Chris Ratcliffe / Bloomberg / Getty Images

Der Goldpreis ist seit Jahresbeginn in US-Dollar um rund 5 Prozent gesunken. Anleger haben offenbar in Erwartung einer strafferen US-Geldpolitik und damit mittelfristig potenziell höheren Realzinsen begonnen, ihre Positionen in börsengehandelten, mit Gold hinterlegten Zertifikaten zu reduzieren. Seit Anfang Januar ist dort ein Rückgang des weltweit verwalteten Vermögens um etwa 6,7 Prozent zu verzeichnen. Sollte sich der Trend fortsetzen, wäre es der erste Rückgang seit 6 Jahren – und könnte somit zunächst weiteren Gegenwind für den Preis des Edelmetalls bedeuten.

Robuste Nachfrage

Den könnte es mittelfristig auch für Eisenerz geben. Seit der Staudammkatastrophe 2019 in Brasilien sind die Notierungen massiv gestiegen und haben entgegen den Markterwartungen im Juli mit knapp 220 US-Dollar pro Tonne ein neues Allzeithoch markiert. Ein Grund für die Rally ist die chinesische Stahlproduktion, die seit Ende 2015 durchschnittlich um 5,7 Prozent jährlich wächst. Trotz einer Verlangsamung im 2. Quartal dürfte die Stahlnachfrage in China im 1. Halbjahr 9 Prozent über dem Vorjahresniveau liegen – und die Eisenerzpreise stützen. Die starke Nachfrage aus der Automobil- und Bauindustrie hat außerdem dazu geführt, dass die chinesischen Eisenerz-Lagerbestände im 2. Quartal um 8 Millionen Tonnen gesunken sind.

Rohstoffpreis-Index

Quelle: Bloomberg L.P.; Stand: 04.08.2021
Wertentwicklungen der Vergangenheit und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen

Auch in anderen Ländern ist die Stahlnachfrage mit entsprechendem Impuls für die Produktion kräftig angezogen. So haben indische Unternehmen trotz massiver Beeinträchtigung durch das Coronavirus ihre Produktion von Januar bis Mai im Vergleich zum Vorjahr um 28 Prozent ausgeweitet. Die US-Stahlwerke fahren eine Kapazität von knapp 84 Prozent – so hoch wie seit 2008 nicht mehr. Auch die meisten Anlagen in Europa sind zu mehr als 90 Prozent ausgelastet. Insgesamt stieg die Produktion außerhalb Chinas in den ersten 5 Monaten um 14 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum 2021.

Die Deutsche Bank erwartet, dass die Nachfrage auf den westlichen Märkten vorerst stark bleibt. Für das 2. Halbjahr ist aber mit einem deutlichen Anstieg der Eisenerzexporte der großen Produzenten zu rechnen – allen voran aus Brasilien. Im Zusammenspiel mit der Verlangsamung der Stahlproduktion in China könnte diese Entwicklung zu rückläufigen Notierungen bei Eisenerz führen. Eine scharfe Korrektur ist aber nicht zu erwarten.

Mögliche Entspannung

Seit Jahresbeginn hat der Erdgaspreis in Europa von rund 16 Euro je Megawatt-Stunde über 140 Pozent zugelegt und markierte mit 38,70 Euro ein neues Jahreshoch. Die Gründe: In Australien, dem neben Katar weltweit größten Erdgas-Exporteur, fielen Ende Juni durch Wartungsarbeiten 10 Prozent der Produktion eines der größten Flüssiggashersteller aus. Gleichzeitig stieg die Nachfrage aus Südamerika über das im Südhemisphären-Winter übliche Maß an. Brasilien, im Juni für rund 50 Prozent der Gasimporte des Kontinents verantwortlich, musste dürrebedingt seine Energieproduktion aus Wasserkraft durch zusätzliche Erdgasimporte kompensieren. Und auch Argentinien konnte seinen Bedarf nur durch Zukäufe auf dem Weltmarkt decken. Auch eine starke Nachfrage aus China und die Verdopplung der Kohlepreise seit Jahresbeginn halten den Energieträger konkurrenzfähig.

Da Erdgas beim Ausbau erneuerbarer Energien eine wichtige Rolle spielt, dürfte die Nachfrage hoch bleiben. Auf der Angebotsseite könnte die Einigung zwischen Deutschland und den USA über die Inbetriebnahme der „Nord Stream 2“-Pipeline gegen Ende des Jahres für Entspannung sorgen. An der niederländischen Erdgasbörse werden Terminkontrakte für das 2. Quartal 2022 aktuell mit rund 23 Euro je Megawatt-Stunde gehandelt.

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Redaktionsschluss: 05.08.2021, 14 Uhr