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Mit dieser Rally hatte kaum jemand gerechnet: Der Preis für australische Kohle ist in diesem Jahr um knapp 17 Prozent gestiegen. Ein Grund für diese Entwicklung sind die aktuell ungewöhnlich geringen Kohlevorräte in China. Das Riesenreich ist nicht nur der größte Verbraucher, sondern mit einem Weltmarktanteil von 46 Prozent (2019) auch der größte Produzent von Kraftwerkskohle. Die inländische Produktion war aber nicht in der Lage, die unerwartet hohe Nachfrage im Frühjahr zu decken. Gleichzeitig hatten sich die Importeure verkalkuliert. Nach Rekordeinfuhren von 39,1 Millionen Tonnen im Dezember kürzten sie das Volumen im Januar und Februar gegenüber den Vorjahresmonaten um 40 Prozent.

Außerdem haben große Exportländer Lieferprobleme. Nach Überschwemmungen in Australien im März lag der Umschlag im Hafen von Newcastle zuletzt auf dem Niveau von Februar. In Indonesien leidet die Produktion der Kohleminen unter den Folgen schwerer Regenfälle und staatlicher Förderquoten. Insgesamt liegen die globalen Seeverkehrsmengen noch immer 10 Prozent unter ihrem Vorjahresniveau. Die Nachfrage nach Kohle sollte vorerst hoch bleiben. So dürfte in Indien der Energiesektor eine Aufstockung seiner sinkenden Lagerbestände vornehmen, die coronabedingt kaum von inländischen Produzenten geleistet werden kann. Die Deutsche Bank hält daher kurzfristig weiter steigende Kohlenotierungen für möglich.

Starke Nachfrage

Kupfer ist das Nicht-Edelmetall mit der höchsten elektrischen Leitfähigkeit. Damit ist es ein unverzichtbarer Rohstoff im Bereich erneuerbare Energien und Elektrizität. 2020 dürfte die grüne Transformation zu einer Kupfernachfrage von rund einer Million Tonnen geführt haben. Das entspricht nur 3 Prozent der weltweiten Nachfrage. Schätzungen zufolge könnte die aus nachhaltigen Investitionen stammende Nachfrage aber bis 2025 auf 2,6 und bis 2030 auf 5,4 Millionen Tonnen Kupfer steigen, was dann rund 16 Prozent des weltweiten Kupferverbrauchs entspräche.

Der Palladiumpreis befindet sich ebenfalls im Aufwind. Auslöser war ein Wassereinbruch in zwei Minen in Sibirien. Dies dürfte 2021 Produktionsausfälle in Höhe von 8 Prozent des weltweiten Angebots zur Folge haben, obgleich die Minen im Juni die Produktion wieder aufnehmen sollen. Nach Behebung des derzeitigen Mangels an Halbleiterchips wird für das zweite Halbjahr außerdem eine höhere Autoproduktion und somit eine erhöhte Nachfrage nach Benziner-Katalysatoren und dem dafür benötigten Palladium erwartet.

Palladium

Quelle: Bloomberg L.P.; Stand: 26.04.2021. Wertentwicklungen der Vergangenheit und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen.

Hoher Bedarf

Die Aluminiumpreise erzielten seit Mitte März wiederholt zyklische Höchststände. Abgesehen von einem kurzen starken Anstieg 2018 wird das weiße Metall mit knapp 2.400 US-Dollar je Tonne an der Londoner Metallbörse LME so teuer gehandelt wie seit 2011 nicht mehr. Auch am chinesischen Markt wechselt Aluminium zurzeit wegen Produktionsbeschränkungen zu hohen Preisen den Besitzer. Die Lagerbestände sind in den vergangenen Wochen recht deutlich zurückgegangen.

Mit der Konjunkturerholung in den USA zieht außerdem der Bedarf an Aluminium in China weiter an. Dort werden rund 20 Prozent des Leichtmetalls für die Produktion von Exportgütern verwendet, die größtenteils in die USA gehen. Klassische Produkte sind zum Beispiel Fenster- und Türrahmen, Räder oder Klimaanlagen. Daten für das 1. Quartal 2021 zeigen bereits einen deutlichen Anstieg der Ausfuhren dieser Güter gegenüber dem Vor-Pandemie-Jahr 2019 – so liegt für Fenster- und Türrahmen der Zuwachs bei nahezu 100 Prozent. Die erwartete globale Konjunkturerholung könnte die Aluminiumnotierungen somit weiter stützen.

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Redaktionsschluss: 06.05.2021, 14 Uhr