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Die dritte Welle der Corona-Pandemie mit der ansteckenderen und aggressiveren britischen Mutante B 1.1.7 hat nun auch Kontinentaleuropa fest im Griff. Die Inzidenzen steigen, Alltagseinschränkungen und Lockdowns greifen erneut um sich. Umso überraschender ist es, dass der Einkaufsmanagerindex (PMI) für das Verarbeitende Gewerbe im Euroraum im März ein Rekordhoch markiert hat. Das wichtige Stimmungsbarometer kletterte von 57,9 auf 62,4 Punkte – Volkswirte hatten im Vorfeld der Veröffentlichung einen leichten Rückgang prognostiziert. Damit signalisiert der europäische Index erstmals seit Anfang 2020 wieder ein stärkeres Wachstum des Sektors als in den USA. Werte über 50 deuten auf eine Expansion der wirtschaftlichen Tätigkeit hin.

Quelle: Bloomberg L.P.; Stand: 30.03.2021. Wertentwicklungen der Vergangenheit sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen

Hohe Investitionen

Die USA stimulieren die Erholung, China arbeitet an den Kapazitätsgrenzen und Europas Wirtschaft sollte im Sommer aufholen. Denn die Lockdown-geplagten Volkswirtschaften auf dem Kontinent haben erhebliches Nachholpotenzial, insbesondere im Service-Sektor. 75 Prozent der europäischen Wirtschaftsleistung (BIP) gehen auf Dienstleistungen zurück, Reisen und Tourismus stehen für 9,1 Prozent der Wirtschaftsleistung und knapp 10 Prozent der Jobs.

In den USA arbeitet die Regierung unter Präsident Joe Biden mit Hochdruck an einem Infrastrukturinvestitionsprogramm. Im Wahlkampf hatte Joe Biden hierfür ein Volumen von 2 Billionen US-Dollar auf die Agenda gesetzt. Ein erheblicher Teil der Mittel soll in die Verkehrsinfrastruktur fließen, weitere geplante Ausgabenblöcke sind der Ausbau der grünen Energie sowie Investitionen in das Breitbandnetz und die öffentlichen Schulen.

Trotz Mehrheit im Kongress wird der Regierung aber kein Durchmarsch gelingen. Steuererhöhungen stoßen nicht nur bei Republikanern, sondern auch bei demokratischen Abgeordneten und Senatoren auf Widerstand. Am Ende könnte ein Kompromiss stehen, der nur etwa die Hälfte der angestrebten Steuermehreinnahmen in Höhe von 1 Billion US-Dollar vorsieht. Wegen der zu erwartenden schwierigen politischen Verhandlungen dürfte das Infrastrukturpaket frühestens im Herbst in Kraft treten.

Positive Wirkung

Die Vorbereitung und Umsetzung von Infrastrukturinvestitionen nimmt in der Regel viel Zeit in Anspruch. Die geplanten Ausgaben sind über einen Zeitraum von acht Jahren verteilt. Anders als beim jüngsten Corona-Hilfspaket, das ein vergleichbares Volumen aufweist, sind deshalb kurzfristig kaum Konjunktureffekte zu erwarten, die zudem noch von möglichen Steuererhöhungen konterkariert würden. Deshalb erwartet die Deutsche Bank für die US-Wirtschaft einen negativen fiskalischen Impuls, wenn die Corona-Hilfen auslaufen. Der könnte nach einem Plus von 8 Prozent im vergangenen Jahr 2022 bei -6 Prozent liegen. Da die Wirtschaft der USA nach Einschätzung der Notenbank Federal Reserve aber so stark wachsen könnte wie zuletzt in den 1970er-Jahren, sollte das kein Problem darstellen. Im Gegenteil: Das Risiko einer Konjunkturüberhitzung sinkt.

Unabhängig davon dürften vom geplanten Infrastrukturpaket auf lange Sicht erhebliche positive Wirkungen auf die US-Wirtschaft ausgehen. Die staatlichen Investitionen könnten in den kommenden Jahren im Vergleich zu 2020 um rund ein Drittel steigen. Ein Gesamtvolumen von 2 Billionen US-Dollar entspricht etwa einem Drittel des geschätzten Wertes der staatlichen Infrastruktur in den USA. Die gesamtwirtschaftliche Produktivität dürfte durch eine Erneuerung der teilweise maroden Infrastruktur merklich steigen. Dementsprechend könnte auch das Wachstum in den USA auf lange Sicht profitieren.

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Redaktionsschluss: 07.04.2021, 14 Uhr