichen. Global steigende CO2-Preise könnten künftig insbesondere die Profitabilität älterer fossiler Förderprojekte belasten. Mittelfristig könnte eine mögliche Rückkehr des Iran als Lieferant den Ölpreis unter Druck setzen. Die Deutsche Bank prognostiziert für die US-Sorte WTI einen Barrel-Preis von 70 US-Dollar im Dezember 2022.

Rohöl: Entwicklung der OPEC-Fördermenge und der Notierungen im Zeitverlauf

Quelle: Refinitiv Datastream; Stand: 24.11.2021. Wertentwicklungen der Vergangenheit und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen.

Anders als bei fossilen Energieträgern spielen Anreize zur Dekarbonisierung Kupfer in die Karten. Aktuell bleibt aber die Stromknappheit in China ein wichtiger Faktor für der Preisentwicklung. Staatliche Eingriffe in den Energiemarkt, die die Kupferproduktion dämpfen, könnten dazu führen, dass sich die Preise seitwärts bewegen. Auch eine geringe Nachfrage aus dem chinesischen Immobiliensektor könnte auf Sicht von 12 Monaten das Aufwärtspotenzial auf 10.000 US-Dollar je Tonne begrenzen.

Keine Zinsen

Nach einem Anstieg bis auf 1.875 US-Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) notiert das Edelmetall aktuell wieder deutlich unter der Marke von 1.800 US-Dollar. Das erhöhte Inflationsniveau in den USA nährt bei den Anlegern offenbar die Erwartung, dass die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) die Leitzinsen schneller anhebt als gedacht. Durch ein allgemein steigendes Realzinsniveau verlieren Goldinvestments, die selbst keine Zinsen abwerfen, an Attraktivität. Eine in der Folge mögliche Verringerung der Goldallokationen könnte zu einem Rückgang der Notierungen führen.

Als Stütze für den Goldpreis sieht die Deutsche Bank bestehende Risiken, die die Position von Gold als sicherer Hafen stärken könnten. Dazu gehören die weiteren Entwicklungen im Hinblick auf die Coronavirus-Pandemie und die globalen Lieferengpässe ebenso wie die andauernden Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China sowie die Kongresswahlen in den USA im November 2022.

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Redaktionsschluss: 03.12.2021, 18 Uhr