Rohstoffe – 09.05.2022

Rohstoffe: Hohe Preise, gefragte Absicherung

Die wichtigsten Fakten:

  • Die Notierungen an den globalen Gasmärkten dürften vorerst hoch bleiben und stark schwanken.
  • Die Ölpreise haben sich im April volatil entwickelt – aber über der Marke von 100 US-Dollar stabilisiert.
  • Die Nachfrage nach physischem Gold ist im 1. Quartal 2022 überraschend hoch ausgefallen.

Quelle: TONTOXIN / Adobe Stock

Der Russland-Ukraine-Krieg hat weiterhin massive Auswirkungen auf die weltweiten Gasmärkte. Die Notierungen sind seit Jahresbeginn um rund 90 Prozent gestiegen. Und auch in den USA schwanken die Preise für Erdgas derzeit ungewöhnlich stark. Die erhöhte Nachfrage insbesondere aus Europa macht sich bei den US-Speicherbeständen signifikant bemerkbar. Diese liegen rund 18 Prozent unter dem für diese Jahreszeit üblichen Niveau. Auch auf der Angebotsseite gibt es Engpässe: Die Produktion im Hauptfördergebiet der USA, Permian Basin, hat noch nicht das Vor-Pandemie-Niveau erreicht.

Dennoch liefern die USA so viel verflüssigtes Erdgas (LNG) wie möglich nach Europa, um die europäischen Staaten dabei zu unterstützen, die Abhängigkeit von russischen Energielieferungen zu reduzieren. Kurzfristig könnte kühleres Wetter im Norden der USA den Erdgasverbrauch noch einmal anheizen – und damit Aufwärtsdruck auf die Notierungen auslösen. Nach Einschätzung der Deutschen Bank könnten die Preise in den USA mittelfristig aber von ihren aktuellen Hochs zurückkommen. Dass sie auf ihr langjähriges Durchschnittsniveau zurückfallen, erscheint wegen der geplanten weiter deutlich zunehmenden Exporte nach Europa allerdings unwahrscheinlich.

Schwankende Preise

Die Rohöl-Notierungen der US-Sorte WTI und der Nordseesorte Brent haben sich zuletzt oberhalb der Marke von 100 US-Dollar je Barrel (159 Liter) stabilisiert. Im April hatten verschiedene Einflussfaktoren zu einem Auf und Ab bei den Ölpreisen geführt. Händler reagierten zunächst darauf, dass in Libyen zwei Ölfelder mit einer Gesamtkapazität von 365.000 Barrel pro Tag vorübergehend stillgelegt wurden. Anschließend gerieten die gestiegenen Ölpreise aber wieder unter Abgabedruck, weil spekulativ orientierte Investoren an der Terminbörse Intercontinental Exchange ihre Kaufpositionen auf das niedrigste Niveau seit November 2020 reduzierten. Außerdem dürfte die Nachfrage nach Benzin, Diesel und Kerosin in China infolge von Lockdown-Maßnahmen im April rund 1,2 Millionen Barrel pro Tag unter der Nachfrage im April 2021 gelegen haben – ein Minus von 20 Prozent.

Erhöhte Nachfrage

Die fragile geopolitische Lage sowie hohe Inflationsraten und -erwartungen haben seit Jahresbeginn Anleger veranlasst, verstärkt in Gold zu investieren. Zu den preisbestimmenden Faktoren für das Edelmetall gehörte im 1. Quartal 2022 die Nachfrage nach börsengehandelten, mit Gold hinterlegten Produkten. Das World Gold Council (WGC) meldet, dass Anleger insgesamt 269 Tonnen im Gegenwert von 17 Milliarden US-Dollar erworben haben – ein Niveau, das zuletzt im 3. Quartal 2020 erreicht wurde. Unerwartet stark fiel trotz des hohen Preisniveaus auch die Nachfrage nach physischem Gold aus. In den USA wurden mit 518.000 Feinunzen im Gegenwert von mehr als einer Milliarde US-Dollar so viele Goldmünzen in einem Quartal verkauft wie zuletzt 1999.

Rohstoffe: Hohe Preise, gefragte Absicherung

Quelle: Bloomberg L.P., Stand: 05.05.2022. Wertentwicklungen der Vergangenheit und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen.

Auch im 2. Quartal 2022 dürfte in der aktuellen Gemengelage die Goldnachfrage hoch bleiben. In Phasen, in denen wie zuletzt kurzfristige Renditen deutlicher stiegen als langfristige, konnte Gold in den vergangenen 50 Jahren durchschnittlich um 5 Prozent pro Jahr zulegen. Liefen kurz- und langfristige Renditen auseinander, waren es nur 3 Prozent. Nach der jüngsten Seitwärtsbewegung erwartet die Deutsche Bank in den kommenden Monaten Rückenwind für das Edelmetall. Bis März 2023 könnte der Goldpreis von aktuell 1.900 USD je Feinunze (05.05.) im niedrigen zweistelligen Bereich zulegen.

Aktuelle Marktkommentare erhalten Sie im täglichen Newsletter „PERSPEKTIVEN am Morgen“.

Redaktionsschluss: 05.05.2022, 18 Uhr