Rohstoffe – 07.10.21

Rohstoffe: Wachsender Energiebedarf, begrenzte Stahlproduktion

Die wichtigsten Fakten:

  • Chinas gestiegener Stromverbrauch hat zu einem kräftigen Anstieg der Notierungen für Kohle beigetragen.
  • Die Preisrally von Erdgas und Rohöl könnte infolge des bevorstehenden Winters weiteren Schub erhalten.
  • Der Mangel an Halbleitern bremst die Autoproduktion aus und drückt die Stahlnachfrage in Europa.

Chris Ratcliffe / Bloomberg / Getty Images

Kohle gilt als schmutzigster aller fossilen Brennstoffe und in Zeiten der Dekarbonisierung als Auslaufmodell. Allerdings entfallen nach wie vor mehr als 35 Prozent der weltweiten Stromerzeugung auf Kohle. Und nach einem Preisanstieg von 120 Prozent in diesem Jahr wird der Energierohstoff so teuer gehandelt wie zuletzt vor zwölf Jahren. Ein Grund ist die hohe Stromnachfrage, die fossile Energieträger verteuert. Im Vergleich zu Gas bleibt Kohle aber die günstigere Alternative. Besonders stark ist dieses Jahr der Stromverbrauch in China gestiegen – bis August um fast 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr. China steht für 56 Prozent des globalen Kohleverbrauchs und für 54 Prozent der gesamten Kohleverstromung. Die trockenheitsbedingte rückläufige Stromerzeugung aus Wasserkraft hat China zuletzt veranlasst, noch stärker auf Kohle zu setzen. Auch in Indien, weltweit Nummer zwei beim Kohleverbrauch, legte die Stromerzeugung im August mit 16 Prozent stark zu, der Anteil der Kohleverstromung dürfte bei rund 70 Prozent liegen.

Geringe Reserven

Der steigende Energiebedarf in Asien wirkt sich auch auf den Erdgaspreis in Europa aus. Der hat dort seit Jahresbeginn bis Ende September um 245 Prozent zugelegt. Aus Instandhaltungsarbeiten an Erdgasfeldern in Norwegen – dem zweitgrößten Erdgasversorger der EU – resultierten zudem dessen niedrigste Exportkapazitäten seit Juni. Als wäre das nicht genug, sind aktuell unwetterbedingt 52 Prozent der US-amerikanischen Erdgasförderung im Golf von Mexiko heruntergefahren. Da der Winter vor der Tür steht, könnten weitere Preissteigerungen folgen.

Quelle: Bloomberg L.P.; Stand: 29.09.2021 Wertentwicklungen der Vergangenheit und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen

Quelle: Bloomberg L.P.; Stand: 29.09.2021 Wertentwicklungen der Vergangenheit und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen

Das gilt auch für Rohöl. Vor gut einem Monat sank der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Sorte Brent auf 65 US-Dollar, um dann auf inzwischen über 80 US-Dollar zu klettern – den höchsten Wert seit 2018. Selbst Chinas erster offizieller Verkauf strategischer Petroleumreserven konnte dieser Rallye nicht entgegenwirken. Die letztlich abgesetzte Menge war ein Tropfen auf den heißen Stein: Sie fiel geringer aus als Chinas tägliche Importe von durchschnittlich 3,1 Millionen Barrel während der ersten acht Monate des Jahres. Hinzu kommt: Die Reserven des größten Ölkonsumenten USA sind nach zwei Hurrikans auf das niedrigste Niveau seit drei Jahren gesunken. Analysten schätzen, dass Förderkapazitäten von rund 0,3 Millionen Barrel pro Tag an der US-Golfküste noch nicht hochgefahren sind. Zwar könnten die USA hier schon bald wieder aktiv werden und China weitere Verkäufe aus den strategischen Reserven tätigen – ohne eine höhere Produktion des Ölkartells und seiner Partner (OPEC+) könnte der Ölpreis bis Ende des Jahres aber weiter zulegen.

Höhere Margen

Dagegen scheint die Stahlpreis-Rally in Europa an Schwung verloren zu haben. Ein Grund dürfte die stockende Fertigung von Fahrzeugen sein. Wegen des eklatanten Mangels an Halbleitern sanken die Auto-Neuzulassungen in der EU im Juli und im August gegenüber dem Vorjahr um 23 Prozent bzw. 19 Prozent. Etwa 16 Prozent des Stahlbedarfs in der EU sind der Automobilbranche zuzurechnen. Die Belastung für die europäischen Stahlkonzerne dürfte sich aber in Grenzen halten.

Der Rückgang bei den Eisenerzpreisen wirkt sich positiv auf deren Margen aus. Seit Mitte Juli sank der Preis wegen der reduzierten Stahlproduktion in China auf 120 US-Dollar je Tonne. Im August wurden gut 83 Millionen Tonnen Stahl produziert – das niedrigste Niveau seit dem Höhepunkt der Corona-Krise im März 2020. Sollte China an dem Plan festhalten, aus Umweltgründen die Stahlproduktion 2021 auf dem Level von 2020 zu halten, droht ein weiterer Rückgang der Produktion. Außerdem belastet ein wachsendes Angebot aus Brasilien die Eisenerznotierungen.

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Redaktionsschluss: 06.10.2021, 18.00 Uhr