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Es läuft noch nicht überall rund – doch die globale Konjunktur erholt sich zunehmend von den Folgen der Corona-Krise. So ist die Wirtschaftsleistung in den USA im 2. Quartal hochgerechnet auf das Gesamtjahr gegenüber dem Vorquartal um 6,6 Prozent gestiegen. Die Eurozone meldet einen Zuwachs beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 2 Prozent zum Vorquartal. Europas größte Volkswirtschaft Deutschland konnte mit einem BIP-Plus von 1,6 Prozent die Markterwartungen sogar übertreffen. Auch im 3. Quartal dürfte sich der Aufschwung bislang fortgesetzt haben – wenngleich einige Konjunkturdaten und Stimmungsindikatoren aus den USA bereits eine Abschwächung der Wachstumsdynamik signalisieren.

Enttäuschende Daten

Völlig unerwartet sind das Konsumklima (Universität Michigan) und das Verbrauchervertrauen der US-Konsumenten (Conference Board) im August eingebrochen. Für den Absturz beider Stimmungsbarometer sind im Wesentlichen zwei Gründe auszumachen: steigende Infektionszahlen durch die aggressive Delta-Variante des Coronavirus und zu hohe Preise. Mehr als die Hälfte der US-Konsumenten halten den Zeitpunkt für Großanschaffungen aktuell für schlecht – so viele wie seit den 1970er-Jahren nicht mehr. Außerdem drücken steigende Benzin- und Lebensmittelpreise auf die Stimmung.

Enttäuschende Zahlen kamen auch vom US-Arbeitsmarkt. Im August wurden gerade einmal 235.000 statt der erwarteten 733.000 neue Stellen außerhalb der Landwirtschaft geschaffen. Immerhin ist aber die Arbeitslosenquote mit 5,2 Prozent auf den tiefsten Stand seit der ersten Phase der Corona-Krise gefallen. Allerdings signalisiert der abermals deutliche Anstieg der US-Stundenlöhne um 0,6 Prozent gegenüber Juli und um 4,3 Prozent zum Vorjahresmonat, dass die niedrige Anzahl der neuen Stellen eher auf einem Arbeitskräftemangel beruht, den die Firmen nur über höhere Gehälter kompensieren können. Für die US-Notenbank ist die Situation recht unangenehm, da die Arbeitslosenquote noch ein ganzes Stück vom Vor-Pandemie-Niveau von 3,5 Prozent entfernt ist, sich gleichzeitig aber Löhne und Preise gegenseitig hochschaukeln könnten.

Solides Wachstum

Weltweit stauen sich rund 350 Schiffe – doppelt so viele wie noch zu Jahresbeginn. Die Folge sind weiter steigende Frachtraten, die sich ohnehin in nur 12 Monaten schon von 2.500 auf 10.000 US-Dollar je 40-Fuß-Container verachtfacht haben. Für Chinas Exportindustrie könnte das zunehmend zum Problem werden: Produkte „Made in China“ verteuern sich. Der einschlägige Einkaufsmanager-Index für Exportaufträge blieb mit 47,7 Punkten im Juli denn auch erneut unter der Marke von 50 Punkten, ab der mit einer Belebung zu rechnen ist. Außerdem könnte es gut möglich sein, dass Pandemie-Lockerungen in den USA und Europa, die zusammen für rund 30 Prozent der chinesischen Exporte stehen, die Konsumausgaben in Richtung Dienstleistungen verschieben. Eine geringere Exportdynamik in China dürfte sich zudem negativ auf die Umsätze der Zuliefererindustrien asiatischer Nachbarländer wie Südkorea, Singapur und Thailand auswirken.

Starker Anstieg der Frachtraten

Quelle: Bloomberg L.P.; Stand: 06.09.2021; Wertentwicklungen der Vergangenheit und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen.

Ein Drittel des US-Containerverkehrs wickeln die Häfen von Los Angeles und Long Beach ab. Das gemeinsame Management rechnet unabhängig von der Corona-Lage mit Beeinträchtigungen der Lieferketten bis ins nächste Jahr. Zuletzt stauten sich vor Nordamerikas größtem Umschlagsplatz 35 Schiffe. Neben Containern fehlen auch Kapazitäten bei Lastwagen, Eisenbahnen, Lagerhäusern und Personal. Die Vorlaufzeit, bis US-Spediteure die Ware erhalten, liegt derzeit bei 9–10 Wochen.

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Redaktionsschluss: 08.09.2021, 18.00 Uhr