Quelle: xPACIFICA / Getty Images

Die USA waren nach dem coronabedingten Einbruch ihrer Wirtschaft deutlich früher zurück auf der Erfolgsspur als die europäischen Volkswirtschaften. Die Wachstumsdynamik dürfte aber ihren Höhepunkt überschritten haben. Für April hatten Analysten eine Million neue Jobs am US-Arbeitsmarkt prognostiziert – unterm Strich waren es 266.000. Die möglichen Erklärungen für das enttäuschende Jobwachstum sind vielfältig: statistische Verzerrungen, Fachkräftemangel oder die Erhöhung der Arbeitslosenunterstützung, die tendenziell dem Jobeinstieg entgegenwirkt.

Der für das Stimmungsbild in der US-Industrie wichtige Einkaufsmanagerindex ISM ist nach dem kräftigen Rückgang im April zuletzt wieder leicht gestiegen. Mit 61,2 Punkten lag der aussagekräftige Frühindikator im Mai aber immer noch deutlich unter seinem Jahreshoch. Im März hatte der ISM für das Verarbeitende Gewerbe mit 64,7 Zählern allerdings auch den höchsten Stand seit Ende 1983 erreicht. Schon Werte ab 50 signalisieren eine Verbesserung der wirtschaftlichen Aktivität.

Eine nachlassende Wachstumsdynamik signalisieren auch der Philly-Fed-Index und das US-Verbrauchervertrauen. Der von der Notenbank in Philadelphia veröffentlichte Frühindikator mit Fokus auf das Verarbeitende Gewerbe ist im Mai stärker als erwartet um knapp 19 auf 31,5 Indexpunkte eingebrochen. Und sogar beim privaten Konsum droht eine leichte Abkühlung: Das US-Verbrauchervertrauen ist zuletzt von 117,5 auf 117,2 Punkte gesunken. Die Markterwartungen lagen bei 118,7 Punkten.

Hohes Niveau

Der Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe in Deutschland hat sich im Mai zwar leicht verschlechtert. Statt der erwarteten 66 Punkte steht der Index nun bei 64 Zählern. Im Eurozonen-Vergleich ist das überdurchschnittlich – und weit über dem Schwellenwert von 50. Der leichte Rückgang dürfte aus Problemen bei Lieferketten resultieren. So berichtet im deutschen Maschinenbausektor fast jedes zweite Unternehmen über Engpässe bei Vorprodukten.

Quelle: Bloomberg L.P.; Stand: 02.06.2021. Wertentwicklungen der Vergangenheit und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen.

Quelle: Bloomberg L.P.; Stand: 02.06.2021. Wertentwicklungen der Vergangenheit und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen.

Mit rund einer Million Beschäftigten in knapp 6.400 Unternehmen ist die Branche hierzulande eine Schlüsselindustrie. Im ersten Corona-Jahr verzeichneten die Maschinenbauer den stärksten Umsatzeinbruch seit 2009: minus 11 Prozent auf rund 204 Milliarden Euro. Inzwischen hat sich die Stimmung nach einem Umsatzplus im 1. Quartal 2021 von 9 Prozent deutlich verbessert. Die Kapazitätsauslastung stieg von 81,9 auf 86,2 Prozent – und liegt erstmals seit fast zwei Jahren wieder über dem langfristigen Durchschnitt von 83,5 Prozent.

Neue Aufträge erwarten Firmen vor allem aus den USA und aus asiatischen Ländern. Wichtigste Ausfuhrregion war auch 2020 der US-Markt. Der Anteil am Export betrug 11,4 Prozent. Dicht dahinter folgt China mit 11,3 Prozent. Dort setzte allerdings die wirtschaftliche Erholung bereits im 2. Quartal 2020 ein, sodass deutsche Maschinenbauer aus Richtung Asien geringere Auftragseinbrüche als aus den USA verkraften mussten. Aktuell rechnet die Branche für das Gesamtjahr vorsichtig mit einem realen Wachstum von 7 Prozent.

Solider Ausblick

Perspektivisch sieht es für die deutsche Wirtschaft weiterhin gut aus. Die Stimmung in den Chefetagen hat sich erneut verbessert. Das belegt der ifo-Geschäftsklimaindex im Mai. Das aussagekräftige Konjunkturbarometer kletterte gegenüber April überraschend um 2,3 auf 99,2 Punkte. Die Unternehmen waren zufriedener mit ihrer aktuellen Geschäftslage – und blicken optimistischer auf die kommenden Monate. Der Anstieg bei den Geschäftserwartungen fiel mit 3,4 auf 102,9 Zähler kräftig aus. Wie schon der Einkaufsmanagerindex bestätigt auch der ifo-Geschäftsklimaindex im Detail eine deutliche Stimmungsaufhellung im Dienstleistungssektor.

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Redaktionsschluss: 02.06.2021, 14 Uhr