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Nach dem starken Comeback der US-Wirtschaft von den Folgen der Coronavirus-Krise zeichnet sich nun auch in Europa immer mehr das Szenario einer V-förmigen Konjunkturerholung ab. Der Erfolg hängt maßgeblich an den Impffortschritten, die angesichts einer drohenden 4. Pandemiewelle entscheidend für dauerhafte Öffnungen gerade in vielen Bereichen des Dienstleistungssektors sind. Und dort hellt sich die Stimmung auf, die Unternehmen blicken wieder zunehmend optimistischer in die nähere Zukunft. Der Einkaufsmanagerindex für den Servicesektor in der EU ist im Juni stärker als erwartet von 55,2 auf 58,3 Punkte gestiegen. Werte über 50 Zähler signalisieren eine stärkere Wirtschaftsaktivität.

Im Zuge rückläufiger Infektionszahlen in den meisten Mitgliedsstaaten der EU dürfte der private Konsum kräftig anziehen. Die in der Pandemie gebildeten zusätzlichen Rücklagen der Haushalte belaufen sich auf etwa 5 Prozent der Wirtschaftsleistung im Euroraum. Höhere Verbraucherausgaben könnten dieses Jahr zu rund einem Viertel und 2022 sogar zur Hälfte zum prognostizierten Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von jeweils mehr als 4 Prozent beitragen.

Quelle: Bloomberg L.P.; Stand 01.07.2021 Wertentwicklungen der Vergangenheit und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen

Quelle: Bloomberg L.P.; Stand 01.07.2021
Wertentwicklungen der Vergangenheit und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen

Massive Unterstützung

Viele Unternehmen wurden von der positiven Entwicklung der vergangenen Wochen überrascht. Die in der Corona-Krise zurückgefahrenen Kapazitäten lassen sich kurzfristig nicht wieder hochfahren, die anziehende Nachfrage kann in vielen Bereichen nicht ausreichend bedient werden. Bei Produktions- und Lieferketten hakt es. Der Automobilindustrie fehlen Chips, der Baubranche Zement, Holz und Stahl. In Deutschland berichteten in einer Anfang Mai veröffentlichten Umfrage des Münchener ifo-Instituts 45 Prozent der Unternehmen von Engpässen bei der Materialbeschaffung.

Dass deutsche Unternehmen bislang gut durch die Covid-19-Krise gekommen sind, hat mehrere Gründe. Dank massiver Unterstützung durch die Europäische Zentralbank und staatlicher Hilfen war die Kreditversorgung zu günstigen Konditionen jederzeit sichergestellt. Kreditmargen und -standards haben kaum angezogen. In diesem Zusammenhang spielt auch die gute Eigenkapitalausstattung deutscher Unternehmen eine zentrale Rolle. Mit 64 Prozent des BIP ist ihre Verschuldung im internationalen Vergleich gering.
Außerdem stellt die Bundesregierung insbesondere seit dem zweiten Lockdown im November 2020 in erheblichem Umfang Corona-Hilfen zur Verfügung. Diese summieren sich inzwischen auf rund 41 Milliarden Euro. Obwohl in den meisten Fällen nur ein Teil der Umsatzausfälle kompensiert wird, dürfte dadurch ein Anstieg der Verbindlichkeiten mit dem Risiko einer Überschuldung in vielen Fällen verhindert worden sein. Die staatlichen Zuschüsse für Unternehmen laufen zwar im September aus. Mit der erwarteten Lockerung der Beschränkungen sollte sich aber die Ertragssituation vieler Firmen normalisieren.

Wenig Pleiten

Damit erweisen sich wohl auch die Sorgen vor einer der Pandemie nachlaufenden Insolvenzwelle als unbegründet. Neben staatlichen Kredithilfen und Zuschüssen wurde in Deutschland ein Zahlungsmoratorium für Kredite verhängt und die Insolvenzantragspflicht ausgesetzt. Während das Kreditmoratorium bereits im Juni 2020 auslief, wurde die Insolvenzantragspflicht ab Oktober 2020 in drei Schritten wieder in Kraft gesetzt – seit Mai 2021 gelten die üblichen Insolvenzregeln. Erste Schätzungen zeigen eine moderate Entwicklung. Die Zahl der Unternehmenspleiten im Mai liegt nur 5 Prozent über dem Vorjahr. Bisher deutet also nichts auf einen sprunghaften Anstieg der Insolvenzen in Deutschland hin.

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Redaktionsschluss: 08.07.2021; 12 Uhr