Rohstoffe – 03.06.2022

Rohstoffe: Geopolitische Risiken und chinesische Lockdowns

Die wichtigsten Fakten:

  • Der Goldpreis könnte trotz steigender Realzinsen in den kommenden 12 Monaten spürbar zulegen.
  • Die hohe Förder- und Kostendisziplin der Ölproduzenten dürfte die Notierungen auf hohem Niveau stützen.
  • Die Lockdowns in China beeinflussen die Stimmung an den Kupfer- und Aluminiummärkten stark.

Quelle: TONTOXIN / Adobe Stock

Der Goldpreis bewegt sich weiterhin im Spannungsfeld zwischen geopolitischen Eskalationen und steigenden Realzinsen. Inzwischen dürften die Anleger allerdings den aggressiven Zinserhöhungspfad, den die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) eingeschlagen hat, vollständig eingepreist haben. Daher ist von der Zinsseite kein stärkerer Gegenwind mehr zu erwarten. Dagegen dürften der Russland-Ukraine-Krieg und Wachstumsrisiken die Goldnotierungen weiterhin unterstützen. Die Deutsche Bank prognostiziert für Juni 2023 einen Preis von 2.100 US-Dollar je Feinunze (31,1 Gramm).

Gold-ETF-Käufe trotz steigender Realrenditen l.A. Goldbestand in Mio. Feinunzen; r.A.: Angaben in Prozent, invertiert

Quelle: Bloomberg L.P., Stand: 27.05.2022. Wertentwicklungen der Vergangenheit und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen.

Stabile Notierungen

Unterdessen belasten Lockdowns in China die Rohstoffnachfrage. Trotzdem spricht einiges dafür, dass die Rohölnotierungen kurzfristig ihr hohes Niveau halten. Die Gründe: Erstens verunsichert das drohende Embargo der EU gegen russisches Öl aktuell die Märkte. Zweitens sind die Organisation erdölproduzierender Länder und ihre Partnerstaaten (OPEC+) offenbar nicht bereit, ihre tägliche Fördermenge außerplanmäßig zu erhöhen. Und drittens gilt aktuell eine Rückkehr von iranischem Öl auf die Märkte als unwahrscheinlich.

Auch langfristig erwartet die Deutsche Bank keine deutlich sinkenden Notierungen. Mit dem Auslaufen der Corona-Maßnahmen in China dürfte dort die Nachfrage wieder anziehen. Doch weder US-Produzenten, die eine hohe Kapitaldisziplin an den Tag legen, noch die OPEC+, die ihre Fördermenge monatlich nur um 430.000 Barrel pro Tag anhebt, dürften von ihrem Kurs abweichen. Deshalb könnten die Lagerbestände vorerst niedrig bleiben – zumal westliche Kunden russisches Öl substituieren werden. Auf Sicht von 12 Monaten beläuft sich die Prognose für die Nordseesorte Brent auf 110 US-Dollar je Barrel (159 Liter).

Erhöhte Nachfrage

Bei den Industriemetallen haben die Lockdowns in China und die Instabilität des chinesischen Immobilienmarktes die Stimmung für Kupfer gedrückt. Auf längere Sicht könnten die Auswirkungen der rekordverdächtigen Emission von Sonderanleihen durch die Provinzregierungen sowie weitere Konjunkturmaßnahmen im Reich der Mitte die Nachfrage wieder deutlich stärken. Gleichzeitig begrenzen wie in Chile oder Peru soziale Unruhen, wetterbedingte Unterbrechungen oder Wasserknappheit möglicherweise die Produktion. Die Deutsche Bank erwartet für Juni 2023 einen Kupferpreis von 11.000 US-Dollar je Tonne.

Starken Schwankungen unterlagen in den vergangenen Wochen die Aluminiumpreise. Zunächst stiegen sie an der Londoner Metallbörse von 2.800 US-Dollar je Tonne bis auf ein Rekordhoch von 4.073 US-Dollar je Tonne am 7. März. Die Marktteilnehmer waren besorgt, das Angebot aus Russland könnte den Weltmärkten entzogen oder Embargos unterworfen werden. Nachvollziehbar, denn mit einem Marktanteil von 10 Prozent ist Russland nach China der zweitgrößte Aluminiumproduzent weltweit. Rund die Hälfte der russischen Ausfuhren gehen in die EU und die USA.

Anschließend prägten die Lockdowns in China die Marktstimmung: Die Akteure befürchteten ein Nachfragedefizit, die Notierungen brachen bis Mitte Mai um 33 Prozent auf ein Jahrestief ein. Sobald die Lockdowns beendet werden, könnte die Stimmung jedoch wieder drehen. Die weltweiten Aluminiumbestände in Lagern sind mit rund 487.000 Tonnen auf das niedrigste Niveau seit Mai 2001 gesunken. Da Aluminium aktuell weiterhin deutlich über dem Durchschnittspreis der vergangenen fünf Jahre von 2.125 US-Dollar je Tonne handelt, dürften die Gewinnmargen der Produzenten weiterhin auskömmlich sein.

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Redaktionsschluss: 01.06.2022, 18 Uhr