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Noch ist die Pandemie nicht bezwungen. Mutationen wie die aktuelle Delta-Variante des Coronavirus lassen die Inzidenzen immer wieder hochschnellen. Doch massive Einschränkungen des öffentlichen und privaten Lebens oder gar Lockdowns werden mit fortschreitender Durchimpfung der Bevölkerung unwahrscheinlicher. Die Chancen, dass die Konjunkturdynamik intakt bleibt, steigen mit der zunehmenden Immunisierung. Auch stützen große Sozial- und Konjunkturpakete in vielen Industriestaaten die dynamische Erholung. Das sieht auch der Internationale Währungsfonds (IWF) so und hat seine bisherige Schätzung für das globale Wachstum 2021 von 6 Prozent bestätigt. Außerdem hob der IWF die Prognose für 2022 um 0,5 Prozentpunkte auf 4,9 Prozent an.

Starker Konsum

Dazu dürfte die US-Wirtschaft stark beitragen – der IWF erwartet hier für 2022 ebenfalls einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 4,9 Prozent. Verlass ist vor allem auf die US-Konsumenten: Im Juni legten die US-Einzelhandelsumsätze im Vergleich zum Vormonat überraschend um 0,6 Prozent zu – die Analystengemeinde war im Vorfeld von einem Rückgang um 0,3 Prozent ausgegangen. In der engen Abgrenzung der Einzelhandelsumsätze (retail control) ohne die schwankungsanfälligen Autoverkäufe, die direkt über den privaten Verbrauch in die erste BIP-Schätzung einfließt, ergab sich sogar ein kräftiges Plus von 1,3 Prozent. Hier hatten Marktbeobachter einen bescheidenen Zuwachs von 0,4 Prozent erwartet. Die Konsumausgaben liegen nun für alle in den Einzelhandelsumsätzen enthaltenen Komponenten (Möbel, Baumaterialien, Kfz, Lebensmittel) über den Umsätzen im Februar 2020. Für die kommenden Monate rechnet die Deutsche Bank damit, dass die US-Bürger wieder mehr Geld für Freizeitaktivitäten wie Reisen und Veranstaltungen ausgeben. Darunter sollten die Umsätze des Einzelhandels, der für knapp 30 Prozent des BIP der USA verantwortlich ist, aber nicht leiden, sondern sich stabil entwickeln. Dafür spricht auch der vielbeachtete Konsumklimaindex der Universität Michigan: Er legte im Juli stärker als erwartet auf 81,2 Punkte zu.

Quelle: Deutsche Bank; Stand 28.07.2021 Wertentwicklungen der Vergangenheit und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen

Quelle: Deutsche Bank; Stand 28.07.2021 Wertentwicklungen der Vergangenheit und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen

Solides Wachstum

Stark zeigt sich auch der große Kontrahent China. Im 2. Quartal 2021 legte die Wirtschaftsleistung der chinesischen Volkswirtschaft gegenüber dem Vorjahresquartal um 7,9 Prozent zu. Das BIP-Wachstum entsprach damit im Großen und Ganzen den Erwartungen. Analysten hatten im Vorfeld der Datenveröffentlichung durchschnittlich ein Plus von 8 Prozent prognostiziert. Im Detail zeigen die Daten Licht wie Schatten: Die Einzelhandelsumsätze legten im Juni nicht mehr ganz so stark zu wie im Mai. Die Fertigungsprobleme in der Automobilindustrie wegen des Halbleitermangels haben das Wachstumstempo in der Industrieproduktion abgeschwächt. Gleichzeitig fielen die Zuwächse von 12,1 Prozent (Einzelhandel) und 8,3 Prozent (Industrie) zum Vorjahresmonat besser aus als von den Analysten erwartet.

Die Konjunktur im Reich der Mitte sollte nicht allzu stark abkühlen und Chinas Wirtschaft weiter sehr solide wachsen. Allerdings warnte das chinesische Statistikamt vor möglichen Rückschlägen in anderen Volkswirtschaften aufgrund der unvorhersehbaren Pandemie-Entwicklung. Chinas Zollbehörden gehen ebenfalls wegen der COVID-19-Beschränkungen in einigen Ländern davon aus, dass sich das Außenhandelswachstum im 2. Halbjahr auf hohem Niveau abschwächen wird. Das hängt auch mit einem geringeren Basiseffekt zusammen. China hatte als erste große Volkswirtschaft insbesondere im Herbst 2020 von der global einsetzenden Erholung kräftig profitiert – und am Ende sogar noch ein positives BIP-Wachstum für das Gesamtjahr ausgewiesen. Deshalb dürften die Wachstumsraten im 2. Halbjahr 2021 geringer ausfallen.

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Redaktionsschluss: 05.08.2021, 14 Uhr