Rohstoffe – 14.03.2022

Rohstoffe: Von hohen Energiepreisen und Inflationsschutz

Die wichtigsten Fakten:

  • Die EU deckt aktuell mehr als 40 Prozent ihres Bedarfs mit russischem Erdgas. Nun beabsichtigt die EU-Kommission, diese Abhängigkeit deutlich zu reduzieren. Das könnte aber selbst mittelfristig schwierig werden.
  • Angesichts hoher geopolitischer Risiken ist die Goldnachfrage zuletzt stark gestiegen.

Quelle: TONTOXIN / Adobe Stock

Der Russland-Ukraine-Krieg und die in Gang gesetzte Sanktionsspirale haben zu einem starken Anstieg der ohnehin schon hohen Energiepreise geführt. Das gilt insbesondere für die angespannten Rohölmärkte, deren Lagerbestände sich deutlich unter dem Durchschnitt der vergangenen 5 Jahre bewegen. Mit einem Anteil von 12 Prozent an der weltweiten Rohölproduktion gehört Russland zu den drei größten Produzenten. Die Ungewissheit über die Zahlungsmechanismen und die ökonomischen Auswirkungen der Sanktionen halten Käufer bereits davon ab, russisches Rohöl, das aktuell noch weitgehend von Sanktionen ausgenommen ist, zu beziehen. Bleibt Russland langfristig auf seinem Öl sitzen, hätte das erhebliche negative Auswirkungen für die Staatsfinanzen. Mit den Rohöleinnahmen werden rund 36 Prozent des Staatshaushalts bestritten.

Rohstoffe: Von hohen Energiepreisen und Inflationsschutz

Quelle: Bloomberg L.P.; Stand: 08.03.2022. Wertentwicklungen der Vergangenheit, Simulationen und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Wertentwicklungen.

Russland gehört zu den Partnerstaaten der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC). Nun wird erwartet, dass die übrigen OPEC+-Mitglieder in Zukunft die ihnen zugewiesenen Förderquoten auch ausschöpfen. Das war in den vergangenen Monaten meist nicht der Fall. Außerdem sollten die mögliche Rückkehr Irans an die Ölmärkte und eine höhere US-Produktion die Angebotsseite stabilisieren – und wieder zu höheren Lagerbeständen beitragen. Dennoch dürfte das Preisniveau angesichts der aktuellen Situation hoch bleiben. Die Deutsche Bank prognostiziert für die Sorte Brent einen Preis von 113 US-Dollar je Fass (159 Liter) Ende März 2023.

Große Abhängigkeit

Während die europäischen Gasmärkte kurzfristig in der Lage sein könnten, eine mögliche Unterbrechung von Erdgaslieferungen aus Russland bis zum Ende des Winters zu verkraften, belastet die Abhängigkeit auf mittelfristiger Sicht: Die Europäische Union (EU) bezieht mehr als 40 Prozent des benötigten Erdgases aus Russland. Immerhin hat die EU-Kommission nun einen Maßnahmenplan vorgelegt, um russische Gasimporte bis Ende des Jahres um zwei Drittel im Vergleich zum Vorjahr zu reduzieren.

Sollten die russischen Gaslieferungen nicht unterbrochen werden, könnten die Notierungen in etwa wieder auf das Niveau fallen, zu dem sie vor Kriegsbeginn in einem Deeskalations-Szenario gehandelt wurden. Aber auch dann wäre der Preis im Vergleich zu den vergangenen Jahren nach wie vor außergewöhnlich hoch. Eskaliert der Konflikt weiter, könnten die Preise in den nächsten 12 Monaten jedoch durchaus auf über 200 Euro je Megawattstunde (MWh) verharren. Insgesamt scheinen höhere Gaspreise erforderlich, um mit asiatischen Märkten um Ladungen mit Flüssigerdgas (LNG) zu konkurrieren und Anreize für Investitionen in den Ausbau der LNG-Infrastruktur in Europa zu schaffen.

Intakter Höhenflug

Da sich die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) auf den Beginn ihres Zinserhöhungszyklus vorbereitet, könnte der aktuelle Höhenflug des Goldpreises etwas gebremst werden. Auch Zinserhöhungen in einer Vielzahl anderer Länder würden die Notierung belasten.

Auf der anderen Seite spielen die Inflationserwartungen, die stärker anziehen dürften als bislang prognostiziert, und die möglicherweise noch zunehmenden geopolitischen Risiken dem Edelmetall in die Karten. Gold genießt bei Anlegern den Ruf einer Krisenwährung, die Inflationsschutz bietet. Es gilt die einfache Gleichung: Je größer die Risiken sind, desto größer ist auch die Nachfrage nach Gold. Insbesondere vor dem Hintergrund des Russland-Ukraine-Kriegs mit seinen weitreichenden Folgen erwartet die Deutsche Bank auf Sicht von 12 Monaten einen Goldpreis von 2.100 US-Dollar je Feinunze (31,1 Gramm).

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Redaktionsschluss: 11.03.2022, 18 Uhr