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Dem Chipmangel oder den langen Verladezeiten in wichtigen Häfen zum Trotz: Die Welthandelsorganisation (WTO) hat ihre Wachstumsprognose für das globale Handelsvolumen 2021 von 8 Prozent auf 10,8 Prozent angehoben. Im Jahr 2022 könnte sich der weltweite Warenhandel mit einem Plus von 4,7 Prozent wieder seinem langfristigen Trend vor der Corona-Krise nähern. Nach Einschätzung der WTO dürfte Asien seinen Anteil am Welthandel bis Ende 2022 mit einem prognostizierten Wachstum der Importe von 14 Prozent und der Exporte von knapp 19 Prozent deutlich ausbauen.

Ernüchternde Daten

Chinas Wachstum hat im 3. Quartal allerdings an Fahrt verloren. Die Konjunkturabkühlung hatte sich zwar bereits abgezeichnet. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) blieb mit einem Anstieg um 4,9 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum aber sogar noch leicht hinter den Markterwartungen (+5 Prozent) zurück. Die Zuwächse bei den Einzelhandelsumsätzen (+4,4 Prozent) und der Industrieproduktion (+3,1 Prozent) fielen für chinesische Verhältnisse recht bescheiden aus. Stromrationierungen und steigende Rohstoffpreise hatten teilweise zu Produktionsausfällen geführt und die Umsätze der Textil-, Bekleidungs- und Automobilbranche gemindert. Die Krise im Immobiliensektor, der immerhin für rund 30 Prozent der Wirtschaftsleistung Chinas steht, belastet Baubranche und Möbelindustrie. Außerdem fehlen den lokalen Gebietskörperschaften Steuereinnahmen für Infrastrukturinvestitionen.

Nach Einschätzung der Deutschen Bank ist das aber noch kein Grund zur Beunruhigung. Auf die ersten neun Monate gerechnet ist das Wachstum mit 9,8 Prozent robust. Für das Gesamtjahr erscheinen die von Volkswirten durchschnittlich prognostizierten 8 Prozent weiterhin möglich. 2022 sollte sich die BIP-Entwicklung laut Internationalem Währungsfonds bei 5,6 Prozent stabilisieren.

Wertentwicklungen der Vergangenheit und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen.

Quelle: Bloomberg L.P., Deutsche Bank AG; Stand 27.10.2021 Wertentwicklungen der Vergangenheit und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen.

Unterdessen kämpfen in den USA aktuell viele Unternehmen aus dem Verarbeitenden Gewerbe mit einem Arbeitskräftemangel. Fast eine Million Stellen sind unbesetzt. Auch im Transportsektor gibt es zu wenige Arbeitskräfte, was in vielen Branchen zu einer Unterbrechung von Lieferketten führt. Die Industrieproduktion hinkt den Aufträgen seit Jahresbeginn um 5 Prozentpunkte hinterher. Mit sinkenden COVID-19-Infektionszahlen sollte sich die Lage aber entspannen. Die Produktion könnte dann 2022 um gut 100 Milliarden US-Dollar steigen – vorausgesetzt auch die Engpässe bei Halbleitern nehmen erkennbar ab.

Diskussionsstoff bieten weiterhin die hohen Inflationszahlen. In den USA ist der Verbraucherpreisindex im September um 5,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen (s. a. Renten). Auch die langfristigen Inflationserwartungen liegen über der Zielmarke der US-Notenbank von 2 Prozent. Anleger rechnen zwischen 2026 und 2031 durchschnittlich mit einer US-Teuerungsrate von 2,5 Prozent.

Fehlende Fachkräfte

Ein strukturelles Risiko für Inflation und Wachstum ist eine alternde Gesellschaft. Auch Deutschland sitzt in der Demografie-Falle. Bis 2030 übersteigt die Zahl der Neu-Rentner die der Berufsanfänger um knapp fünf Millionen. Nur ein Teil davon dürfte durch Zuwanderung entsprechend qualifizierter Arbeitskräfte kompensiert werden. Bis 2025 droht daher ein Rückgang des Wachstumspotenzials von aktuell 1,2 Prozent auf 0,7 Prozent.

Umso wichtiger ist es, dass die künftige Bundesregierung die Weichen richtig stellt. Die von einer möglichen Ampel-Koalition geplante Entbürokratisierung der Verwaltung und der Ausbau der digitalen Infrastruktur würden den Investitionsstandort Deutschland stärken. Investitionen, beispielsweise in neue Maschinen, tragen zu einer höheren Produktivität bei und wirken dem demografisch bedingten Rückgang des Wachstumspotenzials entgegen.

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Redaktionsschluss: 02.11.2021, 18 Uhr