Rohstoffe – 14.01.2022

Rohstoffe: Hohes Preisniveau, begrenztes Potenzial

Die wichtigsten Fakten:

  • Die Rohölpreise haben sich deutlich erholt – Folge eines knappen Angebots und einer hohen Nachfrage.
  • Die geldpolitische Wende könnte zu rückläufigen Notierungen beim zinslosen Gold führen.
  • Die Preise von Industriemetallen könnten sich 2022 ausgewogener entwickeln als vergangenes Jahr.

Quelle: TONTOXIN / Adobe Stock

Die globale Konjunkturerholung hat im Herbst maßgeblich zu einem kräftigen Preisanstieg bei Energierohstoffen beigetragen. Stockende Erdgaslieferungen aus Russland haben in Europa die Notierungen zusätzlich gestützt. Unter dem Eindruck der neuen Corona-Variante Omikron kam es ab Mitte November aber zu deutlichen Korrekturen. Inzwischen hat sich die Lage wieder beruhigt und eine erneute Trendumkehr vollzogen.

Kräftige Erholung

Die Ölnotierungen haben allein im Dezember um knapp 15 Prozent zugelegt – und sind seither weiter gestiegen: Am Ende der ersten Handelswoche notierte Öl der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) und der Nordseesorte Brent jeweils über der Marke von 80 US-Dollar je Barrel (159 Liter). Das waren rund 6 Prozent mehr als zu Jahresbeginn. Der jüngste Preisanstieg resultiert sowohl aus einem knappen Angebot infolge von Produktionsausfällen in Kasachstan und in Libyen als auch aus einer starken Nachfrage wegen sehr niedriger Temperaturen im Norden der USA und in Kanada.

Im Verlauf des Winters könnte insbesondere in Europa die Erdgasknappheit die Rohölnachfrage zusätzlich stützen. Trotzdem dürften die OPEC+-Länder ihre Fördermenge weiterhin nur schrittweise erhöhen. De facto sind aktuell ohnehin nicht alle Mitglieder in der Lage, die ihnen zugestandene Quote zu erfüllen. Deshalb könnten die Notierungen vorerst auf hohem Niveau verharren. Gleichzeitig ist aber auf absehbare Zeit kein nachhaltiger Anstieg der Ölpreise zu erwarten. Der würde bei Verbrauchern wie Steuererhöhungen wirken. Ein Szenario, das Länder wie die USA mit allen Mitteln vermeiden werden und im Zweifel dafür auch ihre strategischen Reserven einsetzen dürften.

Auf der anderen Seite spricht viel dafür, dass die großen US-Produzenten auch 2022 ihre selbst auferlegten Produktionsbeschränkungen beibehalten. Ein deutlicher Anstieg der globalen Lagerbestände könnte zu sinkenden Notierungen führen ­– ­und wäre nicht in ihrem Sinn. Die Abwärtsrisiken für den Ölpreis durch eine mögliche Rückkehr iranischer Lieferungen erscheinen dagegen derzeit gering. Die Deutsche Bank rechnet für Ende 2022 mit einem Preis von 75 US-Dollar für ein Fass (159 Liter) der Sorte WTI.

Kaum Aufwärtspotenzial beim Rohölpreis

Quelle: Bloomberg L.P.; Stand: 03.01.2022. Wertentwicklungen der Vergangenheit und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen.

Begrenztes Potenzial

Die geldpolitische Wende – allen voran in den USA – könnte im Jahresverlauf zu steigenden Kapitalmarktzinsen führen. Selbst wenn die Realrenditen negativ bleiben, dürfte diese Entwicklung der zinslosen Anlage in Gold zusetzen. Die Deutsche Bank erwartet dann eine Verringerung der Goldpositionen in Anlageportfolios – und rückläufige Notierungen. Die Prognose für Ende 2022 beträgt 1.750 US-Dollar pro Feinunze (31,1 Gramm).

Bei Industriemetallen sollten sich Angebot und Nachfrage 2022 ausgewogener entwickeln als 2021. Das spricht für eine Abnahme der Preisschwankungen und ein moderates Aufwärtspotenzial. In China könnten staatliche Eingriffe in den Energiemarkt kurzfristig die Kupferproduktion belasten und zu einer Seitwärtsbewegung der Notierungen führen.

Andererseits stützen staatliche Anreize zur Dekarbonisierung und Infrastrukturprojekte grundsätzlich eine hohe Kupfernachfrage. Eine geringere Bautätigkeit in China könnte aber das Preispotenzial begrenzen. Unterdessen leiden die Notierungen von Palladium und Platin vorerst weiter unter dem Chipmangel, der zu Produktionsunterbrechungen in der Automobilindustrie führt. Beide Metalle werden dort zur Herstellung von Katalysatoren benötigt.

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Redaktionsschluss: 13.01.2022, 18 Uhr