Volkswirtschaft – 07.10.21

Volkswirtschaft: Schwierige Finanzen, nachlassende Dynamik

Die wichtigsten Fakten:

  • Die Republikaner wollen die Verhandlungen über eine neue US-Schuldenobergrenze und das geplante Fiskalpaket der US-Regierung aneinanderkoppeln.
  • Die Einzelhandelsumsätze in China signalisieren eine Abkühlung der Konjunktur. Der Abschwung im Immobiliensektor könnte das Wachstum zusätzlich bremsen.

Quelle: xPACIFICA / Getty Images

In den USA steht der Kongress vor zwei großen Aufgaben: der Verabschiedung eines neuen Bundeshaushalts und der Entscheidung über die Schuldenobergrenze. Durch einen Übergangshaushalt konnte nun ein „Government-Shutdown“ – also die Schließung der US-Bundesbehörden – bis Dezember vermieden werden. Die Republikaner blockieren aber eine Anhebung oder eine befristete Aussetzung der Schuldenobergrenze von 28,5 Billionen US-Dollar. Sie wollen die Senatsentscheidung dazu an die Verhandlungen über das 3,5 Billionen US-Dollar schwere Fiskalpaket der Regierung von Präsident Joe Biden koppeln. Mit dem Geld will Biden sozialen Schieflagen, die sich während der Pandemie noch verstärkt haben, entgegenwirken und die „grüne Transformation“ in den USA vorantreiben.

Im Rahmen eines komplexen Gesetzgebungsverfahrens könnte eine Anhebung der Schuldenobergrenze allein mit den Stimmen sämtlicher demokratischer Senatoren inklusive der Vizepräsidentin Kamala Harris den US-Senat passieren. Die Ein-Parteien-Lösung ist aber kein Selbstläufer, weil die Reihen der Demokraten nicht geschlossen sind. Eine Entscheidung könnte sich hinziehen und an den Kapitalmärkten zu höheren Schwankungen beitragen.

Quelle: Bloomberg L.P.; Stand 30.09.2021 Wertentwicklungen der Vergangenheit und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen

Quelle: Bloomberg L.P.; Stand 30.09.2021 Wertentwicklungen der Vergangenheit und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen

Enttäuschende Daten

Die jüngsten Signale aus China sind wenig ermutigend – die Konjunkturdynamik dort verliert erkennbar an Kraft. So blieben die Einzelhandelsumsätze im August mit 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr deutlich hinter den erwarteten 7 Prozent zurück. Ein Grund für die enttäuschende Entwicklung waren die schwachen Autoverkäufe, die gegenüber dem Vorjahr um 18 Prozent eingebrochen sind. Auch der Dienstleistungssektor enttäuschte mit nur 4,8 Prozent Wachstum – im Juli waren es noch 7,8 Prozent. Die Industrieproduktion verfehlte mit einem Plus von 5,3 Prozent die Erwartungen von 5,8 Prozent zwar nur leicht. Das Wachstum fiel aber wie im Dienstleistungssektor auch hier unter seinen 2-Jahres-Durchschnitt.

Nach Einschätzung der Deutschen Bank dürften der Anstieg der Corona-Neuinfektionen und die damit einhergehende strikte No-Covid-Politik der Regierung in Peking sowie Lieferengpässe bei wichtigen Vorprodukten Teil des Problems sein – vollständig erklären lässt sich die Verlangsamung der Wirtschaft dadurch aber nicht. Denn auch die Verkaufserlöse von Immobilien sanken im August im Jahresvergleich landesweit um 18,7 Prozent und in den ersten beiden Septemberwochen in den Top-30-Städten sogar um 22 Prozent – vor allem bedingt durch ein geringeres Kreditangebot.

Der Abschwung des Immobiliensektors dürfte die Binnennachfrage sowie Investitionen und Wachstum künftig belasten. Gedämpfte Immobilieninvestitionen und weniger Wohnungsneubauten wirken sich sofort negativ auf die Beschäftigung im Bausektor und die Nachfrage nach Baumaterialien aus. Die rückläufige Fertigstellung von Wohnungsneubauten dürfte auch Branchen wie Möbel und Haushaltsgeräte belasten.

Beachtliche Risiken

Noch schwerer könnten aber auf regionaler Ebene sinkende Steuereinnahmen infolge geringerer Baulandverkäufe wiegen. Zwar haben nicht wenige Analysten in ihren Wachstumsprognosen für das 3. und 4. Quartal 2021 bereits eine Abkühlung des Immobiliensektors eingepreist, wohl aber kaum eine solche Geschwindigkeit des Abschwungs. Auch die öffentlichen Spekulationen über einen Zahlungsausfall des größten Immobilienentwicklers Chinas erhöhen die Verunsicherung. Regierung und Notenbank dürften zwar bereit sein, gezielt einzugreifen, um das Marktvertrauen und die Liquidität der Unternehmen zu stärken. Zurückhaltung und Vorsicht scheinen aber bis auf Weiteres bei Kapitalanlagen in China angebracht.

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Redaktionsschluss: 06.10.2021, 18.00 Uhr