Rohstoffe – 11.02.2022

Im Spannungsfeld von Wachstum und Inflation

Die wichtigsten Fakten:

  • Ein globaler Anstieg der Realzinsen könnte im Jahresverlauf den Goldpreis belasten.
  • Die Autoproduktion dürfte deutlich zulegen – und die Nachfrage nach Platin und Palladium stärken.
  • Die OPEC+ kann aktuell nicht ihre Förderquoten ausschöpfen. Der Ölpreis dürfte vorerst kaum nachgeben.

Quelle: TONTOXIN / Adobe Stock

Die starken Schwankungen an den Aktienmärkten haben Anleger zuletzt veranlasst, „sichere Häfen“ anzusteuern. Davon hat vorübergehend auch Gold profitiert. Die Notierungen sind im Januar bis auf rund 1.840 US-Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) geklettert. Ein Indiz für den Risk-off-Modus der Anleger war die kurzfristig kräftige Nachfrage nach Zertifikaten, die mit physischem Gold hinterlegt sind. 2021 hatten hier insbesondere Großinvestoren in den USA mit Nettobestandsverkäufen von knapp 200 Tonnen den Goldpreis belastet. Die Nachfrage europäischer und asiatischer Anleger über netto 26 Tonnen konnte die Abflüsse bei Weitem nicht wettmachen.

Inzwischen hat sich das Edelmetall wieder verbilligt, die Feinunze notierte nach einem Zwischentief zum Monatsende zuletzt aber wieder über der Marke von 1.800 US-Dollar. Inflationsängste bei den Anlegern und weitere Turbulenzen an den Aktienmärkten könnten die Notierungen stützen. Auch eine mögliche Abwertung des US-Dollars würde Gold für internationale Investoren interessanter machen, die Deutsche Bank erwartet für den Greenback auf 12-Monatssicht einen Kurs von 1,20 zum Euro. Problematisch bleibt für das Edelmetall jedoch, dass im Jahresverlauf die Realzinsen weltweit steigen und das Kurspotenzial des zinslosen Edelmetalls begrenzen könnten.

Kurzfristiges Potenzial

Einen guten Jahresauftakt verzeichnen Platin mit 7 Prozent und Palladium mit 30 Prozent Preisanstieg – beide werden aber noch zu deutlich niedrigeren Kursen als vor einem Jahr gehandelt. Der Mangel an Halbleitern hatte dafür gesorgt, dass 2021 weltweit rund elf Millionen Kraftfahrzeuge weniger als geplant gefertigt wurden. Das verringerte auch die Nachfrage nach den Edelmetallen, die in Katalysatoren verbaut werden. Eine steigende Autoproduktion und strengere Emissionsgrenzwerte in Asien könnten 2022 die Nachfrage ankurbeln. Analysten erwarten bei Platin gegenüber dem Vorjahr ein Plus von 20 Prozent und bei dem teureren Palladium von 8 Prozent. Beide Edelmetalle dürften daher bei volatilen Preisen noch kurzfristig Aufwärtspotenzial haben. Mittel- bis langfristig sollte die Transformation zur Elektromobilität aber die Preise bremsen.

Steigende Energiepreise

Quelle: Bloomberg L.P.; Stand: 09.02.2022. Wertentwicklungen der Vergangenheit und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen.

Stabile Notierungen

Der Preisanstieg bei Rohöl hat sich auch im Januar 2022 fortgesetzt. Zuletzt notierte die Nordseesorte „Brent“ über der Marke von 90 US-Dollar je Barrel (159 Liter) – und damit dicht an ihrem 7-Jahreshoch. Getragen wird der Aufwärtstrend von der globalen Konjunkturerholung mit einer insgesamt starken Nachfrage nach Energieträgern. Die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) prognostiziert für 2022 einen Anstieg der täglichen weltweiten Ölnachfrage um 4,2 Millionen auf 100,8 Millionen Barrel. Außerdem stützen geopolitische Risiken und eine weiterhin zähe Produktionsausweitung die Notierungen.

Das Öl-Kartell und seine Partnerländer (OPEC+) haben zwar erwartungsgemäß beschlossen, ihre graduellen Produktionserhöhungen fortzuführen: Auch Anfang März dürfen die beteiligten Staaten ihre tägliche Produktion um insgesamt 400.000 Barrel erhöhen. Da die libysche Ölförderung im Januar wegen einer Blockade von Ölförderanlagen um durchschnittlich 140.000 Barrel pro Tag sank, förderten die 13 OPEC-Staaten aber lediglich etwa 50.000 statt der geplanten 200.000 Barrel mehr als im Vormonat. Der Ölpreis dürfte daher erst unter Druck geraten, wenn die Förderquoten ausgeschöpft werden und die Nachfrage gedeckt ist. Die OPEC selbst geht von einem Rohöl-Überangebot von 1,3 Millionen Barrel pro Tag zum Jahresende aus.

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Redaktionsschluss: 10.02.2022, 18 Uhr