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Die Pandemie ist noch nicht besiegt. Angesichts vielerorts zu geringer Impfquoten und teilweise mangelhaftem Corona-Management bergen neue, hoch ansteckende Varianten des Virus weiterhin erhebliche Risiken für massiv steigende Infektionszahlen und in der Folge erneute Einschränkungen und Lockdowns. Dennoch stehen die Chancen für eine Erholung der Weltwirtschaft 2022 gut. Viele Länder sollten ihre Produktionslücken im Laufe des Jahres schließen und einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) oberhalb des Potenzialwachstums ausweisen.

In einigen Volkswirtschaften wie Deutschland könnte das BIP sogar stärker zulegen als 2021. Das setzt allerdings voraus, dass die aktuelle Corona-Welle möglichst rasch gebrochen wird und den Konjunkturmotor nicht abwürgt. Die Stimmung in der Wirtschaft trübt sich in Deutschland aktuell jedenfalls weiter ein. Der vielbeachtete ifo Geschäftsklimaindex ist im November von 97,7 Punkten auf 96,5 Punkte gesunken. Der fünfte Rückgang in Folge fiel sogar noch etwas stärker aus als erwartet.

Dennoch sollte die Wirtschaft in der Eurozone dieses Jahr um 5 Prozent wachsen – und auch 2022 könnte das Plus mit 4,6 Prozent nur geringfügig darunter liegen. Maßnahmen gegen den Klimawandel und fiskalische Unterstützung durch den Next Generation EU Fonds sowie die nationalen Regierungen dürften auch im privaten Sektor einen Investitionsschub auslösen. Zu den Risikofaktoren zählen weiterhin Lieferengpässe, fehlendes qualifiziertes Personal, Maßnahmen zur Pandemie-Eindämmung und hohe Energiepreise.

Robustes Wachstum

In der US-Wirtschaft ist die Stimmung aktuell gut: Die als Frühindikator des Verarbeitenden Gewerbes geltende Umfrage der Philadelphia Fed fiel im November überraschend positiv aus und bestätigte die Botschaft ihres zuvor veröffentlichten New Yorker Pendants. Der Index der Geschäftsaktivität sprang auf ein 7-Monatshoch. Alle Indikatoren für Auftragseingänge und Produktion konnten zulegen, insbesondere die Auftragseingangsquote erhöhte sich und deutet auf ein robustes Wachstum hin.

Trotzdem bleibt die Konjunkturerholung in den USA 2021 voraussichtlich hinter früheren Prognosen zurück. Die Deutsche Bank erwartet ein BIP-Wachstum von 5,6 Prozent. Die Fiskalmaßnahmen der US-Regierung sind geringer ausgefallen als gedacht, außerdem bremsen höhere Inflationsraten, steigende Ölpreise und anhaltende Lieferkettenstörungen das Wachstum. Letztere sollten im 2. Quartal 2022 nachlassen, leicht steigende Löhne könnten die Nachfrage stützen. Die Prognose der Deutschen Bank für das US-Wachstum im kommenden Jahr liegt bei 4 Prozent. Das größte Risiko stellt eine Konjunkturüberhitzung bei nachhaltig überschießender Inflation dar. Überdies könnten nach der Sommerpause politische Auseinandersetzungen im Zusammenhang mit den Zwischenwahlen in einem Jahr die Märkte verunsichern.

Entwicklung der Verbraucherpreisinflation ausgewählter Regionen

Quelle: Bloomberg L.P., Stand: 24.11.2021. Wertentwicklungen der Vergangenheit und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen.

Geringere Dynamik

Die Erholung der Wirtschaft hat sich auch in China 2021 fortgesetzt. Der politisch erzwungene Schuldenabbau im Immobiliensektor und erneute Einschränkungen im Zusammenhang mit der Pandemie belasten aber weiterhin das Wachstum. Hinzu kommen die Rationierung von Strom und rasant steigende Energiepreise. Für dieses Jahr prognostiziert die Deutsche Bank noch ein BIP-Plus von 7,7 Prozent. 2022 dürfte sich das Wachstum weiter auf 5,3 Prozent abschwächen. Unterdessen setzt die Regierung in Peking konsequent den Umbau der chinesischen Wirtschaft fort: Für qualitativ hochwertigeres Wachstum mit geringerer Schuldenfinanzierung und dem Fokus auf einem breiten Wohlstand nimmt sie niedrigere BIP-Raten in Kauf.

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Redaktionsschluss: 03.12.2021, 18 Uhr