Quelle: tawatchai1990 / Adobe Stock

Die jüngsten Daten belegen es: Auch in der Eurozone scheint der Inflationsdruck offenbar nachhaltiger als von den Währungshütern der Europäischen Zentralbank (EZB) immer wieder behauptet. Im Januar ist die Teuerungsrate im Vorjahresvergleich überraschend auf 5,1 Prozent geklettert – historischer Höchststand. In Deutschland hat sich der Anstieg der Verbraucherpreise zwar von 5,3 Prozent auf 4,9 Prozent leicht abgeschwächt. Doch die Marktteilnehmer hatten einen kräftigeren Rückgang erwartet.

Zu den großen Inflationstreibern dürfte auch in den kommenden Monaten der zu erwartende Preisanstieg bei Erdgas und Strom gehören. Die Energiepreise, die 2021 im Jahresdurchschnitt um 24,4 Prozent zugelegt haben, belasten nicht nur die Verbraucher, sondern auch die Produzenten massiv. So sind im Dezember die Erzeugerpreise gewerblicher Produkte in Deutschland mit 24,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr so stark wie noch nie seit Beginn der Datenerfassung 1949 gestiegen. 2021 kletterten die Erzeugerpreise gegenüber dem Vorjahr um durchschnittlich 10,5 Prozent, nachdem sie 2020 noch um 1 Prozent zurückgegangen waren. Ohne Berücksichtigung der Energiepreise lag die Teuerungsrate bei 6,1 Prozent.

Finanzielle Hilfen

Rückenwind für eine breitere Konjunkturbelebung geben absehbare fiskalische Impulse. Nachdem der Wiederaufbaufonds der Europäischen Union über 750 Milliarden Euro im Frühjahr 2021 endgültig festgezurrt wurde, haben inzwischen fast alle Mitgliedsstaaten sogenannte Vorfinanzierungen in Höhe von 13 Prozent der jeweils beantragten Hilfen erhalten. Spanien hat sogar bereits die erste reguläre Tranche der Mittel bekommen, die vor allem zur Finanzierung von Klimaschutz- und Digitalisierungsprojekten verwendet werden sollen. Insgesamt sind bislang 66 Milliarden Euro geflossen – knapp 0,5 Prozent der Wirtschaftsleistung in der EU. Erhalten nach Spanien 2022 auch alle übrigen Länder die erste Tranche, könnten weitere 177 Milliarden Euro als willkommene Konjunkturhilfen dienen.

Große Aufgaben

Ebenfalls mit fiskalischer Unterstützung, aber auch durch geldpolitische Maßnahmen plant unterdessen die chinesische Regierung die Konjunktur zu stützen. Für 2021 weist China zwar ein nominales Bruttoinlandsprodukt (BIP) von umgerechnet rund 18 Billionen US-Dollar aus – ein Plus von 8,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Mit 4 Prozent Wachstum fiel die Dynamik im Schlussquartal allerdings so gering aus wie seit 18 Monaten nicht mehr. Die anhaltende Konsolidierung im hochverschuldeten Immobiliensektor und der weiterhin schwächelnde private Konsum infolge neuerlicher Lockdowns tragen maßgeblich dazu bei, die wirtschaftliche Erholung zu dämpfen.

Solide Wachstumsaussichten

Quelle: Deutsche Bank AG; Stand: 04.02.2022. Wertentwicklungen der Vergangenheit und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen.

Bereits im Januar verkündete die Staatsführung die Lockerung einer Reihe von Refinanzierungskonditionen für Banken sowie die Senkung wichtiger Referenzsätze für Kredite. Weitere geldpolitische Schritte könnten noch in diesem Quartal folgen und die Kreditnachfrage der Unternehmen und Verbraucher stimulieren. Die Maßnahmen dürften von zusätzlichen staatlichen Infrastrukturinvestitionen sowie Steuersenkungen – insbesondere für mittlere Einkommensschichten – flankiert werden.

Geld für die öffentlichen Investitionen ist jedenfalls vorhanden. Die Staatseinnahmen sind 2021 gegenüber dem Vorjahr um 10,7 Prozent auf umgerechnet rund 2,8 Billionen Euro gestiegen. Bei nahezu konstanten Staatsausgaben (+0,3 Prozent) reduzierte sich das Haushaltsdefizit auf gut 3 Prozent des BIPs. Der damit gewonnene haushaltspolitische Spielraum sollte es Peking ermöglichen, seine Ausgaben auf zentraler Ebene auf bisherigem Niveau zu halten und darüber hinaus Investitionen auf lokaler Ebene anzukurbeln.

Aktuelle Marktkommentare erhalten Sie im täglichen Newsletter „PERSPEKTIVEN am Morgen“.

Redaktionsschluss: 10.02.2022, 18 Uhr