Rohstoffe – 03.11.21

Rohstoffe: Fehlende Halbleiter, teurer Strom, starker Widerstand

Die wichtigsten Fakten:

  • Mittelfristig könnte Platin in der Katalysatorproduktion ein größeres Potenzial aufweisen als Palladium.
  • Ein geringeres Angebot an Magnesium und Aluminium hat deren Notierungen massiv steigen lassen.
  • Die Goldnotierungen entwickeln sich aktuell seitwärts. Das Risiko für einen Preisrücksetzer steigt.

Chris Ratcliffe / Bloomberg / Getty Images

Die Notierungen von Platin und Palladium leiden weiter unter dem globalen Chipmangel, der für Produktionsunterbrechungen oder Stilllegungen in der Automobilindustrie verantwortlich ist. Beide Metalle werden dort zur Herstellung von Katalysatoren benötigt. Nach einem Rückgang der globalen Automobilproduktion um 16,2 Prozent im vergangenen Jahr erwarten Analysten für 2021 lediglich eine Produktionssteigerung um 7,6 Prozent. Im September haben die Platin- und Palladiumpreise ihre bisherigen Jahrestiefststände markiert, konnten sich im Oktober aber etwas erholen. Tatsächlich zeichnet sich für 2022 Licht am Ende des Tunnels ab. Die weltweite Automobilproduktion könnte um 12 Prozent zulegen. Mittelfristig wird Platin aber das größere Preispotenzial eingeräumt – es könnte bei der Katalysatorproduktion das etwa doppelt so teure Palladium ersetzen. Mit zunehmender E-Mobilität dürfte aber ab Mitte der 20er-Jahre die Nachfrage nach beiden Metallen deutlich abnehmen.

Knappes Gut

Einen massiven Anstieg der Notierungen verzeichnet Magnesium. In Europa hat der Preis für das Erdalkalimetall seit Jahresbeginn um mehr als 200 Prozent zugelegt. Die Ursache für diese rasante Entwicklung ist vor allem die starke Abhängigkeit der Europäischen Union (EU) von Magnesiumimporten aus China. Das Reich der Mitte ist für rund 85 Prozent der globalen Jahresproduktion von Magnesium verantwortlich; 95 Prozent des von Europa importierten Magnesiums stammen von dort.

Die Magnesiumherstellung ist mit 35 Megawattstunden je Tonne sehr energieintensiv und der Strom in China momentan sehr knapp. Die Stadtbehörde von Yulin – Chinas Zentrum der Magnesiumherstellung – hat daher angeordnet, bis Ende des Jahres etwa 70 Prozent der Hütten zu schließen sowie die Produktion in den verbleibenden um die Hälfte zu senken. Dies könnte chinesische Magnesiumexporte in die EU zumindest bis Ende des Jahres spürbar reduzieren. Da Magnesium für die Leichtmetallherstellung unverzichtbar ist, wären Europas Aluminium- und Stahlproduzenten direkt betroffen.

Ohnehin wurde an der Londoner Metallbörse Aluminium zuletzt so teuer gehandelt wie seit 13 Jahren nicht mehr. Die Notierungen für Zink sind in der zweiten Oktober-Woche in der Spitze um 23 Prozent auf ein 14-Jahres-Hoch gestiegen – mussten bis Ende des Monats aber rund die Hälfte ihrer Zuwächse wieder abgeben. Auslöser der Preissprünge waren Einschränkungen auf der Angebotsseite. Wegen der gestiegenen Kosten für Strom und für CO2-Zertifikate wurde die Produktion gedrosselt. Um eine Tonne Aluminium zu produzieren, muss so viel Energie aufgewendet werden, wie ein Einfamilienhaus in drei Jahren benötigt. Knappes und teures Aluminium dürfte aber beispielsweise auch die Umsatz- und Gewinnerwartungen von Autobauern und Bauunternehmen senken.

Geringes Interesse

Der Goldpreis kämpft seit Wochen mit der Marke von 1.800 US-Dollar (USD) je Feinunze (31,1 Gramm). Doch bislang erwies sich der Widerstand als zu groß. Im 3. Quartal verzeichneten börsennotierte, mit Gold hinterlegte Produkte insbesondere in den USA weitere Abflüsse. Auch spekulativ orientierte Käufer zeigen dem Edelmetall aktuell die kalte Schulter. Eine restriktivere Geldpolitik und steigende Zinsen belasten die Goldnotierungen ebenfalls. Die höhere physische Goldnachfrage in China im September (+32 Prozent) und der Goldankauf einiger Notenbanken im August reichen allein für einen nachhaltigen Preisschub nicht aus. Gold könnte deshalb noch eine Weile lang seitwärts handeln – mit dem Risiko weiterer Kursrücksetzer.

Quelle: Bloomberg L.P., Stand 27.10.2021 Wertentwicklungen der Vergangenheit und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen.

Quelle: Bloomberg L.P., Stand 27.10.2021 Wertentwicklungen der Vergangenheit und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen.

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Redaktionsschluss: 02.11.2021, 18.00 Uhr