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Rohöl wird aktuell rund 10 Prozent unter seinem 3-Jahres-Hoch gehandelt. Ein Grund: Coronabedingte Mobilitätsbeschränkungen in China und weiteren Ländern Asiens dürften die Nachfrage im laufenden Quartal um rund 1 Million Barrel (1 Fass = 159 Liter) pro Tag drücken. Außerdem fördern die Organisation erdölexportierender Länder und ihre Partner (OPEC+) ab September monatlich zusätzlich 400.000 Barrel pro Tag, und in den USA steigt die Zahl der aktiv betriebenen Öl-Förderanlagen. Mittlerweile sind fast 400 Anlagen in Betrieb – im August 2020 waren es noch knapp 180.

Eine Ausweitung der Öl-Produktion könnte das Aufwärtspotenzial der Ölpreise nicht nur kurz- bis mittelfristig begrenzen. Die US-Produzenten werden zwar wahrscheinlich auch bei einer global steigenden Nachfrage ihre aktuelle Kapitaldisziplin beibehalten und den Anstieg ihres Angebots begrenzen. Die OPEC+ dürfte aber in diesem Szenario ihre Kapazitätsreserven nutzen und die Produktion ausweiten, um die Rohölmärkte 2022 im Gleichgewicht zu halten und den weiteren Abbau weltweiter Lagerbestände zu begrenzen. Die Deutsche Bank erwartet auf Sicht von 12 Monaten eine Seitwärtsbewegung bei den Rohölpreisen. Die Prognose für Ende September 2022 beläuft sich aktuell auf 75 US-Dollar je Barrel der US-Sorte WTI.

Robuste Nachfrage

Chinesische Stahlunternehmen dürften ihre Produktion im 2. Halbjahr 2021 aufgrund behördlicher Beschränkungen gegenüber dem 1. Halbjahr um rund 10 Prozent drosseln. Die verminderte Nachfrage hat bereits zu einem Rückgang der Eisenerzpreise geführt. Mit zuletzt rund 160 US-Dollar pro Tonne notiert der Grundstoff zwar rund 30 Prozent unter seinem Allzeithoch von Ende Juli, aber immer noch über dem langjährigen Durchschnittsniveau. Außerdem unterstützt aktuell eine stabile Nachfrage in den USA und Europa die Notierungen.

Ein Angebotsschock bei Kupfer ist ausgeblieben, die Bergarbeiter der weltweit größten Kupfermine Escondida in Chile haben ein Tarifangebot der Minenbetreiber akzeptiert. Escondida soll dieses Jahr etwa 5 Prozent der globalen Kupfernachfrage bedienen. Aktuell bewegt sich der Preis des Basismetalls seitwärts entlang der Marke von 9.500 US-Dollar je Tonne.

Die Notierungen dürften in den kommenden Monaten aber von der wirtschaftlichen Erholung profitieren. Infrastrukturprojekte in den USA und in Europa, insbesondere aber die auf die Dekarbonisierung der Wirtschaft abzielenden Konjunkturmaßnahmen (z. B. Ausbau erneuerbarer Energien) könnten einen Preisanstieg auslösen – zumal die Kupfervorräte in China und den USA zur Neige gehen. Für Ende September 2022 prognostiziert die Deutsche Bank aktuell einen Kupferpreis von 10.000 US-Dollar je Tonne.

Schwankende Notierungen

Die seit Monaten recht volatile Preisentwicklung bei Gold könnte sich vorerst fortsetzen. Verantwortlich dafür ist weniger das reale Zinsniveau, das in den USA seit Wochen recht stabil ist. Die jüngsten Ausschläge der Notierungen spiegeln die Erwartungen der Investoren an eine Straffung der US-Geldpolitik wider. Steigende Nominalzinsen, weniger Anleihekäufe durch die Fed und verbesserte Wachstumsaussichten dürften das Potenzial für eine positive Entwicklung der Goldnotierungen begrenzen. Eine Beimischung des Edelmetalls zur Absicherung im Depot erscheint aber sinnvoll. Gold dürfte als physisches Wertaufbewahrungsmittel seine exponierte Stellung in wichtigen Abnehmerländern wie China und Indien behalten – und bleibt damit für langfristig orientierte Anleger eine interessante Anlageoption.

Goldpreis: Entwicklung im Zeitverlauf

Quelle: Bloomberg L.P.; Stand: 06.09.2021 Wertentwicklungen der Vergangenheit und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen

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Redaktionsschluss: 08.09.2021, 18.00 Uhr