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Angefangen beim Russland-Ukraine-Krieg und seinen ökonomischen Folgen über hohe Inflationsraten, steigende Zinsen und gestörte Lieferketten bis hin zu Chinas Null-COVID-Strategie: Ein ganzes Bündel von Risiken drückt aktuell die Stimmung an den Kapitalmärkten und belastet die globale Konjunktur. Während Anleger in den kommenden Wochen und Monaten immer wieder mit Turbulenzen rechnen müssen, könnte das globale Wirtschaftswachstum an Dynamik verlieren. Die Weltbank hat ihre Wachstumsprognose zuletzt deutlich gesenkt und erwartet für das laufende Jahr nur noch 3,2 Prozent statt 4,1 Prozent Plus beim globalen Bruttoinlandsprodukt (BIP). Auch die Welthandelsorganisation (WTO) hat vor allem wegen des andauernden Kriegs ihre Wachstumserwartungen für den Welthandel in diesem Jahr von 4,7 Prozent auf 2,5 Prozent kräftig nach unten geschraubt.

Volkswirtschaft: Überraschende Wachstumsdaten, hohe Inflation

Quelle: IWF, Stand: April 2022. Wertentwicklungen der Vergangenheit, Simulationen und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen.

Hohe Inflation

Besonders hart könnte die geopolitische Eskalation Europa treffen. So zumindest sieht es der Internationale Währungsfonds (IWF), der jüngst die Prognose für das diesjährige Wachstum in der Eurozone um 1,1 Prozentpunkte auf 2,8 Prozent gesenkt hat. Noch stärker fällt die Korrektur für die deutsche Wirtschaft aus: um 1,7 Prozentpunkte auf nur noch 2,1 Prozent. Immerhin: In den ersten drei Monaten des Jahres stieg das BIP nach erster Schätzung überraschend um 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Damit liegt die Wachstumsrate nicht nur über den Markterwartungen von 0,1 Prozent, sondern nach zwei unterdurchschnittlichen Quartalen wieder auf dem Niveau der Eurozone. Die positive Entwicklung dürfte Folge einer Lockerung der Corona-Beschränkungen und von Investitionen sein. Doch die aktuellen Daten sind mit Vorsicht zu genießen. Hohe Verbraucherpreise belasten das Konsumklima. Im April übertraf die Verbraucherpreisinflation in Deutschland erneut die Erwartungen und liegt mit 7,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf dem höchsten Stand seit 1981. Auch im Euroraum trieben erneut die Lebensmittel- und Energiepreise die Inflation. Dort kletterte die Teuerungsrate im April wie erwartet um 7,5 Prozent.

Langfristig könnten die deutsche und europäische Wirtschaft jedoch von der „Grünen Transition“ profitieren, deren Dringlichkeit durch die aktuelle Eskalation noch stärker in den Vordergrund gerückt ist. Die Investitionen in Energieeffizienz belaufen sich nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) weltweit auf 250 bis 300 Milliarden US-Dollar jährlich. In den vergangenen fünf Jahren hat sich der europäische Markt hier zum Wachstumsmotor entwickelt und am stärksten zum 10 prozentigen globalen Investitionsanstieg im Jahr 2021 beigetragen. Die IEA schätzt, dass der Markt bis 2035 ein jährliches Volumen von 550 Milliarden US-Dollar erreichen könnte.

Überraschender Rückschlag

Unterdessen fallen in den USA die Konjunkturdaten gemischt aus. Nach der ersten Schätzung schrumpfte die US-Wirtschaft im 1. Quartal aufs Jahr hochgerechnet entgegen den Erwartungen um 1,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Der IWF hatte bereits im Vorfeld seine Wachstumsprognose für das Gesamtjahr um 0,3 Prozentpunkte auf 3,7 Prozent gesenkt. Im Oktober 2021 waren die Ökonomen noch von 5,2 Prozent ausgegangen. Die Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter konnten aber zuletzt überzeugen. Sie kletterten im März auf Monatsbasis um 0,8 Prozent. Dieser solide Anstieg spiegelt sowohl die nachlassende Angebotsknappheit als auch die starke Investitionsnachfrage wider. Das US-Konsumentenvertrauen konnte dagegen nicht dazugewinnen. Der vom Conference Board erhobene Index ist im April leicht von 107,6 auf 107,3 Punkte gesunken.

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Redaktionsschluss: 05.05.2022, 18 Uhr