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So viel ist klar: Die russische Invasion bleibt nicht folgenlos für die globale Wirtschaft. Regierungen, Wirtschaftsforschungsinstitute, Ökonomen und führende Notenbanken haben in den zurückliegenden Wochen allesamt ihre Wachstumsprognosen zum Teil drastisch nach unten korrigiert. Die direkten Effekte einer Rezession in der Ukraine und in Russland für die Weltwirtschaft sind zwar weitgehend vernachlässigbar – beide Länder stehen zusammen nur für rund 1,9 Prozent der globalen Wertschöpfung. Die indirekten Effekte könnten aber mit zunehmender Dauer des Konflikts spürbaren ökonomischen Schaden anrichten. Russland und die Ukraine sind nicht nur bei Öl und Gas wichtige Akteure auf dem Rohstoffmarkt. Russland ist der drittgrößte Nickelproduzent und steht für rund ein Drittel der globalen Palladiumproduktion. Daneben sind sowohl die Ukraine als auch Russland bedeutende Anbieter von Stahl und Weizen.

In den europäischen Unternehmen wächst die Sorge, dass mit Fortdauer des Konflikts Lieferkettenprobleme wieder aufflammen könnten, wie aus den Umfragen zum Einkaufsmanagerindex hervorgeht. Denn insbesondere aus der Ukraine kommen wichtige Rohstoffe und Komponenten – zum Beispiel die für die Automobilproduktion dringend notwendigen Kabelbäume.

Steigende Preise

Für die Verbraucherpreise in Deutschland sind höhere Rohstoffpreise und Lieferengpässe keine rosigen Aussichten. Die Inflationsrate sprang in Deutschland von 5,1 Prozent im Februar auf 7,3 Prozent im März – ein 40-Jahreshoch. Erwartet worden waren „lediglich“ 6,2 Prozent. Haupttreiber des Anstiegs waren zwar wieder die Energiepreise, die infolge des Russland-Ukraine-Kriegs gegenüber dem Vorjahr um fast 40 Prozent gestiegen sind. Aber auch in anderen Sektoren hat der Preisdruck zuletzt deutlich zugenommen.

Der private Konsum dürfte zwar die Stütze der deutschen Konjunktur bleiben. Dazu trägt aktuell im Zusammenhang mit dem Wegfall von Corona-Beschränkungen bereits die Verwendung der beachtlichen Ersparnisse privater Haushalte bei. Dauerhaft hohe Verbraucherpreise wirken sich negativ auf die Konsumbereitschaft aus. Je länger der Preisdruck anhält, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich über steigende Löhne sogenannte Zweitrundeneffekte einstellen und auch die Kerninflationsrate nachhaltig steigt.

Volkswirtschaft: Hoffnung auf weiteres Wachstum

Quelle: Bloomberg L.P., Stand 06.04.2022, Wichtiger Hinweis: Wertentwicklungen der Vergangenheit, Simulationen und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen.

Solides Wachstum

In den USA kämpft die Notenbank Federal Reserve (Fed) gegen hohe Inflationsraten und einen heiß laufenden Arbeitsmarkt. Im Zusammenhang mit den indirekten ökonomischen Folgen des Russland-Ukraine-Kriegs hat die Fed ihre Wachstumsprognose für 2022 gesenkt. Sie traut der größten Volkswirtschaft der Welt aber noch ein Plus von 2,8 Prozent (vorher: 4 Prozent) zu. Der National-Activity-Index, ein aussagekräftiges Konjunkturbarometer der regionalen Notenbank Chicago Fed, war zuletzt zwar leicht rückläufig, signalisiert aber nach wie vor ein Wachstum oberhalb des langfristigen Pfads der US-Wirtschaft.

Der ISM-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe in den USA fiel im März 2022 hingegen auf 57,1 (Februar: 58,6) Punkte und lag damit unter den Marktprognosen von 59. Trotz des Rückgangs stehen die Zeichen weiterhin auf Wachstum, denn bereits Werte ab 50 signalisieren eine zunehmende wirtschaftliche Aktivität. Auch das vom Forschungsinstitut Conference Board erhobene US-Verbrauchervertrauen hat sich im März stabilisiert. Der leichte Rückgang um 3,3 auf nun 107,2 Punkte fiel geringer aus als erwartet.

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Redaktionsschluss: 07.04.2022, 18 Uhr