Rohstoffe – 08.04.2022

Rohstoffe: Viel Dynamik bei den Notierungen

Die wichtigsten Fakten:

  • Die Preise der industriell genutzten Rohstoffe Nickel und Platin waren zuletzt sehr volatil.
  • Ein starker US-Dollar und steigende Zinsen belasten aktuell die Krisenwährung Gold.
  • Der Preisanstieg bei Rohstoffen dürfte sich in den kommenden Monaten auf hohem Niveau verlangsamen.

Quelle: TONTOXIN / Adobe Stock

Die Unsicherheit durch den Krieg in der Ukraine lässt sich gut an den Rohstoffmärkten nachvollziehen: Sowohl bei Energierohstoffen als auch bei Metallen bewegen sich die Kurse weiterhin dynamisch. Ein Problem für die Terminmärkte ist, dass die volatilen Preise hohe Nachschussforderungen an die Marktteilnehmer zur Folge haben. Die Handelshäuser und Industrieunternehmen schränken deshalb ihre Aktivitäten ein, was wiederum die Liquidität weiter senkt und die Preisschwankungen erneut verschärft.

Rohstoffe: Viel Dynamik bei den Notierungen

Quelle: Bloomberg L.P., Stand: 06.04.2022, Wichtiger Hinweis: Wertentwicklungen der Vergangenheit, Simulationen und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen.

Sensible Märkte

Besonders ausgeprägt waren zuletzt die Preisbewegungen für Nickel an der Londoner Metallbörse (LME). Seit Mitte März wird dort das vorübergehend vom Handel ausgesetzte Industriemetall wieder gehandelt. Das festgelegte tägliche Preisschwankungslimit von 15 Prozent wurde bis zur letzten März-Woche mit einer Ausnahme an jedem Tag bereits kurz nach Handelsbeginn erreicht – und der Handel für den Tag dann beendet. Am 7. März hatte Nickel ein Rekordhoch von rund 50.000 US-Dollar pro Tonne erreicht. Zuletzt lagen die Notierungen zwar wieder unter der Marke von 35.000 US-Dollar. Das Plus seit Anfang März beträgt bis heute aber immer noch rund 30 Prozent.

Trotz ebenfalls hoher Volatilität sind die Perspektiven für Platin interessant: Seit Jahresbeginn hat sich der Preis des Metalls seitwärts bewegt – könnte künftig aber zulegen, weil sich bis Ende 2022 der Angebotsüberhang aus 2021 von 1,232 Millionen Unzen (31,1 Gramm) mindestens halbieren oder sogar ganz auflösen dürfte. Platin wird in der Katalysatorproduktion eingesetzt, und Analysten erwarten nach dem Einbruch vergangenes Jahr einen Anstieg der Nachfrage aus der Automobilindustrie um 19 Prozent.

Hohe Inflationsraten und geopolitische Eskalationen stützen die Goldnotierung, die am 7. März bei rund 2.070 US-Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) ein 18-Monats-Hoch markierte. Wie stark der Krieg den Goldpreis beeinflusst, zeigte sich am 29. März: Als Russland meldete, seine „militärischen Aktivitäten“ bei Kiew deutlich zu reduzieren, sackte die Notierung des Edelmetalls erstmals seit Ende Februar wieder unter die Marke von 1.900 US-Dollar. Ohnehin erhält der Goldpreis deutlichen Gegenwind von den steigenden Kapitalmarktzinsen. Auf der anderen Seite erwartet die Deutsche Bank, dass der US-Dollar auf Sicht von 12 Monaten zum Beispiel gegenüber dem Euro etwas von seiner aktuellen Stärke einbüßen könnte. Das würde die Goldnotierungen ebenso stützen wie eine anhaltende Unsicherheit an den Märkten.

Größeres Defizit

Mit rund 10.400 US-Dollar je Tonne wird Kupfer an der LME momentan knapp 4 Prozent unter seinem Allzeithoch gehandelt. Analysten rechnen damit, dass die weltweite Nachfrage 2022 die Minenproduktion um 154.000 Tonnen übersteigen könnte. Die Sanktionierung russischen Kupfers, das 4 Prozent der globalen Förderung ausmacht, könnte das aktuelle Angebotsdefizit weiter verstärken. Wegen historisch niedriger Bestände in den Lagerhäusern sowie infolge einer geplanten Sondersteuer auf Kupferminen in Chile und in Peru zurückgestellter Explorationsvorhaben dürfte der Markt auch mittelfristig unterversorgt bleiben.

Recherchen zufolge dürfte das Angebotsdefizit bis 2030 rund vier Millionen Tonnen betragen. Dass Kupfer zunehmend auch im Zuge der Umstellung auf Erneuerbare Energien und Elektromobilität stark nachgefragt ist, lässt die Prognose, der Kupferverbrauch werde in den kommenden 30 Jahren doppelt so hoch sein wie in den vergangenen 30 Jahren, plausibel erscheinen. Unter Berücksichtigung des bei Rohstoffen üblichen Risikos starker Kursschwankungen und möglicherweise verstärkten Recyclings könnte der Kupferpreis mittel- bis langfristig weiter steigen.

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Redaktionsschluss: 07.04.2022, 18 Uhr