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Der Krieg in der Ukraine hat globale Auswirkungen auf Wachstum und Inflation. Für die Eurozone erwartet die Deutsche Bank in diesem Jahr einen Anstieg der Teuerungsrate auf 8 Prozent. 2023 könnte sich die Preissteigerung zwar auf 3,3 Prozent abschwächen – die starke Inflation dürfte aber trotz hoher Ersparnisse der Verbraucher den privaten Konsum belasten. Höhere Rohstoffpreise und Engpässe auf der Angebotsseite könnten kurzfristig auch das Wachstum im Industriesektor dämpfen. Zusätzlicher Risikofaktor ist der Welthandel, der sich abzuschwächen droht.

Auf der anderen Seite sollten staatliche Hilfen für einkommensschwache Haushalte, höhere Staatsausgaben und zusätzliche öffentliche Investitionen die Konjunktur stützen – und 2022 einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in der Eurozone von 2,8 Prozent und im kommenden Jahr von 2,2 Prozent ermöglichen. Dazu könnte die Europäische Zentralbank (EZB) beitragen. Die Währungshüter haben auf ihrer jüngsten Sitzung zwar beschlossen, die Anleihekäufe schneller als bisher vorgesehen zu drosseln – geben sich aber maximale Flexibilität hinsichtlich einer Leitzinswende.

Geringe Verflechtung

Die USA sind ökonomisch weniger vom Krieg betroffen als die Eurozone. Es bestehen kaum direkte Handelsbeziehungen zu Russland und der Ukraine. Langfristig hohe Energiepreise auf den Weltmärkten dürften aber auch die US-Wirtschaft belasten. Auch die direkten finanziellen Verflechtungen mit der Krisenregion sind begrenzt. Das gilt allerdings nicht für Europa, das für die USA ein Ansteckungsrisiko birgt. Außerdem könnte die Störung der globalen Lieferketten zunehmen und negative Auswirkungen für die US-Wirtschaft haben.

Dennoch sollte die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) Kurs halten und die Inflation mit sechs Leitzinserhöhungen bis März 2023 bekämpfen. Allerdings könnte die Fed länger als geplant fällige Anleihen in ihrer Bilanz durch den Ankauf neuer Anleihen ersetzen, insbesondere wenn sich die Finanzierungsbedingungen für Unternehmen verschlechtern oder andere Anzeichen von Stress im US-Finanzsystem auftauchen. Die Deutsche Bank prognostiziert für die USA 3,4 Prozent BIP-Wachstum im diesem und 2,4 Prozent im nächsten Jahr. Die Inflationsraten werden 2022 voraussichtlich 4,7 Prozent beziehungsweise im Jahr 2023 2,7 Prozent erreichen.

Volkswirtschaft: Höhere Inflation, geringeres Wachstum

Quelle: Bloomberg L.P., Stand: 08.03.2022. Wertentwicklungen der Vergangenheit, Simulationen und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Wertentwicklungen.

Überschaubare Auswirkungen

Auch Japans Wirtschaft und Finanzsektor sind nur vereinzelt mit Russland verflochten. Wachstumsrisiken sind allen voran höhere Energiepreise und die mögliche Abschwächung der globalen Konjunktur. Die Exporte dürften sich aufgrund der starken Verflechtung mit China und anderen asiatischen Ländern aber stabilisieren. Außerdem könnte die Inflationsrate ab April von einem sehr niedrigen Niveau auf etwa 1,5% ansteigen. Das Lohnniveau in Japan ist zwar moderat, aber steigende Energie- und Lebensmittelpreise sowie der Wegfall von Sonderfaktoren aus der Statistik dürften sich im Verbraucherpreisindex bemerkbar machen. Die Bank of Japan (BoJ) könnte als Zeichen der geldpolitischen Normalisierung eine vorsichtige einmalige Zinserhöhung beschließen, da die Inflation vorübergehend in die Nähe des 2-Prozent-Ziels der BoJ rückt. Für 2022 wird ein BIP-Plus von 2,5 Prozent und für 2023 von 1,4 Prozent erwartet. 

Abwärtsrisiken für Chinas Wirtschaft ergeben sich nach Einschätzung der Deutschen Bank hauptsächlich aus den stark gestiegenen Energiepreisen. Die BIP-Prognose für 2022 wurde von 5,3 Prozent auf 4,5 Prozent korrigiert. 2023 könnte das reale Wirtschaftswachstum bei 4,8 Prozent liegen. Dagegen peilt die chinesische Regierung für das laufende Jahr ein BIP-Plus „um die 5,5 Prozent“ an – mehr, als die meisten Analysten zuvor erwartet hatten.

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Redaktionsschluss: 11.03.2022, 18 Uhr